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„Die Stadt kommt nicht zur Ruhe“, fürchtet Bürgermeister Volker Poß (SPD).
Landgericht Landau
Politik

Achteinhalb Jahre Haft nach Mord von Kandel

Von Steven Geyer
19:30

Die Hoffnung der Ministerpräsidentin dürfte sich nicht allzu schnell erfüllen: Obwohl an diesem Montag das Gerichtsurteil im Mordfall von Kandel fiel, wird er das rheinland-pfälzische Städtchen weiterhin aufreiben – nicht nur emotional, sondern auch politisch.

Mit dem Ende des Prozesses gegen den mutmaßlichen Afghanen, der seine Ex-Freundin mitten im Supermarkt der pfälzischen Kleinstadt erstochen hatte, verbinde sich in Rheinland-Pfalz, „natürlich die Hoffnung von uns allen, dass mehr Ruhe in Kandel einkehrt“, hatte Regierungschefin Malu Dreyer (SPD) vorab gesagt. Am Montagmorgen wurde das Urteil nun verkündet und fiel fast so hoch aus wie die zehn Jahre Höchststrafe, die der Staatsanwalt und sogar die Eltern des Opfers als Nebenkläger gefordert hatten: Die Richter verhängten am Montag acht Jahre und sechs Monate Haft nach Jugendstrafrecht gegen den mutmaßlich aus Afghanistan stammenden Abdul D., wie das Landgericht Landau im Anschluss an die Urteilsverkündung hinter verschlossenen Türen mitteilte.

Weitere rechte Proteste angemeldet

Doch die rechten Protest-Gruppierungen, die bereits seit dem Mord an der 15-jährigen Mia vor rund acht Monaten in Kandel gegen Flüchtlinge auflaufen, hatten schon vorab weitere Demonstrationen bis Mitte nächsten Jahres angemeldet. Die Klagen über „Messermigration“ und über Merkels Asylpolitik sind dabei all die Monate gleich geblieben, dieser Tage kamen noch „Grüße an die Patrioten aus Chemnitz“ hinzu.

Der Anwalt von Abdul D., Maximilian Endler, sagte nach der Entscheidung: „Mein Mandant ist mit dem Strafmaß einverstanden.“ Das Urteil sei angemessen. Er rechne damit, dass sein Mandant nach der Verbüßung eines Teils der Strafe abgeschoben werde. In seinem letzten Wort habe Abdul D. noch einmal Reue bekundet.

Die Tat kurz nach Weihnachten 2017 mitten in einem Drogeriemarkt der kleinen Stadt in der Pfalz hatte für großes Entsetzen gesorgt. Der Fall fachte außerdem die Diskussion um die Altersfeststellung von jungen Flüchtlingen neu an. Rechtspopulistische Gruppen hatten den Fall zum Anlass genommen, um in Kandel immer wieder gegen die Asylpolitik der Bundesregierung zu protestieren. Am Montag blieb es sowohl in Kandel als auch in Landau zunächst ruhig. 

Unbegleiteter minderjähriger Flüchtling

Abdul D. war nach seiner Ankunft in Deutschland als unbegleiteter minderjähriger Flüchtling aufgenommen und betreut worden. Er gab sein Alter zunächst mit 15 Jahren an. Nach der Tat kamen Zweifel auf, ob er tatsächlich so jung ist. Ein Gutachten im Auftrag der Staatsanwaltschaft kam zu dem Ergebnis, dass er zum Zeitpunkt der Tat mindestens 17 Jahre und sechs Monate, wahrscheinlich aber schon 20 Jahre alt war. Verurteilt wurde er nun nach Jugendstrafrecht, wie ein Gerichtssprecher sagte. Seine Verurteilung auch wegen Körperverletzung bezieht sich auf Schläge gegen einen Freund Mias.

Das Landgericht Landau entschied sich dafür, im Zweifel für den Angeklagten den gesamten Prozess nach Jugendstrafrecht zu führen. Die Öffentlichkeit war daher von der Urteilsverkündung wie auch von den Verhandlungstagen zuvor ausgeschlossen.

Als Motiv für die Tat hatte die Staatsanwaltschaft Eifersucht und Rache angenommen. Sie ging davon aus, dass Abdul D. Mia bestrafen wollte, weil sie sich wenige Wochen vor der Tat von ihm getrennt hatte. Zwölf Tage vor der Tat hatte Mia zudem Anzeige gegen ihren Ex-Freund erstattet, es ging um Beleidigung, Nötigung, Bedrohung und Verletzung persönlicher Rechte. Zwei Tage später folgte eine Anzeige ihres Vaters gegen den jungen Flüchtling.

Der Bürgermeister des pfälzischen Kandel rechnet auch für die Zeit nach dem Urteil mit Kundgebungen in der Stadt. Kandel komme nicht zur Ruhe, sagte der SPD-Politiker Volker Poß dem SWR: „Letztendlich ist es so, dass man am Ende des Tages hier sitzt und Entscheidungen treffen muss und auch den ganzen Hass, die ganze Häme und die ganzen Diffamierungen für sich ganz persönlich erdulden muss.“ (mit dpa)

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