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Immer wieder gelingt es Hunderten Migranten, die meterhohen Zäune um die spanischen Exklaven Ceuta und Melilla zu überwinden.
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Politik

Schwere Vorwürfe gegen Zaunstürmer von Ceuta

Von Martin Dahms
16:49

In der spanischen Nordafrika-Exklave Ceuta sind erstmals Migranten nach dem Überwinden des Grenzzauns wegen Gewaltvorwürfen in Polizeigewahrsam genommen worden. Die für den Grenzschutz zuständige Guardia Civil beschuldigt die zehn Verdächtigen des Angriffs auf die Staatsgewalt und der Zugehörigkeit zu einer kriminellen Organisation. Ein Gericht in Ceuta hat die Ermittlungen aufgenommen.

Die schwarzafrikanischen Männer waren am 26. Juli beim bisher größten Massenansturm auf den Zaun von Ceuta dabei, bei dem rund 600 Migranten der Übertritt auf spanisches Staatsgebiet gelang. Nach den Worten des Guardia-Civil-Direktors Félix Azón war es „der gewalttätigste Zaunsprung, an den wir uns erinnern können“. Einige der Migranten sollen die Grenzschützer mit Ätzkalk und Fäkalien und offenbar auch mit Batteriesäure angegriffen haben.

Das Rote Kreuz leistete an jenem Tag erste Hilfe für 22 Beamte der Guardia Civil, von denen elf zur ambulanten Behandlung ins Krankenhaus kamen, und zugleich für 132 Migranten, von denen 16 ins Krankenhaus überstellt wurden. Zwei Migranten blieben wegen schwerer Schnittverletzungen zur stationären Behandlung im Hospital.

An den Grenzzäunen von Ceuta und der Schwesterstadt Melilla hat es in der Vergangenheit immer wieder Rangeleien zwischen Polizisten und Migranten gegeben, doch nach dem Eindruck der Guardia Civil hat das Ausmaß der Aggression von Seiten der Migranten in den vergangenen Wochen zugenommen. Um die Verantwortlichen für die Angriffe zu identifizieren, werteten die Beamten die Aufnahmen der Sicherheitskameras am Zaun von Ceuta aus. Die zehn Männer, die sie schließlich am Dienstag im Aufnahmelager der Stadt festnahmen, sollen die Anführer des Massenansturms gewesen sein.

Am vergangenen Mittwoch gab es einen ähnlich organisierten Anlauf auf den Zaun von Ceuta, bei dem 116 Migranten spanisches Staatsgebiet erreichten. Nach Berichten der Guardia Civil sollen die Menschen wieder außergewöhnlich aggressiv gegen die spanischen Beamten vorgegangen sein. In diesem Fall nahm die Polizei allerdings keine Ermittlungen auf, um Gewalttäter von anderen zu unterscheiden. Stattdessen wurden mit Ausnahme zweier Minderjähriger alle Migranten am nächsten Tag nach Marokko abgeschoben. Die spanische Vizeministerpräsidentin Carmen Calvo rechtfertigte dieses Vorgehen mit dem „inakzeptablen Verhalten“ der Migranten. Dutzende spanische Menschenrechtsorganisationen warfen der sozialistischen Regierung dagegen vor, mit dieser Art von Schnellabschiebung die eigene Gesetzgebung zu missachten. Den Migranten müsse ausreichend Zeit gelassen werden, um gegebenenfalls einen Asylantrag zu stellen.

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