Theaterhaus Frankfurt
Kultur

Was in der Welt schiefläuft

Von Swantje Kubillus
07:46

Wie sollen junge Menschen ein Interesse fürs Theater entwickeln, wenn ihre Bedürfnisse dort keine Rolle spielen? Diese Frage hat sich das Team vom Frankfurter Theater Gruene Sosse gestellt und sich vorgenommen, es anders zu machen. In dem Theaterstück „Sex, Drugs, Geschichte, Ethik und Rock & Roll“ erleben Jugendliche ab 13 Jahren in „einem Beitrag zur Allgemeinbildung“, dass es ziemlich viel Spaß machen kann, Dinge direkt anzusprechen.

Im proppenvollen Theaterhaus-Raum tobt, kichert und gluckst es bei den ulkigen Sachen, die die beiden Darstellerinnen Kathrin Marder und Friederike Schreiber da auf der Bühne machen. Was gibt es denn in der Welt wirklich Wichtiges zu lernen? Reanimation vielleicht? – Ja, denn das ist hilfreich, damit kann man Leben retten. In unseren Schulen ist das aber nicht verpflichtend. Warum eigentlich? Immer wieder geübt, schult es das Verantwortungsbewusstsein und vermittelt ein Gefühl für die Bedeutung von Leben und Tod.

Sex ist das nächste wichtige Thema. Wer waren eigentlich die Hippies und was trugen sie zur Gleichberechtigung bei? Das führt die Schauspielerinnen bald zu der Frage, weshalb Frauen eigentlich immer noch weniger verdienen als Männer. Dann geht es um Drogen, und dass nicht alles Schnee ist, was weiß ist, sollte man wissen. Aufklärung durch Konfrontation: Wie geil kann es sein, bei einer Party nicht mehr von der Kloschüssel zu kommen? Beim Thema Ethik wird aufgezählt, was alles in dieser Welt schiefläuft. Warum acht Männer alleine so viel Reichtum besitzen, wie die Hälfte der Menschheit zusammen und warum 260 Millionen Kinder auf der Welt keinen Zugang zu Bildung haben.

Und was sagt wohl das Kultusministerium dazu, weshalb für die Ereignisse nach 1945, wie zum Beispiel den Vietnamkrieg oder auch den Fall der Mauer, kaum Platz im heutigen Geschichtsunterricht der Sekundarstufe I ist? Stattdessen aber die Entwicklung zum Imperium Romanum, die mittelalterliche Stadtentwicklung und die Konfessionalisierung ausgedehnt werden? – Die Frage darf sich jeder selbst beantworten, sich dann aber nicht wundern, dass junge Menschen frustriert sind und die Komplexität der Welt nicht begreifen.

Flapsig und lustig geht es eine Stunde lang auf der Bühne zu. Es wird mit einer E-Gitarre gerockt und mit Farbbomben geworfen. Eine Schulstunde im intensiven Kontakt, ohne Smartphone. Berührungsängste gibt es keine, stattdessen viel Selbstbewusstsein.

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