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Carles Puigdemont hängt seit März in Deutschland fest. (Archivbild)
Katalonien
Politik

Puigdemont gründet separatistische Bewegung

Von Martin Dahms
17:10

Carles Puigdemont gibt nicht auf. Der im Herbst vergangenen Jahres abgesetzte Regionalpräsident Kataloniens hängt seit Ende März in Deutschland fest und wird nicht so schnell als freier Mann in seine Heimat zurückkehren können. Aber er will weiter Einfluss auf die katalanische Politik nehmen.

Seine jüngste Idee: die Gründung einer Bewegung mit dem Namen „Nationaler Ruf für die Republik“. Jeder könne sich anschließen, der wie er das Ziel eines unabhängigen katalanischen Staates verfolge. „Wir sind stärker, wenn wir übergreifend und vereint handeln können“, so Puigdemont. Spanische Medien berichten, bis Dienstagmorgen hätten 13.000 Interessenten um Mitgliedschaft gebeten.

Die Regionalregierung unter Puigdemonts Nachfolger Quim Torra ließ klarstellen, dass Puigdemonts Aufruf keinen Einfluss auf die Regierungsarbeit haben werde. Auch die sozialdemokratische ERC und die linksradikale CUP, beide Befürworter der Unabhängigkeit, sind momentan für den „Nationalen Ruf“ nicht zu haben. Der katalanische Nationalismus steht vor großen Herausforderungen: wie auf eine neue spanische Regierung reagieren, die Gesten der Annäherung an die Separatisten wagt? Ministerpräsident Pedro Sánchez benannte am Dienstag vor dem spanischen Parlament die Säulen seiner Katalonien-Politik: „Großzügigkeit, Mäßigkeit und Entschiedenheit“.

Hart in der Sache, aber verbindlich im Ton. Auch unter Sánchez wird es keine Abspaltung Kataloniens von Spanien geben, aber in den Umgang mit deren Befürwortern soll „Normalität“ zurückkehren. Diese Normalität sei noch nicht das Ziel, sondern allein der Startpunkt für einen langen Lauf.

Puigdemont und seine Anhänger fühlen sich durch den Beschluss der deutschen Justiz beflügelt, Puigdemont nicht wegen „Rebellion“ – dem Hauptvorwurf der spanischen Justiz – an Spanien auszuliefern. Doch eine Sache ist, wie das strafrechtliche Verfahren gegen die separatistischen Politiker ausgehen mag. Eine andere, wie eine Abspaltung von Spanien erreichbar sein soll.

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