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Diese DC-3 hat der Schweizer Unternehmer Hugo Mathys vor dem Abwracken gerettet.
„Jahrhundertflieger DC-3“ (ZDFinfo)
Kultur

Die Berliner nannten sie „Rosinenbomber“

Von Harald Keller
16:32

Ein Filmstar ist sie sowieso. In „La La Land“ taucht sie auf, im Bond-Abenteuer „Leben und sterben lassen“ schrammt ein PKW über ihre weiß lackierte Blechhaut. Unverzichtbar war sie für „Indiana Jones und das Königreich des Kristallschädels“ und erst recht für „Air America“: die Douglas DC-3.

Bis heute singen Aviatiker und Piloten ihr Lob, sie ist weltweit vor allem in Gebieten mit extremen Flugbedingungen weiterhin im Einsatz, vereinzelt sogar im Linienbetrieb. Vor allem dort, wo nur unbefestigte Pisten zur Verfügung stehen. Die DC-3 kommt beinahe überall heil herunter. Rund 150 sollen aktuell noch unterwegs sein, aber es werden wieder mehr. Im US-amerikanischen Oshkosh in Wisconsin hat sich eine Firma auf die Restaurierung von DC-3-Wracks spezialisiert.

Die Nachfrage ist da, wie der Filmautor Peter Bardehle berichtet. Die Nasa nutzt eine nachgerüstete DC-3 für Forschungsflüge, ebenso das deutsche Alfred-Wegener-Institut. In der Werkstatt des Unternehmens steht unter anderem eine DC-3 namens „Judy“. Sie trägt noch Blessuren aus der Zeit des Krieges – Einschusslöcher, die für den neuen Besitzer beseitigt werden müssen. Der Motor bedarf der Überholung. Bei entsprechendem Portemonnaie kein Problem. Originalersatzteile aus Militärbeständen sind noch in reichlichem Maße vorhanden.

Konzipiert wurde der robuste Alleskönner unter den Propellerflugzeugen bereits in den 1930er-Jahren als schnelles Reisemittel, um die großen Distanzen innerhalb der USA zu überwinden. Wer den Gegenwert von zwei Monatslöhnen investieren konnte, flog in komfortablen Fauteuils, die sich nach Sonnenuntergang in Schlafstellen verwandeln ließen. Hollywood-Stars der 1940er nutzen die DC-3, um zwischen New York und Hollywood zu pendeln. An anderer Stelle rackerte der schmucke Brummer als Transportflugzeug. 1941 zog er mit den Alliierten in den Krieg. Erst trug er Bomben, im Deutschland des Jahres 1948 dann als sogenannter „Rosinenbomber“ Lebensmittel und Brennstoffe für das abgeschnittene West-Berlin. In Vietnam übernahm er eine weniger rühmliche Aufgabe – von Bord der DC-3-Maschinen schossen US-Soldaten blindlings aufs Feindgebiet hinunter.

Das sind nur einige der historischen Daten, die Peter Bardehle in seiner 45-minütigen Dokumentation, einer deutsch-kanadischen Koproduktion, ansteuert, und sie beziehen sich in erster Linie auf die USA, dem Herkunftsland der DC-3, und Europa. Legitim, denn ein größerer thematischer Bogen hätte den Beitrag letztlich überfrachtet. Spannend ist – nicht nur für Luftfahrtfans –, wie viel sich anhand dieses unverwüstlichen Flugzeugmodells erzählen lässt. Frappierend schon allein, dass es noch heute unter bestimmten Bedingungen gegenüber den modernen Nachfolgern, die quasi von der DC-3 abstammen, Überlegenheit beweist. Keine rein nostalgische Rückschau also, sondern eine kurzweilige historische Recherche mit überraschend aktuellen Bezügen.

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