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So schön und so bedrohlich: Ein Blick in das Innere des Kilauea-Kraters.
Hawaii
Panorama

Gefahr aus der Tiefe

Von Andreas Sieler
13:51

Riesige Rauchwolken und glühende Lava, die sich ihren Weg über Straßen und durch die Vegetation bahnt. Spektakuläre Bilder gehen seit vergangenem Donnerstag aus Hawaii um die ganze Welt. Auch wenn bisher keine Toten oder Verletzten gemeldet wurden - für die Anwohner ist die Lage rund um den Vulkan Kilauea auf dem größten Eiland der Inselkette im Pazifik, auch Big Island genannt, bedrohlich.

einhergegangen, die laut der US-Erdbebenwarte (USGS) zuletzt jedoch etwas nachgelassen haben. Lava und gefährliche Gase treten demnach aber weiterhin aus. Nach Angaben des Zivilschutzes hat die Aktivität des Vulkans am Montagabend (Ortszeit – Hawaii liegt zwölf Stunden hinter der mitteleuropäischen Zeit) ebenfalls nachgelassen. Doch die Lava bahnt sich ihren Weg nicht nur klassisch aus dem Vulkankrater: So haben sich in den vergangenen Tagen insgesamt zwölf Risse im Boden aufgetan, aus denen sich teils weiträumig die flüssigen Gesteinsmassen ausbreiten.

1700 Menschen evakuiert

Ein Beben – das Epizentrum lag laut USGS 19 Kilometer südwestlich des bedrohten Ortes Leilani Estates – erreichte am Wochenende die Stärke 6,9 - die stärkste Erschütterung in der Region seit mehr als 40 Jahren. 1975 verursachte ein Erdbeben der Stärke 7,4 neben hohem Sachschaden auch einen Tsunami, der seinerzeit zwei Todesopfer forderte.

Der Nachrichtenagentur AFP zufolge sind seit dem Ausbruch des Vulkans in der vergangenen Woche etwa 30 Häuser von der Lava zerstört worden, nach offiziellen Angaben waren es bis Montagabend 35 Bauwerke, offenbar jedoch nicht ausschließlich Wohnhäuser. Vielen weiteren Gebäuden droht aber noch immer ein vergleichbares Schicksal.

Laut der Deutschen Presse-Agentur sind rund 1700 Menschen im näheren Umkreis des Vulkans von Evakuierungsmaßnahmen betroffen. Wie lokale Medien berichten, haben einige Schulen in der betroffenen Region vorübergehend geschlossen. Auch ein Geothermie-Kraftwerk musste den Betrieb einstellen. Wie die Zivilschutzbehörde am Montag bekanntgab, können die Anwohner von Leilani Estates immerhin tagsüber nach ihren Grundstücken sehen, Kinder dürfen das gefährdete Gebiet nicht betreten. Bewohner des ebenfalls bedrohten Ortes Lanipuna Gardens dürfen hingegen nicht zu ihren Anwesen zurück, Grund sei die dortige Gasentwicklung. Mancherorts sind jedoch auch Straßen aufgrund von Rissen oder wegen Lavaflüssen unpassierbar oder gesperrt.

„Sightseeing“ unerwünscht

Man sei sich bewusst, wie sehr die betroffenen Menschen leiden, wird eine Behördensprecherin auf der Webseite der Zeitung „Honolulu Star Advertiser“ zitiert. „Wir wollen es ihnen ermöglichen, zu ihrem Besitz zu gelangen, ihre Tiere zu versorgen und wieder rauszukommen.“ Dies sei auch möglich, da dank Regen und Wind trotz der Gasaustritte die Luftqualität in Leilani Estates in Ordnung sei.

Während die einen zumindest zeitweise auf ihre Grundstücke zurückdürfen, werden neugierige Beobachter gebeten, die Region zu meiden – „Sightseeing“ sei nicht angebracht, heißt es von den Behörden. Die County-Polizei kündigte ihrerseits eine „Null-Toleranz“-Politik sowie harte Maßnahmen gegenüber möglichen Plünderern an. Örtlichen Medienberichten zufolge wurden am Montag zwei Personen festgenommen, nachdem sie versucht hatten, nach Leilani Estates zu gelangen. Sie sollen dabei Straßensperren der Polizei missachtet haben.

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