© afp, FR
Elefanten am Chobe-Fluss in Botswana.
Elefanten-Wilderei
Panorama

Tote Elefanten in Botswana

Von Andreas Sieler
09:18

Elefanten sind aufgrund ihrer Stoßzähne eine beliebte Beute für Wilderer, die das Elfenbein illegal, bevorzugt an Kunden in Asien, verkaufen. Am Dienstagabend ist ein Fall aus Botswana publik geworden: Die Non-Profit-Organisation „Elephants without borders“ (EWB), die im Auftrag der Regierung aus der Luft eine Erhebung der Dickhäuter in dem südafrikanischen Staat durchführte, vermeldete 87 gewilderte Tiere, die in den vergangenen drei Monaten erlegt worden sein sollen.

Allerdings dementierte die Regierung die Nachricht umgehend – es seien lediglich 53 Elefantenkadaver gefunden worden, davon seien die meisten eines natürlichen Todes gestorben. Eine Einschätzung zu dem Fall und zur Wilderei in Afrika gibt Katharina Trump vom WWF in Berlin.

Frau Trump, die Regierung dementiert die Meldung von EWB. Wie schätzen Sie die Lage ein?
Das ist schwer zu beurteilen aus der Distanz. Aktuell steht Aussage gegen Aussage. Wenn EWB für eine Wildtierzählung die Gebiete überfliegt, können sie nicht sofort feststellen, ob die toten Tiere gewildert wurden. Vermutungen kann man aber anstellen, wenn man sieht, dass ihnen Stoßzähne fehlen. Die Regierung hat sich nicht dazu geäußert, ob das Elfenbein noch da ist oder nicht. Außer Frage steht jedenfalls, dass viele tote Tiere entdeckt wurden, was erst einmal Fragen aufwirft.

Für wie zuverlässig halten Sie EWB?
EWB ist eine bekannte Organisation und ich denke, dass die Regierung sie für die Wildtierzählung beauftragt, zeugt von einer gewissen Reputation.

Botsuana gilt als relativ sicheres Land. Warum ist das so?
Allgemein war die Wilderei im südlichen Afrika in den vergangenen Jahren gering. In Zentralafrika haben wir eine absolute Wildereikrise – acht von zehn tot aufgefundenen Elefanten sind dort keines natürlichen Todes gestorben. Das ist haarsträubend. In Ostafrika hatten wir eine große Krise, dort geht die Wilderei stark zurück, aber wahrscheinlich auch, weil nicht mehr viele Elefanten da sind. Wir haben bereits befürchtet, dass sich die Wilderei nun ins südliche Afrika verlagert. Botswana war bislang sehr sicher für Elefanten. Es leben über 130 000 Elefanten dort, weil auch die Regierung sehr gut in ihrer Arbeit gegen die Wilderei war. Wir merken aber, dass die Wilderei im südlichen Afrika stark ansteigt. Ob die Meldung aus Botwana nun stimmt oder nicht: Wir wissen, dass afrikaweit immer noch wahnsinnig viele Elefanten gewildert werden – etwa 20 000 Tiere im Jahr. Der Kampf ist noch nicht gewonnen.

Welchen Wert hat ein Elefant für einen Wilderer?
Das ist schwer zu sagen. Das ist regional unterschiedlich und hängt beispielsweise davon ab, ob der Wilderer für eine organisierte Gruppe arbeitet oder im Alleingang. Meldung zufolge sind die Rohelfenbeinpreise nach dem Handelsverbot in China massiv gesunken – von 3000 auf 700 US-Dollar pro Kilogramm. Das ist von uns nicht verifiziert, klingt aber vor dem Hintergrund des Handelsverbots in China nachvollziehbar.   

Was hat das Handelsverbot mit Elfenbein in China ihrer Ansicht nach bewirkt?
Das Handelsverbot war ein unglaublich wichtiger Schritt. Dadurch, dass es legale Märkte neben illegalem Handel gab, war es für die chinesische Regierung schwierig, bei Elfenbein festzustellen, ob es legal oder illegal ist. In den Stockbeständen des legalen Elfenbeins in China wurde das illegale reingewaschen. Das ist jetzt nicht mehr so einfach, weil Elfenbein dort jetzt prinzipiell illegal ist. Aber es zeigt sich, wie bei vielen anderen Wildtierprodukten: Die Schließung legaler Märkte löst nicht das Wildereiproblem. Wir sehen das beim Horn der Nashörner: Die Märkte sind lange zu, schon seit den 90ern. Trotzdem bestehen noch viele Märkte - das wird jetzt alles über den Schwarzmarkt verkauft.

Was muss passieren, um Wilderei effektiver zu bekämpfen?
Die Schließung der Märkte war der erste wichtige Schritt, jetzt muss beim Strafvollzug etwas passieren. Wir müssen verhindern, dass die legalen Märkte zu illegalen Schwarzmärkten werden. Wir müssen zudem aufpassen, dass die chinesische Käuferschicht nicht ins Ausland geht, um Elfenbein zu kaufen. Das sind neben anderen wichtigen Themen wie Korruptionsbekämpfung und einer besseren Ausstattung der Wildtierreservate die nächsten Schritte, die angegangen werden müssen.

  Zur Startseite