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Die virtuelle Währung existiert nur als Computercode.
Gastbeitrag
Politik

Bitcoins helfen nur Spekulanten

Von Rudolf Hickel
13:40

Die Werbung für digitale Kryptowährungen mit Gewinnversprechungen kommt aggressiv daher. Von den bereits über 800 Währungen ohne jeglichen Bezug zur realökonomischen Wertschöpfung ist das Bitcoin-System der Platzhirsch. Das Marketing mit der auf das $-Zeichen anspielende Münze ist ein Fake. Es handelt sich um virtuelles Geld, das nur vom Vertrauen lebt. Dieses virtuelle Geld dient als Recheneinheit und als anonymes, staatsfreies Zahlungsmittel.

Bitcoins sind auch ein Vermögenswert zum Spekulieren. Der Preis dieses Vermögenswertes ist der Devisenkurs gegenüber Währungen wie Dollar oder Euro. Seit dem Start 2009 lässt der explodierende Devisenmarktwert einen Hype vermuten. Wer Ende Oktober 2016 einen Bitcoin zu 648,75 Euro kaufte, konnte ein Jahr später mit einer Steigerung von 665 Prozent diesen Bitcoin zu  4965,93 Euro verkaufen. Allerdings schwanken die Bitcoin-Kurse gegenüber herkömmlichen Währungen auffällig stark. Die 16,7 Millionen Bitcoins hatten Ende Oktober einen Marktwert von knapp 120 Milliarden US-Dolllar.

Wie funktioniert diese Währung? Die Basis bildet ein weltweit verbreitetes dezentrales Netzwerk: Im Rechnernetz werden Daten erzeugt, die nicht kopiert werden können. Dabei sichert die Verschlüsselung der in Blöcken abgepackten Datensätze mit Kryptomethoden die Anonymität. Statt mit einer Münzpresse werden die Bitcoins mit großem Rechenaufwand durch die „Miner“ geschürft. Die Anzahl der digitalen Taler ist nach dem derzeitigen Stand der Systemprogrammierung auf maximal 21 Millionen ab 2030 beschränkt.

Die Vorteile dieser Kryptowährung liegen auf der Hand: billiger gegenüber den üblichen Bankgebühren, schneller und vor allem anonym für die Empfänger und die Zahler. Streit gibt es in der Bitcoin-Community über die Geschwindigkeit der Gebühren für Transaktionen, die übrigens den „Minern“ für ihre anstrengende Schürfarbeit gutgeschrieben werden.

Den Vorteilen stehen massive Risiken gegenüber. Die Anonymität lässt die Finanzierung wirtschaftskrimineller Geschäfte zu. Die anonyme Kryptowährung des „Darknets“ sind die Bitcoins. Aber auch Hackerangriffe haben immer wieder Erfolg. In China wird diese expandierende Währung dazu genutzt, Vermögen an der staatlichen Kontrolle vorbei ins Ausland zu transferieren. Deshalb wurden die Handelsplattformen geschlossen.

Die Befürworter loben, durch die Begrenzung der schürfbaren Geldmenge würde eine Inflation vermieden. Diese Rechthaberei belegt die makroökonomische Inkompetenz der Bitcoin-Community. Ein modernes, leistungsfähiges Geldsystem muss heute die Geldnachfrage bedienen, die für ein angemessenes Wirtschaftswachstum ohne strukturelle Inflation erforderlich ist. Würde die Geldversorgung durch die schürfbare Bitcoin-Zahl limitiert, dann würden Deflation und ökonomischer Niedergang mangels ausreichenden Geldangebots unvermeidbar. Der Preis für die Ideologie des staatsfreien Individuums ohne Notenbankmonopol ist viel zu hoch.

Die Bitcoin-Taler werden für den Zahlungsverkehr auch in Zukunft nicht die große Rolle spielen. Vielmehr ist für renditehungrige Anleger ein neues Zockerinstrument geschaffen worden. Auf Spekulationsgewinne durch steigende Umtauschkurse gegenüber den offiziell regulierten Währungen wird gesetzt.

Wer mit Bitcoins spekuliert, muss erstens wissen, dass der seit dem Start 2009 im Trend steigende Kurs durch kurzfristig heftige Abstürze geprägt ist. Zweitens ist die Sorge spürbar, dass diese Kryptowährung mit hohen Verlusten für die Spekulanten am Ende zusammenzubrechen droht.

Wenn die spekulativ nach oben getriebenen Umtauschkurse platzen, dann müssen die Bitcoin-Eigner mit Folgewirkungen massive Verluste tragen. Das Vertrauen in die staatsfreie Kryptowährung wäre futsch. Jedenfalls wird die Finanzwelt noch instabiler und krisenanfälliger. Diese erkennbaren Risiken und Fehlentwicklungen rufen heute die Finanzaufsichten in aller Welt auf den Plan.

Von einem einzigen „Betrug“ sprechen viele Spekulanten auf den Finanzmärkten. Was tun? Diese Kryptowährungen lassen sich mit den Daten auf Abertausenden Computern genau so wenig wie das Internet verbieten. Umso wichtiger ist der Rat: Hände weg von diesem digitalen Handel mit Illusionen.

Der Einsatz der Kryptowährungen als gefährliche Spekulationsobjekte muss auch staatlich gebremst werden. Sollten immer wieder Spekulationsblasen drohen, dann wird der Umtausch der Bitcoins in gesicherte Währungen wie dem Euro oder dem Dollar untersagt werden müssen.

Rudolf Hickel ist Forschungsleiter für „Wirtschaft und Finanzen“ am Institut Arbeit und Wirtschaft der Uni Bremen.

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