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Die Qualität der Kitas in Deutschland verbessert sich.
Kitas und Kindergärten
Politik

Betreuung ist besser, aber nicht gut genug

Von Melanie Reinsch
21:47

Die Qualität der Kitas in Deutschland verbessert sich. Das ist die gute Nachricht. Die schlechte: Die Unterschiede zwischen den einzelnen Bundesländern bleiben weiterhin groß. Das geht aus dem am Dienstag veröffentlichten Ländermonitor der Bertelsmann-Stiftung zur frühkindlichen Bildung hervor.

Bundesweit sieht die Personalsituation am besten in Baden-Württemberg aus. Den zweiten Platz belegt Bremen. Niedersachsen und Rheinland-Pfalz teilen sich Rang drei. Verlierer sind Mecklenburg-Vorpommern, Berlin und Sachsen.

So betreute eine pädagogische Fachkraft im bundesweiten Durchschnitt im Jahr 2012 rein rechnerisch 4,8 Kinder unter drei Jahren. Im vergangenen Jahr sank diese Zahl in den Krippen auf 4,3 Kinder. Gleichzeitig stieg die Zahl der betreuten unter Dreijährigen zwischen 2012 und 2017 um 36 Prozent. In den Kindergartengruppen waren die Erzieherinnen und Erzieher 2012 noch für 9,8 Kinder zuständig – im vergangenen Jahr für 9,1 Kinder. Der Personalschlüssel ist ein wichtiges Instrument, um die Qualität von Kindertageseinrichtungen zu bewerten. Die Bertelsmann-Stiftung empfiehlt eine Fachkraft für drei Krippenkinder sowie eine Erzieherin für 7,5 Drei- bis Sechsjährige, um eine individuelle Förderung zu ermöglichen.

Trotz der verbesserten Personalsituation sind die Qualitätsunterschiede in den Ländern gleichbleibend – insbesondere zwischen Ost und West. So kamen im Osten 2012 6,4 Kinder auf eine Krippenfachkraft, im Westen hingegen 3,9. Fünf Jahre später waren es in den neuen Bundesländern durchschnittlich sechs Kinder, im Westen 3,6.

Nicht anders sieht es in den Kindergärten aus: Während in Ostdeutschland im Jahr 2012 12,8 Kinder auf eine Erzieherin kamen, waren es im Westen 9,2 Kinder. Fünf Jahre später waren es im Osten 11,9 und im Westen 8,4 Kindergartenkinder. Diese Unterschiede müssen vor dem Hintergrund betrachtet werden, dass in Ostdeutschland traditionell mehr Kinder unter drei Jahren in Krippen betreut werden. Die Bundesregierung will wegen der angespannten Situation in Kürze das Gute-Kita-Gesetz ins Kabinett bringen. „Dass sich die Qualität der Kindertagesbetreuung in Deutschland verbessert hat, ist eine gute Nachricht. Klar ist aber auch, dass es noch viel zu tun gibt. Der Bund will die Länder dabei unterstützen, erstmals in einer Größenordnung von 5,5 Milliarden Euro bis 2022“, sagte Familienministerin Franziska Giffey (SPD).

Dabei ginge es unter anderem um bedarfsgerechte Betreuungsangebote, einen guten Fachkraft-Kind-Schlüssel, um die Gewinnung und Sicherung von Fachkräften, die Entlastung der Kita-Leitungen sowie um Gesundheits- und Sprachförderung.

Jörg Dräger vom Vorstand der Bertelsmann-Stiftung glaubt jedoch nicht daran, dass das neue Gesetz aus dem Haus der Familienministerin viel erreichen kann. Es könnte die Situation sogar verschärfen: Das Gesetz sehe zwar viele Maßnahmen vor, um die Qualität zu verbessern, definiere allerdings keine bundeseinheitlichen Standards.

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