Maja Lunde
Kultur

Ein Gletscher im Whiskeyglas

Von Susanne Lenz
11:16

Die Norwegerin Maja Lunde hat im vergangenen Jahr ein Buch auf Deutsch veröffentlicht, das zu aller Überraschung zu einem Bestseller wurde, zum laut Börsenverein meistverkauften Buch 2017. Man könnte „Die Geschichte der Bienen“ einen Umweltroman nennen, denn es geht um das Aussterben dieser für das Überleben des Planeten so wichtigen Insekten. Damit hat Maja Lunde vermutlich einfach einen Nerv getroffen. Mit ihrem neuen Buch will sie ganz offenbar dieses ökologisch-literarische Erfolgsrezept wiederholen, nur mit einer anderen Zutat. Diesmal geht es um das Wasser.

Wie in der „Geschichte der Bienen“ verwebt Lunde mehrere Zeitebenen miteinander. Ein Teil des Romans trägt sich in der nahen Zukunft zu, im Jahr 2041. Eine seit Jahren anhaltende Dürre zwingt die Menschen in Südeuropa zur Flucht. Brände verheeren die Städte, aber vor allem gibt es kaum noch Trinkwasser. Familien werden auf der Flucht getrennt, so auch David, der mit seiner Tochter in einem Lager irgendwo in Frankreich vergeblich auf seine Frau und den kleinen Sohn wartet. Die Länder im Norden, das wird angedeutet, wollen nicht alle Dürreflüchtlinge aus dem Süden aufnehmen.

Im Zentrum der in der Gegenwart spielenden Geschichte steht die Umweltaktivistin Signe, eine Norwegerin, die früher gegen Wasserkraftwerke kämpfte und die sich nun gegen den Abbau des Gletschers in ihrem Heimatort wendet, der noch dazu von der verflossenen Liebe ihres Lebens veranlasst worden ist. Die Eisbrocken werden an die reichen Scheichs in den Ölstaaten verkauft, als das Exklusivste, mit dem man seinen Whiskey kühlen kann.

Das ist eine hübsch-perverse Volte, wirklich gelungen ist Maja Lunde ihr neuer Ökokatastrophenroman aber nicht, auch wenn sie die Geschichte wieder anhand einzelner Menschen und deren komplexen Beziehungen zueinander erzählt. Doch diese sind einfach nicht stark genug, als dass man das Konstrukt des Buchs nicht als berechnend empfände. Vor allem Signe, die Protagonistin der Gegenwart, klingt bei dem, was sie sagt, manchmal wie ein Flugblatt von Greenpeace, wie ein Trägermedium für Inhalte und Forderungen der Umweltbewegung, nicht wie ein Mensch aus Fleisch und Blut mit Schwächen und Zweifeln. Außerdem lassen sich der Dürre wohl einfach nicht so eindrucksvolle und staunenswerte Aspekte abgewinnen wie dem Bienensterben.

Maja Lunde hat angekündigt, zwei weitere Romane über unsere apokalyptische Zukunft zu schreiben. Es kann besser werden.

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