Insel Manus
Politik

Anwohner plündern Flüchtlingslager

Von Willi Germund
18:22

Die Schließung eines umstrittenen Flüchtlingslagers auf der zu Papua-Neuguinea zählenden Insel Manus ist am Dienstag im Chaos geendet. Die Verwaltung des Camps, in dem Australien seit dem Jahr 2001 Flüchtlinge interniert, die auf dem Seeweg unterwegs waren, hatte am Wochenende die Wasserversorgung und die Verteilung von Nahrungsmitteln gestoppt. Sie reagierte damit auf ein Urteil des Obersten Gerichts von Papua-Neuguinea, laut dem das Lager wegen Verstößen gegen die Menschenrechte geschlossen werden soll. 

Daraufhin wurden Sicherheitskräfte abgezogen und der medizinische Dienst eingestellt. Dennoch versuchten bis Dienstag offenbar 700 der insgesamt 770 Bewohner, sich in ihren Unterkünften zu verbarrikadieren. Sie sorgten sich um ihre Sicherheit, weil sie über ganz Manus verteilt in neuen provisorischen Unterkünften unterkommen sollen. Laut Berichten von australischen Menschenrechtlern und Vertretern von Amnesty International, die sich gegenwärtig auf Manus befinden, sind die Unterkünfte entgegen der Darstellung der australischen Regierung bislang keineswegs fertiggestellt. Die Flüchtlinge befürchten, nach der Schließung des Lagers in Vergessenheit zu geraten und nie wieder umgesiedelt zu werden. 

Einige von ihnen berichteten, Anwohner   hätten begonnen, das Lager zu plündern. Dutzende mit Stöcken und Macheten bewaffnete Einheimische seien in den Lagerkomplex eingedrungen, sagte ein Flüchtling der Deutschen Presse-Agentur. Die Lage habe sich zu einem humanitären Notfall entwickelt, sagte der australische Senator Nick McKim aus Manus dem Sender „Sky News“. 
Australien lehnt es grundsätzlich ab, Asylsuchende aufzunehmen, die mit dem Boot ankommen. Die Regierung in Canberra behauptet, dies sei die einzige Möglichkeit, weitere Flüchtlinge zu stoppen. Teilweise werden auch noch Boote von der Marine des Landes trotz aller Gefahren wieder ins offene Meer oder Richtung Indonesien geschleppt. 

Mit den Pazifikstaaten Papua-Neuguinea und Nauru hatte Australien – von Menschenrechtsorganisationen scharf kritisiert - Abkommen zur Unterbringung von Geflüchteten in Internierungslagern geschlossen. Canberra weigert sich bislang, die weitere Finanzierung für die betroffenen Menschen zu übernehmen. Papua-Neuguinea wiederum beharrt auf weiteren Zahlungen. 

Die meisten Flüchtlinge kommen aus Kriegs- und Krisenregionen im Nahen Osten und Südasien wie dem Iran, Afghanistan, Sri Lanka, Pakistan und Bangladesch. Viele von ihnen sollen nach einem Abkommen Canberras mit Washington in die USA umgesiedelt werden. Die Regierung des früheren US-Präsidenten Barack Obama hatte sich bereit erklärt, rund 1000 Flüchtlinge aufzunehmen. Sein Nachfolger Donald Trump nannte die Vereinbarung eine „Dummheit“. Seine Regierung werde sie zwar respektieren. Eine Umsetzung ist bislang aber nicht zu erkennen.      (mit dpa)

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