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Die Gewalt der Natur: Hohe Wellen im Hafen von Aki.
Taifun in Japan
Panorama

Taifun „Jebi“ legt Japan lahm

Von Finn Mayer-Kuckuk
18:47

Ein tropischer Wirbelsturm hat die japanische Metropole Osaka unter Wasser gesetzt und gewaltige Zerstörungen hinterlassen. Der nahe gelegene Flughafen Kansai International steht seit Dienstag weitgehend unter Wasser, nachdem er von einer drei Meter hohen Flutwelle überschwemmt wurde; mindestens bis Mittwochabend sind dort keine Starts und Landungen mehr möglich. Die Behörden zählten bis Dienstagabend drei Tote und mehrere Tausend verletzte, Medien zufolge war von sechs Toten die Rede. Ein Mann

starb, weil ein Lagerhaus über ihm zusammenbrach. Ein Million Menschen wurden an der Küste evakuiert, um sie vor Sturm „Jebi“ in Sicherheit zu bringen.

Japan ist in diesem Jahr besonders von Naturkatastrophen betroffen. Mitte Juli starben bei sehr heftigen Regenfällen 200 Menschen; zum Teil wurden ganze Dörfer unter herabrutschenden Berghängen begraben. Kurz darauf traf eine Hitzewelle mit Temperaturen über 40 Grad das Land. Die japanischen Bevölkerung und die Behörden sind auf Naturkatastrophen vergleichsweise gut vorbereitet – doch die Intensität der Wetterphänomene in diesem Jahr übertrifft alle Möglichkeiten der Vorsorge. 

Die Stärke und Häufigkeit tropischer Stürme in Asien hat in den vergangenen Jahren zugenommen. Der chinesische Klimawissenschaftler Wei Mei führt das auf den vom Menschen verursachten Treibhauseffekt zurück. „Der Anstieg ist substanziell“, sagt der Wissenschaftler, der am Institut für Ozeanografie der University of North Carolina at Chapel Hill in den USA forscht. In den zurückliegenden Jahren habe sich der Anteil schwerer Stürme in der Region verdoppelt. Ihre Zerstörungskraft sei in diesem Zeitraum um 50 Prozent gestiegen. Laut seinen Modellen wird ihre Häufigkeit mit der weiteren Erwärmung der Weltmeere in den kommenden Jahrzehnten weiter ansteigen. Je wärmer der Ozean, desto mehr Energie pumpt er in aufsteigende Luftmassen, die dann in Rotation geraten – und desto mehr Wasser verdunstet, das später abregnen kann.

In der Region Osaka mit 20 Millionen Einwohnern und einer Wirtschaftsleistung von 550 Milliarden Euro herrscht nun der Katastrophenzustand. Knapp zehntausend Schulen sind geschlossen. Der Sturm hat einen Frachter so lange gegen eine wichtige Brücke geworfen, bis diese zerstört war. Züge fahren nicht, Autobahnen sind geschlossen, Fabriken stehen still. Ein Stromausfall in den Präfekturen Fukui, Shiga und Kyoto betraf 1,6 Millionen Haushalte. Dächer wurden abgedeckt, Autos und Bäume flogen durch die Luft; Trümmerstücke schlugen in Fassaden ein.

Augenzeugen aus Kobe berichteten davon, dass ihre Straße und das Erdgeschoss überflutet sind, die Möbel seien alle ruiniert. Aus Osaka wird von einem „infernalischen Pfeifen und Rauschen“ berichtet, das der starke Wind über Stunden erzeugt hat. Am Hauptbahnhof der alten Kaiserstadt Kyoto, einem der größten Gebäude in Asien, sind Teile der Glasfassade und -decke heruntergekracht. Die Togetsu-Brücke im Ausflugsgebiet Arashiyama soll zerstört sein.

„Jebi“ hatte in den schlimmsten Stunden den Status eines „Super-Taifuns“ mit Windgeschwindigkeiten deutlich über 200 Stundenkilometern – so viel wie Hurrikan „Harvey“, der im vergangenen Jahr die Golfregion der USA verwüstet hat. Die von „Jebi“ ausgelöste Sturmflut war in einigen Gegenden die höchste seit 1961, der Sturm war insgesamt der schwerste, der Japan seit 25 Jahren getroffen hat. 

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