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Serienhits wie „Sherlock“ können die Briten auf unbegrenzt vielen TV-Geräten und Computern sehen - dafür zahlen sie umgerechnet 170 Euro pro Jahr.
Rundfunkgebühren
Kultur

Jeder nutzt die BBC

Von Sebastian Borger
08:35

Bedeutung und Akzeptanz des berühmtesten öffentlich-rechtlichen Senders der Welt wurde zuletzt 2016 intensiv diskutiert. Dann geschah, was seit 1926 im Zehnjahresabstand immer wieder passiert: Die BBC erhielt eine königliche Charta. Diese sichert die Unabhängigkeit und Finanzierung der Rundfunkanstalt bis Ende 2027.

Der Sender darf von den Briten jährlich 150,50 Pfund (170 Euro) eintreiben; dafür können jene auf unbegrenzt vielen Farb-TVs und Computern Hits wie „Sherlock“ oder „East Enders“ sehen. Wer sich bis heute mit einem Schwarz-Weiß-Gerät begnügt, zahlt etwa ein Drittel; reine Radiohörer kommen kostenlos davon. Verweigerer der TV-Gebühr werden streng verfolgt: Der Sender schickt eine Privatfirma mit Peilsendern durch die Städte, um illegale Fernseher zu orten. Die Maximalstrafe beträgt umgerechnet 1120 Euro, einige besonders Hartnäckige wandern jeweils für einige Tage ins Kittchen.

96 Prozent der Briten nutzen jede Woche mindestens ein Angebot des Senders, durchschnittlich konsumiert jeder Brite sogar fast drei Stunden täglich Öffentlich-Rechtliches online, per TV oder Radio. Mit dem Jahresetat von zuletzt rund 4,2 Milliarden Euro finanziert der Mediengigant drei nationale sowie eine Vielzahl regionaler Fernseh- und Rundfunkprogramme.

Während der Verhandlungen über die derzeit laufende Charta zwang die konservative Regierung dem „Tantchen Beeb“, so die liebevolle Bezeichnung des Senders im Volksmund, erhebliche Einsparungen auf, die im Lauf der Jahre immer größer zu werden versprechen. Zukünftig erhält der Sender keinen Ausgleich mehr dafür, dass die Regierung allen Briten über 75 Jahre die Rundfunkgebühr erlässt – und die werden auch auf der Insel immer mehr.

Anhaltende Schwierigkeiten erlebt die Anstalt auch durch eine andere Regierungsvorgabe. Seit vergangenem Jahr müssen die Gehälter derjenigen offengelegt werden, die bei der BBC im Jahr mehr als 169.000 Euro verdienen. Zum Vorschein kam dabei die enorme Diskrepanz zwischen männlichen und weiblichen Stars. So verdienten beispielsweise die Moderatoren des Radio-Morgenmagazins „Today“, dem die gesamte Elite des Landes lauscht, zwischen 169 000 (Moderatorin) und 667.000 Euro (Moderator).

Nach empörten Protesten, die in einem offenen Brief der 42 bekanntesten BBC-Journalistinnen, gipfelten, haben Intendant Tony Hall und sein Team inzwischen vielen Männern das Gehalt gekürzt.

Allerdings findet die neue BBC-Transparenz im Privatsektor keinerlei Entsprechung. Banken beispielsweise, von denen einige seit der Finankrise bis heute vom Staat gestützt werden, müssen lediglich anonymisiert die Einkünfte ihrer Spitzenkräfte mitteilen, wie es die BBC zuvor ebenfalls praktiziert hatte.

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