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Der Stein des Anstoßes: Colin Kaepernick auf der Anzeige von Nike.
Colin Kaepernick
Kultur

Trump-Fans verbrennen Nike-Produkte

Von Daniel Dillmann
12:46

Colin Kaepernick spaltet weiter eine ganze Nation. Der Quarterback blieb kurz vor dem Start eines Spiels der San Francisco 49ers in der nordamerikanischen American Football Liga sitzen, statt aufzustehen – während die Nationalhymne der USA durch das Stadion schallte.

Das ist zwei Jahre her, doch die Aufregung bleibt groß um den mittlerweile arbeitslosen Quarterback und seinen Protest gegen den institutionalisierten Rassismus gegenüber Schwarzen in den USA, den Kaepernick im weiteren Verlauf im Knien fortsetzte. Viele US-Sportler folgten seinem Beispiel, ganze Teams schlossen sich an und schließlich, im Jahr 2016, entdeckte Donald Trump das Thema für sich und seinen Wahlkampf.

Donald Trump schaltet sich ein

Der heutige US-Präsident unterstellte Kapernick und seinen Mitstreitern gegenüber dem Fernsehsender Fox News „einen großen Mangel an Respekt und Anerkennung für unser Land“. Die mehrheitlich schwarzen Sportstars würden außerdem das Opfer entehren, das gefallene US-Soldaten bei der Verteidigung der USA und ihrer Flagge erbracht hätten. Er empfahl Kaepernick und Co. die Ausreise, indem er ihnen vorschlug, sie sollten „mal ein anderes Land ausprobieren.“

37 Mal twitterte Trump innerhalb eines Monats über Kapernick, die Flagge und die NFL. Für Trumps Anhänger ist der 30-jährige Sohn einer Weißen und eines Schwarzen seitdem ein Symbol geworden, für undankbare (schwarze) Sportstars und liberale Vaterlandsverräter.

Nike schließt Vertrag mit Colin Kaepernick

Entsprechend fallen Reaktionen aus dem Trump-Lager auf eine Werbekampagne von Nike aus. Der US-Sportartikelhersteller hatte einen Vertrag mit Kaepernick abgeschlossen und ein Banner veröffentlicht, das eine Nahaufnahme von Kaepernick zeigt, versehen mit dem Schriftzug: „Glaube an etwas. Auch, wenn es bedeutet, alles zu opfern.“

Zahlreiche Videos und Fotos erschienen in Folge in den sozialen Medien, vor allem auf Twitter. Zu sehen sind US-Bürger wie sie ihre Nike-Schuhe, T-Shirts, Sportsocken und Schweißarmbänder verbrennen, in den Mülleimer werfen oder andersartig zerstören. Auch ein Hund wird gefilmt, der ganz patriotisch einen Sneaker auffrisst.

Die Zerstörungsarien verbinden die Trump-Unterstützer mit dem Vorwurf, Nike zwinge sie zur Wahl zwischen Schuh und Nation, wobei die Wahl deutlich zugunsten der Nation ausfällt. Sie wünschen dem Sportartikelhersteller außerdem einen Kurseinbruch an der Börse, eine Hoffnung, die zumindest vorübergehend in Erfüllung ging. Sie versprechen außerdem, nie wieder Produkte mit dem „Swoosh“, dem unverkennbaren Logo der Firma, zu kaufen, und stattdessen bei der Konkurrenz zu shoppen. Zum Beispiel bei Adidas, selbst wenn die, ganz unamerikanisch, in Herzogenaurach (Bayern) sitzen - und nicht in Beaverton, Oregon.

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