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„Wer sich darüber aufregen will, soll es halt tun.“
Fraser Anning
Politik

Australischer Senator fordert „Endlösung“

Von Willi Germund
15:57

Es war die erste Ansprache von Australiens neuem Senator Fraser Anning. Er brachte eine Kollegin zum Heulen. „Wir brauchen die Endlösung in unserer Einwanderungspolitik. Australien darf keinen muslimischen Einwanderer mehr ins Land lassen. Wir sollten nur Weiße ins Land lassen, Leute mit weißen christlichen Werten.“

Das war, gemessen an jedem weltweiten Maßstab, ein heftiger Tritt tief in den politischen Fettnapf. Doch der Mann, der sich als Verfechter der australischen Bauern sieht und kurz vor seiner ersten Rede in die „Australische Partei“ eingetreten war, sah keinen Grund, sich zu korrigieren. „Ich hatte keine Parallelen im Sinn“, tönte er ob schockierter Reaktion lapidar, „aber sei es drum. Wer sich darüber aufregen will, soll es halt tun.“

Rassistische Forderungen als „Normalität“

Die „Endlösung“, die dem australischen Verfechter eines rein christlichen und weißen Australien vorschwebt, soll eine Flüchtlingspolitik ablösen, die wegen ihrer Brutalität berüchtigt ist – und deutschen und europäischen Politikern als Vorbild dient, die keine politischen Flüchtlinge mehr ins Land lassen wollen. Australiens Marine fängt seit Jahren Boote ab, deren Passagiere vor Konflikten in ihrer Heimat fliehen und Sicherheit auf dem Fünften Kontinent suchen.

Dank einer Nachrichtensperre wissen nur wenige Eingeweihte, wie hoch die Zahl im Jahr ist. Außerdem schleppt die Marine Boote voller Flüchtlinge aus Australiens Hoheitsgewässern und alarmiert dann Indonesiens Marine. Gelingt dies nicht, werden Flüchtlinge auf Nauru zwangskaserniert. Die Inselnation war einst wegen ihrer Phosphatvorkommen berühmt – und lebt heute von australischen Alimenten für die Flüchtlingskasernierung.

Australiens Politiker Fraser Anning, der sich von allen Seiten Rügen für seinen unsäglichen Vergleich einhandelte, glaubt freilich an eine härtere Linie. Vor allem aber erscheint der Mann als Paradebeispiel für den falschen Umgang mit Vertretern seiner Denkrichtung. Denn die Hoffnungen der australischen Regierung unter Premier Malcolm Turnbull, mit restriktiver Flüchtlingspolitik nationalistische Einwanderungsfeinde zu besänftigen, funktioniert offenbar nicht. Annings Hetze im Parlament zeigt eher, dass er und seine Gesinnungsgenossen sich ermutigt fühlen, rassistische Forderungen zu erheben und religiöse Diskriminierung als „Normalität“ darzustellen.

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