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Weil eine Partnerschaftsagentur in England nicht genug „Fische“ hatte, konnte Miss Bürki auch kein Kerl ins Netz gehen.
Times mager
Kultur

Moral

Von Thomas Stillbauer
15:48

Heute: Einsamkeit, ach, Einsamkeit! Dazu drei herzzerreißende Geschichten, die in den vergangenen Tagen bekanntwurden, und die Konsequenzen.

Tereza Burki aus London verklagte eine Partnerschaftsagentur, wie der „Guardian“ unter dem Titel „Not enough fish“ berichtet. Damit dürfte endlich geklärt sein, wer hier Fisch ist (Mann) und wer Fahrrad (Frau). Weil die beauftragte Agentur nicht genug Fische an Bord hatte (nur 100), urteilte das Gericht, habe nie die Chance bestanden, dass Miss Bürki einer ins Netz geht, der ihren Ansprüchen (reich) entspräche. Sie erhielt die Vermittlungsgebühr zurück und eine Entschädigung, zusammen rund 13.000 Pfund, aber keinen Mann. Der Richter zitierte die Schriftstellerin Gertrude Stein mit den Worten: „Wer auch immer behauptet hat, mit Geld könne man nicht alles kaufen, wusste nur nicht, wo er shoppen muss.“

Quer durch Kanada reiste Hitchbot, der trampende Roboter, im Sommer. Von Halifax im Osten nach Vancouver ganz im Westen. Hitchbot, ein Geschöpf aus einem Eimer als Rumpf, sogenannten Schwimmnudeln als Gliedmaßen, Mini-PC und einem digitalen Grinsgesicht, saß am Straßenrand oder auf Supermarktparkplätzen und bat die Leute, ihn ein Stück mitzunehmen. Fans aus aller Welt bastelten ihm Pappkameraden und wünschten ihm Glück. Autofahrer luden ihn ein und auf, wenn es ihm an Strom gebrach. Das Experiment kanadischer Forscher sollte ermitteln, wie Menschen auf Roboter reagieren. Resultat: fast gut. Auf der letzten Etappe wurde Hitchbot zerstört, und jetzt verbringt er den Rest seines Daseins repariert im Museum – in Paderborn.

Weinen Sie noch nicht. Es folgt eine Geschichte, die den Schluss von „Romeo und Julia“ zur vergleichsweise heiteren Episode degradiert. Der Film im Internetkurzdings Twitter zeigt eine Frau, die einen winzigen Zwergpinguin an den Strand setzt. Der Kleine ist hin- und hergerissen zwischen Meer und Mensch, entscheidet sich schließlich fürs Wasser und wird fortan von meterhohen Wellen gebeutelt. Der erste Kommentar darunter weist darauf hin, dass Zwergpinguine in großen Gruppen leben – dieses einsame Exemplar werde folglich in Kürze von einem Raubfisch gefressen. Der Pinguinfilmveröffentlicher antwortet etwas im Sinne von „gar nicht!“ und fügt ein weiteres Zwölf-Sekunden-Rührstück an, offenbar vor der Meeresszene aufgenommen: Das Tierchen watschelt aus einer Holzbox, schaut sich beklommen um – und rehehennt zurück in die Bohohohox! Verzeihung. Die Gefühle.

Moral davon: Wie in diesen drei Beispielen soll es allen ergehen, die weiterhin ihr dreckiges Geschirr ins Redaktionsspülbecken stellen statt in die Spülmaschine.

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