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Beim Möbelkauf immer auch an den Mitbewohner denken.
Was soll das?
Panorama

Die Wohnungseinrichtung entzweit einige Haushalte

Von Julia Hildebrandt
17:23

Das Zusammenleben hat so seine Tücken. Meist bleibt es nicht bei der Frage, wer mit Putzen, Einkaufen, Abwaschen oder Müll-Runterbringen dran ist. In einigen Haushalten entzweien sich die Gemüter schon bei der Wohnungseinrichtung. Der eine schwört auf die schicke Fernsehschrankwand in Eiche hell, während der andere bislang nicht mal einen Fernseher besessen hat. Es soll Beziehungen geben, die sind an der ersten gemeinsamen Wohnung gnadenlos gescheitert. Ein wenig Trost spendet wie immer nur der Gedanke, dass man mit diesem Problem nicht alleine dasteht.

Wie eine große Studie des bekannten schwedischen Möbelhauses kürzlich ergab, leben 40 Prozent der immerhin 22.000 Befragten aus 22 Ländern mit Dingen zusammen, die sie nicht leiden können und - das ist der entscheidende Punkt - die ihnen auch nicht gehören. Erschwerend hinzu kommt die Tatsache, dass „zu viele Sachen“ laut Studie die größte Ursache für heimischen Stress ist. Interessant ist, dass die Befragten, die sich von fremden Gegenständen eingeengt fühlen, einer Diskussion darüber lieber aus dem Weg gehen und stattdessen unglücklich mit dem in ihren Augen ästhetischen Makel ihr Leben fristen. Die Passiv-Aggressiven unter den Leidenden jedoch haben schon mal das eine oder andere unternommen, um sich zu „befreien“.

Eher harmlos mutet der folgende Versuch an: Einige der Befragten versuchten sich Platz zu verschaffen, indem sie eigene Gegenstände als Markierung einsetzten: etwa eine Pflanze auf einem Fensterbrett platzierten oder einen Stuhl heimlich umstellten.

Zwei von fünf Studienteilnehmern gaben indes rabiatere Methoden zu. Sie warfen unliebsame Dekorationsartikel und Möbel des Mitbewohners kurzerhand weg – ohne den Besitzer darüber zu informieren. Das führte in einigen Extremfällen dazu, dass der verzweifelt der Müllabfuhr hinterherrannte, um einen geliebten Gegenstand noch zu retten. Die Beziehung innerhalb der gemeinsamen vier Wände war es in solchen Fällen wahrscheinlich nicht mehr. Die Studie gibt daher den von ungeliebtem Plunder Eingeengten einen Rat mit auf den Weg: Statt einen lautlosen Krieg zu führen, solle man sich überwinden und den dringend benötigten Raum einfordern. Denn: „Menschen, die offen darüber sprechen, sind zu Hause zufriedener.“

Wir raten bereits in einem früheren Stadium zu Vorsichtsmaßnahmen: Zum Beispiel beim Einkauf in besagtem schwedischen Möbelhaus Kerzen und anderen Nippes im Regal stehen lassen. Gut für den Geldbeutel und die Beziehung.

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