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Puigdemont bekommt einen prominenten Anwalt: Wolfgang Schomburg.
Katalonien-Konflikt
Politik

Ein Profi für Puigdemont

09:48

Die Eigenwerbung auf der Homepage liest sich wie für diesen Fall gemacht: Strafrecht sei heute keine nationale Aufgabe mehr, heißt es in der Tätigkeitsbeschreibung des Berliner Anwalts Wolfgang Schomburg. Immer öfter brauchten Personen, die „unter dem Missbrauch internationaler Kooperationsmechanismen zur Zielscheibe von Auslieferungsersuchen“ würden, anwaltliche Begleitung, so preist Schomburg seine Tätigkeit an. Sein neuster Mandant braucht genau deshalb Hilfe. Er sitzt seit Tagen in deutschem Gewahrsam, weil Spanien seine Auslieferung wegen Rebellion und Veruntreuung verlangt: Carles Puigdemont.

Der frühere katalanische Regionalpräsident hat sich keinen geringeren als einen der weltweit führenden Experten des internationalen Strafrechts als Anwalt gewählt. Schomburg begann seine berufliche Karriere als Staatsanwalt, Richter und Justizstaatssekretär in Berlin. Später arbeitete er als Bundesrichter in Karlsruhe, bis er 2001 von der UN-Vollversammlung als erster Deutscher an ein internationales Strafgericht gewählt wurde: Bis 2008 war er Richter am Strafgerichtshof für Ex-Jugoslawien in Den Haag und danach am Gericht für Ruanda im tansanische Arusha.

Schomburg hält die Vorwürfe gegen Puigdemont für unbegründet und das Auslieferungsersuchen für unzulässig. Die politischen Gründe für die Strafverfolgung seien offensichtlich, heißt es in einer ersten Erklärung des Anwalts.

Er sagt nun: Es müsse eine in ganz Europa geltende Selbstverständlichkeit sein, „dass auch unbequeme Meinungen, Demonstrationen oder Volksentscheidungen frei von jeglicher staatlichen Verfolgung sind“.

Schomburg fordert die Bundesregierung daher auf, seinen Mandanten nicht auszuliefern. Sollte Puigdemont nicht bald freikommen, will Schomburg dann vor das Bundesverfassungsgericht ziehen.

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