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Der Archäologische garten unter dem Stadthaus im November 2017. Inzwischen sind die Baugerüste abgebaut, und Altstadt-Flaneure können einen Blick auf die Überreste der Keimzelle Frankfurts werfen.
Times mager
Kultur

Wiederauferstehung der Frankfurter Altstadt

Von Christian Thomas
07:57

Der Garten war lange Jahre eher eine Grube. Eine, die auch deswegen tief blicken ließ, weil der Garten nicht so sehr ein Gedächtnisort war, eher eine Stätte der Gleichgültigkeit. Frankfurt und seine Geschichte – ein Thema für sich. 

Zum Thema passt, dass ein einflussreicher Architekt den Ort im Dreieck von Dom, Schirn und Technischem Rathaus tatsächlich zuschütten wollte. Die Reste aus der Römerzeit und die Spuren aus den Anfängen Frankfurts wären untergegangen in einem Bermudadreieck der Indolenz, wiewohl zugunsten der Wiederauferstehung der Frankfurter Altstadt. 

Die Altstadt war unbedingt ein Thema, die Archäologie unbedingt nicht so. Zum Glück reichte der Einfluss des Architekten aber nicht, Frankfurt blieb die Ausgrabungsstätte, sein „Archäologischer Garten“ erhalten. Dennoch stand weiterhin die Frage im Raum, inwieweit Wörter, zumal in Frankfurt, den Dingen einen Namen geben. In einer Stadt, in der die funkelnagelneue Altstadt ja alles andere als eine historische Altstadt ist oder der Industriepark Hoechst, im Gegensatz zu so vielen Parks in Frankfurt, dann doch kein Park. 

Nun denn, das Vertrauen in den „Archäologischen Garten“ Frankfurts war in den vergangenen Jahrzehnten nicht sonderlich stark ausgeprägt. Zu dem, was da freigelegt worden war, entwickelte die Stadt nie ein inniges Verhältnis, und ein innigliches, wie zur Römerberg-Ostzeile, auch nicht. FfM wurde zu einem Synonym für ein hochaktuelles Faible für den Fake, vor allem aus Fachwerk. Sich ähnlich für das Authentische, etwa für echte Fundamente emotional zu verausgaben, fällt seit langem schwer. 

So blieb der „Archäologische Garten“ Grube. Doch einiges soll sich von morgen an ändern. Morgen, d. 21. August 2018, werden römische Reste, merowingische Fragmente, karolingische und ottonische Rudimente sowie spätmittelalterliche Relikte eine Überbauung erhalten haben in einem Stadthaus. Im Rahmen, ja, der Rekonstruktion der Altstadt, soll sich einiges für die Ausgrabungsstätte zum Besseren wenden, endlich. „Franconofurd“ lautet der (Marketing-)Name für das, was als „archäologisches Fenster“ in die Ursprünge Frankfurts bezeichnet wird. Das Fenster wird von vier Wänden gerahmt und von einem Dach geschützt. 

Wer in der Villa Franconofurd, dem Königshof, allein im Jahr 794 ein- und ausging, ist wahrhaftig eine Geschichte für sich. Hier bloß so viel: Die Kaiserpfalz war ein Aufenthaltsort des mittelalterlichen Reisekönigtums. Dass ausgerechnet diese Drehscheibe mittelalterlicher Mobilität, jetzt, mitten in der so neuen Altstadt der in die Jahre gekommenen Global City eingehaust worden ist, mag verblüffen, vielleicht sogar grotesk erscheinen. Immerhin, Grotesken lassen selten gleichgültig. Sie liefern Impulse, sie bringen ein enormes Potenzial mit. Frankfurt ist all das nicht fremd. 

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