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Die Wucht des Wassers: Dieser Frachter wurde von einer hohen Welle erfasst und auf einen Betondamm an der Küste vor Nishinomiya gespült – und zerbrach.
Japan
Panorama

Nach dem Sturm

Von Boris Halva
09:17

Bewegte Bilder sind natürlich beeindruckender. Zu sehen, wie das Dach einer Lagerhalle von einer Böe an einer Ecke angehoben und dann wie von einer unsichtbaren, riesigen Hand abgezogen wird; wie sich der Essenslieferant auf seinem weißen Motorroller gegen den Wind stemmt, um kurz darauf über die Straße geweht zu werden; wie ein Auto um die Ecke biegt und plötzlich auf zwei Rädern fährt; wie der Sturm den Lastwagen auf der Brücke zunächst nur anzutippen scheint, so als wollte er prüfen, wie stark die nächste Böe sein müsste, um den 40-Tonner auf die Seite zu legen, und diesen in der nächsten Sekunde dann tatsächlich umwirft und funkenstiebend über die Straße rutschen lässt, während die in Fetzen gerissenen Seitenwände des Aufliegers vom Wind hinaus aufs Meer geweht werden. 

Die Fotos, die nun veröffentlicht wurden, nachdem der Taifun „Jebi“ am Dienstag mit Böen von mehr als 210 Stundenkilometern über Japans Hauptinsel Honshu hinweggefegt ist, mögen statisch sein. Aber sie belegen eindrucksvoll, welche Kräfte der 21. Taifun in dieser Saison – und der stärkste in Japan seit 25 Jahren – entfesselt haben musste.

Ein Frachtschiff liegt zerbrochen auf einem Betondamm, nachdem es während des Sturms manövrierunfähig geworden und von einer hohen Welle auf den Damm gespült worden war; mindestens 50 Autos und Minivans sind zu einem Haufen zusammengeschoben wie überdimensionaler Kehricht; Überseecontainer, jeder einzelne mit einem Leergewicht von knapp vier Tonnen, liegen verstreut im Hafen herum wie Mikadostäbchen. Mehr als eine halbe Million Menschen in der Präfektur Osaka waren gestern noch ohne Strom. 

Bereits im Juli war ein Taifun über Japan hinweggefegt, nach heftigem Regen kam es damals zu Erdrutschen und Überschwemmungen – 226 Menschen starben. Nachdem „Jebi“ zum Tropensturm herabgestuft worden war, zogen die Behörden eine erste traurige Bilanz: Elf Menschen starben, mehr als 600 wurden verletzt. So wie der Sturm weitergezogen sei, solle auch das Leben so schnell wie möglich so normal wie möglich weitergehen, hieß es gestern. Selbst wenn das gelänge: Das Chaos wird noch eine Weile bleiben. (mit dpa/rtr)

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