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Der Krieg? Aus der Sicht der Bundeswehr offenbar ein Spiel.
Gamescom
Politik

Krieg spielen mit der Bundeswehr

Von Hendrik Geisler
22:07

Die Bundeswehr hat mit einer Werbekampagne bei der weltgrößten Messe für Video- und Computerspiele Gamescom in Köln für Aufregung gesorgt. Die Armee warb auf Plakaten in der Stadt mit Begriffen aus der Games-Branche für eine Bundeswehrkarriere und zog damit teils heftige Kritik auf sich.

Auf einem Plakat steht „Mehr Open World geht nicht“, auf einem anderen „Multiplayer at it's best“. Mit Open World ist eine frei erkundbare Spielewelt gemeint, in der Spieler nicht auf bestimmten Pfaden unterwegs sein müssen. Mulitplayer-Spiele spielt man gemeinsam mit anderen realen Spielern und nicht gegen oder mit Computerspielern.

In den sozialen Netzwerken wird kritisiert, Kriegseinsätze der Armee würden auf diese Weise verharmlost, denn man vergleiche sie mit einem Spiel. Andere Nutzer rüffelten auch die Gamescom-Veranstalter für die Werbung. 

Die Bundeswehr rechtfertigt die Plakatkampagne in einer Stellungnahme indes damit, dass sie „junge Erwachsene im Umfeld der Gamescom zum Nachdenken bringen“ wolle, „wofür sie ihre Zeit beziehungsweise Zukunft“ einsetzen. Auf der Spielemesse solle damit ein ernstes Thema angesprochen werden. „Die Kampagne bedient sich der Signale einer Spiele-Werbung“, die wie eine Spielerezension wirkten, so die Armee weiter: „Auf den zweiten Blick erkennt man darin jedoch die Werte der Bundeswehr – Kameradschaft und der Einsatz für eine freie Welt.“ Auf der Messe selbst werden die Slogans nicht gezeigt. Die Bundeswehr zeigt dort unter anderem Panzer und weitere Fahrzeuge, die für Auslandseinsätze genutzt werden. 

Auf der Gamescom selbst wirbt die Bundeswehr unter anderem mit einem per Virtual Reality nachempfundenen Kampfjet-Flug für sich. Zudem können Kinder und Jugendliche ihre Reaktionszeit in einem Spiel unter Beweis stellen oder per Virtual-Reality-Brille den Flug in einem Kampfjet nachempfinden. 

Hinweis der Redaktion: In einer früheren Fassung des Textes hatten wir fälschlich geschrieben, ein weiteres Plakat zeige eine Soldatin mit Gewehr knieend neben einem leblos wirkenden Uniformierten, darüber der Spruch: „Double-Kill, Multi-Kill, Ultra-Kill, Rampage, Monster-Kill!“ Dabei bezogen wir uns irrtümlich auf eine Plakatfälschung, die über Twitter verbreitet wurde. 

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