© 2018 The Andy Warhol Foundation for the Visual Arts, Inc. / ARS, RBA Köln, M.Mennicken, FR
The Velvet Underground & Nico, 1967.
Kölner Museum für Angewandte Kunst
Kultur

Quadratisch, praktisch, pop

Von Michael Kohler
10:13

Andy Warhols berühmtestes Plattencover ist eigentlich gar keins: Auf weißem Grund prangt dort das Bild einer reifen Banane mitsamt der Signatur des Künstlers. Wer die aufgeklebte Schale wie vorgeschlagen pellt, sieht, dass darunter zartrosa gefärbtes Fruchtfleisch liegt. Eindeutig ist dies ein Künstler-Gimmick, ein taschenförmiges Auflagenwerk, in dem als Zugabe eine Vinylscheibe steckt. Wer wissen will, was darauf zu hören ist, muss das Album umdrehen und auf der Rückseite nachschauen.

Es wird gerne vergessen, dass Andy Warhol, der einflussreichste Künstler des 20. Jahrhunderts, von Beruf Grafikdesigner war. Dieses dienende Fach hatte er studiert, und in ihm wurde er wohlhabend und bekannt. In den fünfziger Jahren gestaltete Warhol die gesamte Bandbreite der populären Medien, und Plattencover gehörten einfach dazu. Mit zunehmenden Erfolg begann er dann, seine Cover-Entwürfe auch zu signieren, vermutlich ungefähr zu der Zeit, als er beschloss, reich und berühmt und genau deswegen Künstler zu werden. Eine entscheidende Einsicht nahm er aus der alten Karriere in die neue mit: Jede Arbeit ist immer auch eine Form der Eigenwerbung.

Mehr als fünfzig Plattencover gestaltete Andy Warhol zwischen 1949 und seinem Todesjahr 1987 – ein Großteil davon ist jetzt, um Skizzen, Fotos und Drucke angereichert, in der Ausstellung „Andy Warhol – Pop goes Art“ des Kölner Museums für Angewandte Kunst zu sehen. Auch als reicher und berühmter Künstler ließ Warhol nämlich das Gestalten nie ganz sein und nahm immer wieder Auftragsarbeiten an. Und er blieb seiner alten Maxime treu: Das fertige Werk soll seinem Zweck und dem Auftraggeber dienen, aber vor allem den Meister preisen, der es schuf.

Dank Andy Warhols legendärer Geschäftstüchtigkeit ist die Gesamtschau seiner Plattencover zugleich ein Abriss seiner glorreichen Karriere. Spiegeln die Alben zunächst Warhols Zeichnungen für Werbefirmen und Modezeitschriften wider, setzte er 1963 mit „Giant Size, 1.57 Dollar each“ erstmals ein Pop Art-Motiv auf eine Albumvorderseite; später griff er auf sein Archiv aus Polaroids und Filmbildern zurück und adaptierte sein Markenzeichen – das auf Simpel getrimmte Prominentenporträt – für Cover von Paul Anka und Diana Ross. In den Dienst der Sache stellte er sich nur bei „Sticky Fingers“, dem berühmtesten Album der Rolling Stones, auf dem ein applizierter Reißverschluss eine sichtbar ausgebeulte Männerjeans zusammenhält.

Außer einem Schnelldurchlauf durch das Werk von Andy Warhol bietet die Kölner Ausstellung dazu auch einige interessante Seitenblicke – etwa auf die kurze Karriere von Nico alias Christa Päffgen. Warhol hatte die Kölner Sängerin für seine Factory-Talentschmiede entdeckt und für die „Bananenplatte“ mit den Musikern der New Yorker Band Velvet Underground verkuppelt – gegen deren Willen und zunächst mit durchschlagendem Misserfolg.

Heute gehört die von Warhol gestiftete Zwangsehe zu den Klassikern der Popgeschichte, weshalb Frank Bez’ 1966 entstandene Superhelden-Fotografie von Warhol und Nico in Dracula- und Batmankostümen etwas geradezu Seherisches hat.

Selbst für Warhol-Kenner hält diese Schau wohl etliche Überraschungen bereit – und für den Warhol-Novizen ist es ein Schlaraffenland des Anekdotischen. Was will man auch anderes von jemandem erwarten, der im Grunde nur Witze auf Kosten der Kunstgeschichte riss und damit durchkam. Selbst mit der Signatur trieb er Späße: Die berühmte Warhol-Unterschrift stammt von seiner Mutter.

Eine schöne Anekdote ist auch, wie Ulrich Reininghaus, der Hauptleihgeber der Ausstellung, an seine Sammlung kam. Vor einigen Jahren sei er beim Galeristen Klaus Benden auf eine Warhol’sche Albumwand gestoßen und habe diese nach einigen qualvollen Tagen in Gänze gekauft. Als Zugabe steckte Klaus Benden dem Kölner noch einen Ausstellungskatalog sämtlicher Warhol-Cover zu – nach dessen Lektüre Reininghaus begriff, dass seine frisch erworbene Sammlung unvollständig und Warhol-Platten furchtbar schwer zu kriegen sind. So fixt man Sammler richtig an.

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