© dpa, FR
Theresa May empfängt Donald Trump in Chequers.
Brexit
Politik

Wie Trump May schwächt

Von Andreas Schwarzkopf
18:55

Die britische Premierministerin Theresa May hat den erwarteten politischen Tiefschlag von US-Präsident Donald Trump souverän gekontert. Sie würde ihrem Gast gerne das Weißbuch und die darin enthaltenen Vorstellungen ihrer Regierung zum Brexit erläutern. Mit dieser diplomatischen Antwort hat May ihren Landsleuten und der Welt zu verstehen gegeben, dass sie sich zu wehren weiß und Trumps Vorwurf ins Leere laufen lassen, sie vermassele den Brexit.

Trotz dieser gelungenen verbalen Abwehr hat Trump seine Gastgeberin getroffen. Dabei wirkt weniger das Lob für den zurückgetretenen Außenminister Boris Johnson, das etliche britische und US-amerikanische Politikerinnen und Politiker als das bezeichneten, was es ist: unangemessen. Schließlich haben die Hardcore-Brexiteers wie Johnson bislang wenig dazu beigetragen, das Problem zu lösen. Mit Rücktritten kommen sie einer Lösung jedenfalls nicht näher.

Ähnliches gilt für die berechtigte Empörung über Trumps ungezogenes Verhalten, vor einem Besuch die Gastgeberin zu attackieren. Die wenigsten nehmen Trumps rüpelhaftes Verhalten hin, wie die Staat- und Regierungschefs bereits beim Nato-Gipfel gezeigt haben.

Theresa May fehlt die Trumpfkarte

Die größte Wirkung dürfte Trumps unverhohlene Drohung zeigen, wonach ein Handelsabkommen mit Großbritannien wohl nicht mehr infrage komme, sollte sich das Königreich weiter eng an die Europäische Union binden. Dieser Hinweis schwächt Mays Verhandlungsbasis zweifach.

Zum einen kann sie ihren Landsleuten nicht mehr sagen, eine mögliche transatlantische Freihandelszone könne ökonomische Nachteile auffangen, die sich nach dem Brexit ergeben könnten. Die Brexiteers hofften jedenfalls bislang darauf, dass sie mit Washington schon einen guten Handelsvertrag erzielen würden. Diese Hoffnung hat Trump vorerst zerstört.

Zum anderen fehlt May und ihren Mitstreitern im Verhandlungspoker mit den Vertretern der Europäischen Union eine Trumpfkarte. Sie können nun nicht versuchen, die EU gegen die USA auszuspielen. Dadurch kann Brüssel London noch besser als bislang unter Druck setzen.

Fraglich ist ohnehin, ob der mächtigste Rüpel der Welt mit seinen Provokationen sein Ziel erreicht. Er wollte offensichtlich May zu einem harten Brexit ermuntern. Doch seine Attacken zeigen den Briten, wie einsam und schwierig es werden wird, wenn sich das Königreich von der Europäischen Union trennt. Schließlich muss London im Grunde seine politischen und ökonomischen Beziehungen zu vielen Staaten neu aufbauen. An diese Mammutaufgabe hat Trump nun vor allem die Briten erinnert.

Das dürfte den ein oder anderen auf der Insel nachdenklich stimmen. Vielen dürfe es so langsam dämmern, dass nur große Wirtschaftsmächte wie die USA und China in einer globalisierten Welt sich alleine durchschlagen können. Kleinere haben es zumindestens schwerer.

Derzeit lässt sich nicht sagen, ob von einem Stimmungswechsel die EU-Befürworter oder die Brexiteers profitieren werden, also ob die Briten deshalb sich nun eher für einen weichen oder eher für einen harten Austritt aus der EU entscheiden. Sicher ist nur: Trump hat mit seinen Angriffen mal wieder für Unruhe gesorgt, statt dazu beizutragen, ein schwieriges Problem zu lösen.

Lesen Sie mehr zum Thema in unserem Dossier Brexit   Zur Startseite