© ZDF, Marilena Schulte, FR
Das Aktiv-Stadthaus der EBG in der Frankfurt Speicherstraße ist ein Beispiel für neue Konzepte von Stadtentwicklern und Bauherrn.
„Planet e.“, ZDF
Kultur

Bauherrenmodelle in Zeiten der Wetterextreme

Von Harald Keller
12:54

Die Reportage- und Magazinredaktionen der öffentlich-rechtlichen Sender scheinen keine Sommerpause zu kennen – auf den Regelsendeplätzen liefen auch in der Ferienzeit stets neu produzierte, teils hoch aktuelle Produktionen. Auch die ZDF-Umweltreihe „Planet e.“ ist mit ihrer heutigen Ausgabe ganz auf der Höhe der Zeit: Es geht um die allerwärts spürbaren Folgen des Klimawandels, um Hitzewellen und Überschwemmungen.

Diese Phänomene stellen auch Stadtplaner vor besondere Aufgaben. In Essen, im bevölkerungsdichten Ruhrgebiet gelegen, hat man das früh erkannt. Ein künstlich angelegter See, ein Radschnellweg als Luftschneise, viel Grün, vor allem Anpflanzungen robuster Bäume verhalfen der 583.000-Einwohner-Stadt 2017 zum Titel „Grüne Hauptstadt Europas“. Wichtiger als alle Ehrungen aber ist das verbesserte Klima – niedrigere Temperaturen im Sommer, frischere Luft. Wer in den letzten Wochen unter einer innerstädtischen Hitzeglocke zu leben und zu leiden hatte, wird die Essener beneiden.

Die Filmautorin Judith Schneider spricht mehrere Herausforderungen an, denen sich Urbanisten und Architekten heute ausgesetzt sehen. In den großen Städten fehlt es an Wohnraum. Eine Maßnahme in Frankfurt: alte Bürohochhäuser abreißen, durch Wohnbauten ersetzen. Eine städtische Förderung sorgt dafür, dass dreißig Prozent der Wohnungen vergünstigt angeboten werden können.

Problem Bodenversiegelung

Lamia Messari-Becker, Professorin für Bauphysik und Beraterin der Bundesregierung, befürwortet solche Lenkungsmaßnahmen. Gute Erfahrungen hat man auch auf dem Land gemacht, in Schweinsdorf. Dort gab es leerstehende Altbauten im Ortskern, darunter bildschöne Fachwerkhäuser. Statt Acker- und Naturflächen zu Baugebieten zu erklären, hat man zunächst den Altbestand saniert. Mit Erfolg: die Bevölkerungszahl ist deutlich gestiegen. Positiver Nebeneffekt: Die Aufträge gehen an das regionale Handwerk.

Die Bodenversiegelung durch immer neue Baumaßnahmen zieht sich als roter Faden durch diese „Planet E.“-Folge. Sie trägt zu Überschwemmungen bei und kostet landwirtschaftliche Nutzflächen. Schutzmaßnahmen und Alternativen sind möglich, wie die Autorin aufzeigt, die auch neue Formen des Bauens vorstellt. Häuser mit tragenden Wänden aus Stroh, an anderer Stelle Musterbauten mit einer Fassade aus Solarpanels. Auch die beweglichen und preiswerten „Tiny Houses“ werden vorgestellt, die bereits als neuer Trend durch die Medien geisterten. Wobei der „Trend“ natürlich auf vergangene Kulturen zurückgeht, auf reisende Handwerker und Künstler, ebenso auf die kalifornischen Hippies und deren geistige Erben, die bereits in den Sechzigern individuelle Häuser aus wiederverwertbarem Material und originelle mobile Behausungen entwarfen.

Wohnungssuchende und angehende Bauherren finden in dieser Reportage sicherlich den einen oder anderen wertvollen Tipp. Der lässt sich auch nachholen: Bis 9.8.2019 steht der Programmbeitrag noch in der Mediathek des ZDF bereit.

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