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Eine kleines Gerät, das viele Antworten liefert.
Pro: Googeln
Kultur

Die Antwortmaschine Google

Von Arnd Festerling
17:17

Es ist schon toll, dass die Telefoniermaschine eine Suchmaschine hat, die zuvorderst eine Antwortmaschine ist. Darauf läuft, in äußerster Verknappung, letztlich jedes abgewogene Urteil über Suchmaschinen und Handys und deren Nutzung hinaus.

Wer nochmal hat die Musik zu „Aguirre, der Zorn Gottes“ gemacht, wo eigentlich verlief die deutsch-dänische Grenze vor der schleswig-holsteinischen Erhebung von 1848, wer schoss das letzte Tor beim inzwischen vorletzten Sieg der Eintracht in Freiburg? Fragen, die in jedem x-beliebigen Gespräch jederzeit aufploppen können. Und dann? Kann man sich den Antworten durch gemeinsames Erfühlen nähern, durch Zusammenlegen von vielerlei Viertelwissen, durch Raten womöglich? Nein, nein und nochmals nein.

Früher schwankte man nach solchen Gesprächen nach Hause, randvoll mit Bier und dem Gefühl der eigenen Unzulänglichkeit. Getragen von der Hoffnung, die Fragen mit ein paar Telefonaten, unter Mithilfe diverser Lexika, jedenfalls aber ohne Besuch in der Unibibliothek zu klären.

Heute gibt es das Smartphone mit Safari oder Chrome, den Toren zu den unendlichen Weiten weltweiten Wissens. Nun mag es hin und wieder vorkommen, dass der individuelle Wissensdrang zu unschönen Vorkommnissen im zwischenmenschlichen Bereich führt. Ja, das gibt es. Da ist schon manche Träne geflossen, wenn die Gastgeber das WLAN-Passwort verweigerten, obwohl grottenschlechtes Netz die Nutzung des Mobiltelefons unmöglich machte:

„Ach, geht doch auch mal ohne Handy.“

„Neeeiiiiin!“

„Was ist denn mit Deinem Mann los, hat der Stress bei der Arbeit?“

„Nein, der ist immer so, aber wir wollten sowieso gerade gehen …“

Flüsternd: „Ich schwör Dir, ich lass’ mich scheiden!“

„Warte mal: Scheiden, Scheidung ist die Auflösung einer Ehe … wie, was jetzt? Wir?“

Aber von solchen Extremen abgesehen, kann man ganz objektiv festhalten: Die Nutzung der Suchmaschine ist alleweil und allerorten eine nicht nur angemessene, sondern zuzeiten zwingende Notwendigkeit angesichts der vielfältigen Ansprüche, die das digitale Zeitalter an den Menschen stellt.

Ach so, um des lieben Friedens willen: Popol Vuh, südlich von Schleswig und Holstein, Bachirou Salou. 

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