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Nachdem Maggie (Debi Mazar, r.) ihre beste Freundin Liza (Sutton Foster, 2.v.l.) dazu gebracht hat, sich einfach ein paar Jahre jünger zu schummeln, findet diese tatsächlich einen Job bei der Marketingchefin Diana Trout (Miriam Shor, l.) und trifft dort auf die quirlige Kelsey (Hilary Duff, 2.v.r.). Doch wie lange wird das Versteckspiel gutgehen?
„Younger“
Kultur

Das Alter als Laster

Von Kathrin Rosendorff
16:27

„Niemand will eine Ü-40-Jährige anstellen“, sagt Liza Miller. Gerade wurde sie bei einem Verlag mit den Worten abgelehnt: „Sie sind obsolet.“ Die höfliche Formulierung von: „Du bist zu alt für diesen Job!“ Liza ist 40, frisch geschieden - ihr spielsüchtiger Mann, mit dem sie im Vorort im Häuschen lebte, hat sie für eine Jüngere verlassen. Ihre erwachsene Tochter findet sich gerade selbst in Indien. Und jetzt ist Liza arbeitssuchend in New York City und teilt sich ein Apartment mit ihrer lesbischen besten Freundin Maggie.

Diese bringt sie auf eine Idee - und zwar kurz nachdem Liza in einer Bar von einem 26-jährigen Beau für gleich alt gehalten wird: „Sag, du bist 26.“ Liza entgegnet: „Das glaubt doch kein Mensch.“ Maggie: „Die Leute glauben, was sie hören. Sie glauben, dass Kokosöl ihren Arsch schrumpfen lässt. Sie glauben dir auch die 26.“

Willkommen bei „Younger“, der neuen US-Serie von „Sex-and-the-City“-Macher Darren Star. Diese läuft jetzt jeden Mittwoch in Doppelfolgen auf ProSieben. In den USA ist sie so erfolgreich, dass bereits die fünfte Staffel ausgestrahlt wird.

Auf Bodyshaming folgt Age-Shaming

Kein Wunder. Die Serie ist unterhaltsam, witzig – und gleichzeitig spricht sie eine Wahrheit aus, die man nicht verleugnen kann. Alter gilt heutzutage als Laster: Ob im Bewerbungsgespräch oder in der Datingwelt. Oder wie es die Protagonistin treffend sagt: „Je älter und erfahrener man wird, desto uninteressanter wird man.“ Nach Bodyshaming nun also Age-Shaming. Gerade Frauen trauen sich kaum noch, laut auszusprechen, dass sie älter als 29 sind. Weil man oft behandelt wird, als wäre man ein abgelaufener Joghurt. Also ist freiwillig keiner mehr so alt wie er wirklcih ist oder wie Frauenzeitschriften titeln: „30 ist das neue 20“, „40 das neue 30“, „50 das neue 40“…

Lizas Vorteil: Sie sieht jünger aus als sie ist - und mit ein bisschen Umstyling glaubt man ihr die 26. Die Rolle wird von Broadway-Star Sutton Foster verkörpert. Foster ist 43 Jahre alt, aber sieht eben auch im echten Leben zehn Jahre jünger aus.

Als 26-Jährige bekommt Liza sofort einen Job als Verlagsassistentin. Mit Karteikarten lernt sie ihre neue Identität bis aufs kleinste Detail. Ihre Mitbewohnerin fragt sie ab wie beim Vokabellernen: „Lieblingsband?“ „One Direction“. „Und wen besonders? „Harry.“

Fast fliegt Liza auf, als ihre Kolleginnen in der Umkleide Lizas „Busch“ entdecken. Und klar ist, sie wird sich waxen lassen müssen, damit sie - wie die jüngere Generation eben - „unten rum nicht älter als zwölf aussieht“. Und doch fragt sie sich: „Will ich wirklich meine Würde und Weisheit aufgeben, um wieder Mitte 20 zu sein?“ Was auch beim Zuschauer die Frage aufwirft: Muss man sein Alter, seine Lebenserfahrung, ja seine Identität leugnen, nur damit man den Job, den Mann bekommt, den man will?

Bei der Arbeit scheitert sie anfangs fast, als sie plötzlich zur Social-Media-Beauftragten wird, aber erst googeln muss, wie man überhaupt einen Twitter-Account erstellt. Die Dialoge sind komisch: „Richten Sie für Jane Austen einen Twitter-Account ein“, sagt die Chefin.  „Die tote Jane Austen?“ Genau die.

Lizas Chefin ist 43 und frustriert wie fies. Sie beneidet alle jungen Frauen, um „ihre Jugend und funktionierenden Eierstöcke“. Mit ihrer Kollegin Kelsey (Hilary Duff) hingegen hat Liza eine Verbündete, die betont: „Taylor Swift sagt: ‚Es gibt einen besonderen Ort in der Hölle für Frauen, die anderen nicht helfen.‘“ Liza und Kelsey unterstützen sich gegenseitig anstatt Missgunst und Bitchigkeit regieren zu lassen. So wie es in der realen Berufswelt sein sollte, aber oft leider eben nicht ist.

Und dann ist da noch Josh.  Der 26-jährige Tätowier-Künstler aus der Bar. Erst wehrt sie vehement ein Date ab: „Du bist zu jung.“ Doch schließlich trifft sie ihn doch. Es kommt zum leidenschaftlichen Kuss. Was schön anzusehen ist, nicht nur, weil Josh-Darsteller Nico Tortorella ein sehr hübscher Mann ist, sondern, weil es ein gesellschaftliches Tabu bricht: Wenn man sich versteht, sich mag, zusammen lachen kann, sich attraktiv findet, ist das Alter doch nur eine Zahl. Und wieso darf nicht auch die Frau mal älter sein als der Mann? Hallo, es ist 2018.

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