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Kamikaze heißt das neue Album von Eminem.
Eminem
Kultur

Auch Slim Shady wird irgendwann älter

Von Daniel Dillmann
12:32

Eminem ist nicht mehr ganz so gut, in dem, was er tut, wie er einmal war. Darin sind sich Kritiker und Fans des erfolgreichsten Rappers aller Zeiten weitgehend und mindestens seit 2010 einig. Damals veröffentlichte der heute 45-Jährige sein Album namens „Recovery“, das echte Hits enthielt, auf dem sich Superstars Rhianna und Lil Wayne die Ehre gaben und das Eminem mehrere Spitzenplatzierungen in den US-Charts einbrachte.

Sieben Jahre und zwei Alben später sorgt der Rapper für Aufregung – weniger musikalisch, denn publizistisch. „Kamikaze“ erschien ohne jegliche Vorankündigung, einfach so und nicht mal ein Jahr nach „Revival“, das sich gerade mal etwas mehr als eine Millionen Mal verkaufte. Für Eminem-Verhältnisse eine Katastrophe.

Dr. Dre produziert, Justin Vernon singt

13 Songs umfasst „Kamikaze“, produziert wurde es wie alle Alben Eminems von Dr. Dre. Die ganz großen Features fehlen. Sänger Justin Vernon von der Indie-Folk-Band Bon Iver darf einen Chorus singen, ebenso wie die kanadische Sängerin Jessica Reyez. Rap-Parts steuern Eminems langjähriger Weggefährte aus Detroit, Royce da 5’9‘‘, und Joyner Lucas bei.

Technisch - und Technik ist ein sehr wichtiger Aspekt in Rapmusik - gibt sich Eminem auch diesmal keine Blöße. Auf den Takt, teils in atemraubender Geschwindigkeit und ohne Luft zu holen, liefert er seine Zeilen, die wie immer voll von witzig-spitzfindigen, popkulturellen Anspielungen sind.

Eminem attackiert Drake und Machine Gun Kelly

Dem Werk fehlt aber nicht nur der Hit, ihm fehlt ein originelles Thema. Eminem entschuldigt sich bei seinen Fans für das vorangegangene Album, erzählt von seinen Minderwertigkeitskomplexen, nur um sich dann selbst vergewissern, dass er der Beste ist, der je gelebt hat. Wer nach Eminems Freestyle Anti-Trump Video im Winter vergangenen Jahres gehofft hatte, der Rapper aus Detroit würde seine politische Ader entdecken, wird enttäuscht. Homophobie bleibt virulent in Eminems Raps und Frauen bleiben Bitches. Politische Tracks wie „Like Home“ auf dem Vorgänger-Album fehlen gänzlich.

Dafür legt sich der auch als Slim Shady bekannte Eminem gleich mit mehreren seiner Kollegen an, als da wären: Kanadas Rapstar Drake, Vince Staples, Machine Gun Kelly und viele mehr. Bis auf den letztgenannten hat bislang keiner auf die in der Regel verkaufsfördernden Sprüche geantwortet. Aber warum sollten sie auch? Es ist 2018 und wir reden von einem neuen Eminem-Album.

In einer vorherigen Version des Textes stand, dass Eminem sich auch mit Kanye West anlegt. Das ist nicht korrekt. Wir haben die entsprechende Stelle korrigiert.

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