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Waren beide nicht da: Weder der Mond noch ein Uhu ließ sich blicken.
Times mager
Kultur

Umlaufbahn

Von Christian Thomas
07:10

Er ist ja nicht aus der Welt. Auch wenn er sich weiterhin nicht ständig zeigt. Und man hängt seinem Auftritt in Gedanken nach – wo wir ihm doch hinterher waren, nicht unter der Lichtglocke von Frankfurt. Sogar vom Gr. Feldberg wurde abgeraten, zu hell. Also auf nach Dietkirchen, auf den Felssporn über der Lahn, dorthin, wo sie träge dahinfließt und dunkel ihre Bahn zieht, unterhalb von St. Lubentius. Über die spätromanische Rarität sind viele Monde hinweggezogen. Viele Monde?

Zu dem in Aussicht gestellten Mondevent aber kein Mond. Und kein Mars auch nicht, nicht einmal hier, in dieser Nacht, hoch über dem Tal. Hoch über, ja, näher zu ihm, dem Mond. Doch er stieg nicht aus den Wiesen, nicht aus den Wäldern, wie versprochen, wunderbar.

Am Mäuerchen trollten sich vergeblich Schaulustige. Keine Jahrhundertshow, entgegen der Auskunft der App. Um uns die Laune nicht vollends verderben zu lassen, stapften wir über den Friedhof, stolperten über schiefe Stufen, einem Fledermausforscher hinterher. Im Ortungsgerät ein Knacken, aber ein Knistern nicht. Kein Mond, keine Fledermäuse, und auch kein Uhupaar. Es hatte wohl ein Auge auf die Uhubrut.

Von äußert scheuen Wesen sprach der Uhuforscher, auf seiner Bahn zwischen den Grabsteinen. Weder Fledermaus noch Uhu sprangen als Attraktionen für den Mond ein, bitter. Die Mitte der Finsternis war überschritten, noch immer eine schwache Performance der Natur, nein, im Grunde gar keine, abgesehen von der Wolkendecke.

Nicht höher zu ihm, dem Mond, aber schneller, auf der Autobahn, so sollte es dann doch noch was werden! Mit einem Male, auf der Rückfahrt Richtung Südwesten, ein Schemen, schwach, schmuddelig. Eine Scheibe, die seine, fast wie eine angerostete Bremsscheibe. Er war also wirklich nicht verloren gegangen. Zusammen mit dem Mars, der nicht größer als ein Stricknadelkopf, durchdrang der Trabant den weiterhin wolkenverhangenen Himmel.

Mond und Mars. Ein Naturschauspiel über der A3, bei enormem Verkehr noch, Reiseverkehrszeit um 23 Uhr. Vor der Nase glutrote Rücklichter. Schräg gegenüber tausende kleine, auch blendende Monde, denn, ja, der eine Mond hat immer schon metaphernsüchtig gemacht. Und, o, ja, trivialanfällig.

Ein kurzer Parkplatzhalt, bevor sich die Totalität dem Ende zuneigte. Zwischen Dreißigtonnern nicht zu übersehen, dass die Himmelskörper in beiderseitigem Einvernehmen existierten. Gut zu sehen eine Koexistenz, die sich dem bloßen Auge nicht ständig zeigen muss, um dennoch existent zu sein. Eine Fernbeziehung, die nicht spektakulär ausgelebt werden muss, um dennoch in sich zu ruhen auf ihren Umlaufbahnen. Auf ihnen sind die Trabanten strategisch exzellent aufgestellt.

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SchlagworteMars