© Sven Hoppe, FR
CSU-Wahlplakate mit dem Slogan „Söder macht's“ in München.
Bayern
Politik

SPD klaut CSU-Slogan „Söder macht’s“

Von Melanie Reinsch
17:15

Unklar, wie lange die CSU und deren PR-Berater an dem neuen, na ja, nicht wirklich wortgewaltigen Wahlkampfslogan für CSU-Ministerpräsident Markus Söder gebastelt haben. „Söder macht’s“ – damit wirbt die CSU in Bayern auf Plakaten für ihren Mann. Am 14. Oktober ist die Landtagswahl. 

Dass zu Zeiten von Internet und Social Media zu einer professionellen und zeitgemäßen Werbekampagne etwas mehr gehört als nur ein schmissiger Spruch, das dämmert der CSU in diesen Tagen wohl langsam.   Denn was die Partei gründlich verschlafen hat: sich entsprechende Seitendomains, Facebook-Profile oder Twitteraccounts zu „Söder macht’s“ zu sichern.

Darum hat sich nun die Bayern-SPD gekümmert und einen PR-Coup gelandet, der beispiellos ist. Den Christsozialen dürfte es wenig gefallen, was Söder nun so macht, wenn die SPD darüber bestimmt, zum Beispiel auf der Homepage soeder-machts.de. 

Die bayerische SPD listet auf der Webseite auf, was Söder so aus ihrer Sicht macht – oder bisher gemacht hat: „32 000 öffentliche Wohnungen an private Investoren verscherbeln – und damit 80 000 Mieter im Regen stehen lassen“, ein „verfassungswidriges Polizeigesetz gegen alle Bedenken durchs Parlament peitschen und dann seine Kritiker beschimpfen“, ein „Psychiatriegesetz vorlegen, das psychisch kranke Menschen pauschal kriminalisiert“, „gut integrierte Auszubildende und Arbeitnehmer am Arbeitsplatz verhaften lassen und nach Afghanistan abschieben“, „ertrinkende Menschen als Asyl-Touristen bezeichnen“. Und so weiter. Und so fort. 

„All das macht Markus Söder. Damit hat er sich in Rekordzeit zu Deutschlands unbeliebtestem Ministerpräsidenten gemacht“, heißt es unter der Liste. Wer auf der Seite ein wenig weiter nach unten scrollt, entdeckt das Gesicht von Natascha Kohnen, die SPD-Spitzenkandidatin in Bayern, die Söder herausfordert. 

Es folgt eine Auflistung der Dinge, die „Bayern wirklich braucht“: eine „Offensive für bezahlbaren Wohnraum“, „mehr Unterstützung für Familien“, „Fairness auf dem Arbeitsmarkt“, „Menschlichkeit statt Pragmatismus“, „Zusammenhalt statt Spaltung“, „einen neuen politischen Stil“. „Das alles“, so die Seitenverantwortlichen, „gibt es hier“. Statt eines Söder-Plakats ist dann ein SPD-Wahlplakat zu sehen. 

Und auch ein Twitter-Account mit bayerischen Farben und einem CSU-Look lässt Söder weniger gut dastehen. Auch dieses Twitter-Konto verweist auf die kritische Söder-Kampagne der SPD.
Nach jüngsten Umfrageergebnissen liegen die Christsozialen mit deutlich unter 40 Prozent zwar weit entfernt von der erhofften Mehrheit, doch der Vorsprung zur SPD ist wohl kaum einzuholen. Die Sozialdemokraten liegen bei rund 12 Prozent aktuell auf Platz vier – noch hinter den Grünen und der AfD. 

Auch wenn Kohnen keine Chance gegen Söder hat: Der PR-Coup im bayerischen Landtagswahlkampf ist gelungen. Und was die CSU davon hält, blieb einstweilen unbekannt.

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