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„Wichtig ist dabei, dass alle weitergegebenen Daten depersonalisiert werden – sonst kommt es zu Problemen mit der Datenschutzgrundverordnung“, sagt Jentzsch.
Google und Co.
Kultur

„Es ist gut, schnell eingreifen zu können“

Von Helena Hauser
14:24

Frau Jentzsch, hätten schon früher Maßnahmen ergriffen werden sollen, um eine bessere Kontrolle über die Macht von Google & Co. zu haben?
Das bestehende Kartellrecht wurde bereits im vergangenen Jahr angepasst. Ziel der Änderungen war es auch, die Marktstellung von Plattformen und Internetunternehmen besser beurteilen zu können. So wurde zum Beispiel der Zugang zu Daten schon mit aufgenommen. Es wäre sicherlich sinnvoll gewesen, schon früher aktiv zu werden. Die Studie könnte jetzt der Anlass sein, das Wettbewerbsrecht aktiv zu gestalten.

Autoren der Studie schlagen vor, schon bei Unternehmen ohne relevante Marktmacht kartellrechtlich eingreifen zu dürfen. Wie sinnvoll ist das?
Grundsätzlich ist das ein guter Vorschlag. Im Zeitalter von Google & Co. können schon Unternehmen, die noch nicht dominieren, einen Markt in ein Monopol kippen. Gerade weil es sich um sehr schnelle Märkte handelt, ist es gut, auch schnell eingreifen zu können.

Ein anderer Vorschlag ist, dass Unternehmen wie Google ihre Datenflut künftig mit der Konkurrenz teilen müssen. Ist das im Interesse des Nutzers?
Ja, wenn es zu Innovationen kommt, die aus den Daten entstehen, die geteilt werden. Ein weiterer Vorteil ist, dass sich die Auswahl an Angeboten für Verbraucher erhöhen kann. Negativ wäre es, wenn die Unternehmen die Daten nutzen, um Preisdiskriminierung zu betreiben, die ein Nachteil für Verbraucher ist (z. B. individuelle Preise für Nutzer, Anm. d. Red.). Wichtig ist dabei, dass alle weitergegebenen Daten depersonalisiert werden – sonst kommt es zu Problemen mit der Datenschutzgrundverordnung.

Außerdem soll es schwieriger werden, kleine Start-ups aufzukaufen, bevor sie zu Konkurrenten werden. Ist das eine gute Maßnahme?
Im Prinzip ist auch das eine gute Maßnahme. Auch hier wird es schwierig werden zu beurteilen, wann ein Angebot ein potenzielles Konkurrenzangebot ist. Die Wettbewerbsbehörde müsste beurteilen können, wohin der Wettbewerb geht.

Interview: Helena Hauser

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