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Die „Puddingprobe“.
Was soll das?
Panorama

Schlechter Geschmackstest

Von Tobias Schwab
15:38

Es gibt ja nichts, was es nicht gibt. Also auch eine Webseite, die kleine Geschenke empfiehlt, mit denen PR-Profis Journalisten eine Freude machen können. Selbstverständlich „ohne die ethischen Grenzen zu sprengen“. Kugelschreiber, die wirklich schreiben, zum Beispiel. Kleine Utensilien fürs Auto wie eine Warnweste. Gutscheine für Musikdownloads oder App-Stores. Um nur mal eine paar ganz originelle Ideen von experto.de zu nennen.

Die peinlichen Zeiten, in denen Wirtschaftsredaktionen vor Weihnachten einen eigenen Abstellraum für Präsente von Unternehmen in Beschlag nehmen mussten, sind zum Glück vorbei. Akkuschrauber, Espressomaschinen, erlesene Weine – die PR-Abteilungen waren damals nicht kleinlich. Seit einigen Jahren bescheiden sich die Firmen im Interesse einer Corporate Governance (guten Unternehmensführung) mit Weihnachtskarten, die vielleicht noch den Hinweis auf ein zum Fest unterstütztes Hilfsprojekt enthalten.

Mehr Plastik und Kunststoff in einem Paket geht nicht

Kleinere Pakete erreichen die Redaktionen dennoch regelmäßig. Kam der Hinweis auf eine Pressekonferenz in früheren Zeiten schnöde per Mail, wird die Einladung heute inszeniert. Man findet im Päckchen dann mit Bedeutung aufgeladene Gimmicks. Eine Landesbank zum Beispiel schickt einen Bleistift mit edlem Holzblock als Halter – soll wohl heißen: Hier wird mit spitzem Stift gerechnet. Wahnsinn, was den Kommunikationsagenturen da so alles einfällt. An diesem Dienstag nun wurde uns eine Thermobox von Rewe mit der Aufschrift „Rasch öffnen – kühl lagern“ zugestellt. Die Styroporkiste (22 x 40 x 13 Zentimeter) enthielt zwei Iceblocks und unter reichlich Polystyrolflocken zur Pufferung von vier Schokopuddings. Nicht zu vergessen die vier Kunststofflöffel von Koziol zur Verkostung. Was, bitte, soll das?

Erläuterung liefert ein in eine Klarsichthülle verschweißtes Schreiben an die „Lieben Medienpartner“. Schon die Anrede ist eine Zumutung. Medienpartnerschaften überlegen wir uns in der Redaktion ganz genau – und mit Rewe jedenfalls sind wir eine solche nicht eingegangen. Aber sei’s drum, schauen wir auf den Inhalt: Mehr Plastik und Kunststoff in einem Paket geht nicht. Dabei wird Nachhaltigkeit bei Rewe („Das Beste für unsere Umwelt“) doch ganz groß geschrieben. Als erstes Ziel unter der Überschrift „Ressourcen schonen und schützen“ lesen wir auf der Unternehmenswebseite: „Plastikmüll weiter reduzieren“. Okay, es steht da auch, Nachhaltigkeit sei ein komplexes Thema mit vielen Facetten, ein langfristiges Versprechen.

Kurzfristig gesehen ist das Briefing der von Rewe beauftragten PR-Agentur Faktor 3 AG jedenfalls ziemlich danebengegangen. Die Agentur hat teuer bezahlten Kommunikationsmüll geliefert, um deren Entsorgung wir uns in der Redaktion jetzt kümmern müssen.

Kommuniziert werden sollte übrigens ein Geschmackstest für zuckerreduzierten Pudding, an dem wir Journalisten uns im Vorfeld einer Pressekonferenz beteiligen sollten. Da fällt uns das schöne englische Sprichwort „The proof of the pudding is in the eating“ ein. Bei der „Puddingprobe“ in Sachen Nachhaltigkeit bleibt in diesem Fall ein ganz schlechter Geschmack zurück.

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