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Sorgt seit Tagen für Diskussionsstoff: Kanye West.
Kanye West
Kultur

Von der „Wahl“, versklavt zu werden

Von Andreas Sieler
16:51

Nicht nur hierzulande fallen manche Rapper negativ durch ein fragwürdiges Geschichtsverständnis auf, sondern auch in den Vereinigten Staaten. Dort steht derzeit der Musiker Kanye West in der Kritik. Dieser hatte in einem Radiointerview mit „TMZ live“ im Zusammenhang mit der Sklaverei in den USA von einer „Wahl“ gesprochen: „Es ist die Rede von Sklaverei seit 400 Jahren“, sagte der 40-Jährige. „Seit 400 Jahren? Das klingt für mich nach eigener Wahl.“

Über Jahrhunderte wurden Millionen Afrikaner in die USA verschleppt, um dort als Sklaven verkauft zu werden. Entsprechend kam Wests Entgleisung nicht überall gut an: Auf dem Kurzbotschaftendienst Twitter folgte am Mittwoch ein Shitstorm, der kein Ende zu nehmen schien. Mit Kommentaren wie „Auch viel Geld schützt nicht vor Dummheit“ oder „schamloser, unwissender Idiot“ äußerten Nutzer ihren Unmut.

Auch Prominente meldeten sich zu Wort: Demokratin und CNN-Kommentatorin Symone Sanders nannte West eine „gefährliche Karikatur einer ,frei denkenden‘ schwarzen Person“. Sie sei angeekelt und könne nicht glauben, dass sie nun klarstellen müsse, dass Sklaverei alles andere als eine Wahl war.

Nun ist Kanye West nicht irgendein unbedeutender Rapper, sondern einer der erfolgreichsten seines Genres. Wie auch seine Frau – Reality-Sternchen Kim Kardashian – wurde er 2015 vom „Time“-Magazin auf einer Liste der 100 einflussreichsten Menschen der Welt geführt.

Erst in der vergangenen Woche war West in die Kritik geraten, als er als einer der wenigen schwarzen US-Künstler seine Unterstützung für Donald Trump kundtat und ihn sogar als seinen „Bruder“ bezeichnete. In dem besagten TMZ-Interview erneuerte er seine Bekenntnis zum US-Präsidenten.

Auf die Kritik reagiert nun der Rapper seinerseits auf Twitter und versucht dabei, seine Aussagen zu relativieren: „Natürlich weiß ich, dass Sklaven nicht freiwillig gefesselt auf ein Schiff gebracht wurden“, schreibt er zunächst. Sein Punkt sei vielmehr, dass sich das nicht änderte und „wir mental versklavt wurden“ – „Wir können aber nicht für die nächsten 400 Jahre mental eingesperrt bleiben“, schreibt West weiter und sieht sich als Opfer: „Erneut werde ich für die Präsentation neuer Ideen attackiert.“

Generell zielt der Musiker auf den Punkt ab, dass Afroamerikaner selbst ihre Einstellung überdenken sollten. Er zitiert dabei ferner die afroamerikanische Fluchthelferin Harriet Tubman: „Ich befreite tausend Sklaven und hätte tausend mehr befreien können – wenn sie nur gewusst hätten, dass sie Sklaven sind.“

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