Rechtsrock-Konzerte
Politik

Folge dem Geld

Von Anna-Lena Hodenberg
13:33

Follow the Money“ (Folge dem Geld) – ein alter Ratschlag nicht nur für Kriminalisten, sondern auch für politische Kampagnen. Denn wer etwas gegen rechtsextreme Kräfte in Deutschland tun will, könnte einmal genau draufschauen wie sie sich eigentlich finanzieren.

Nehmen wir Rechtsrock-Konzerte als Beispiel. Knapp 300 solcher Veranstaltungen gab es allein 2017 hierzulande. Meist in Dörfern – Themar in Thüringen erlangte so zweifelhafte Berühmtheit. Da treten Bands wie „Gigi und die braunen Stadtmusikanten“ auf, es ist viel von Wehrmacht, Blutlinien und Blutbannern die Rede. Geschätzter Gewinn der Konzerte: insgesamt zehn bis 15 Millionen Euro. Geld, das in Werbung, Veranstaltungen oder Propagandamaterial reinvestiert wird. Widerstand lohnt sich also doppelt.

Und dass es erfolgreichen Widerstand gibt, droht im Wirbel um die Zustände in Chemnitz gerade völlig unterzugehen. Schauen wir ins thüringische Mattstedt: 500 Bewohner, ein kleines Dorf in der Nähe von Weimar. Hier sollte am 25. August ein Konzert für Rechtsextreme stattfinden. Aber die Gemeinde, die Kirchen, das Bürgerbündnis Buntes Weimarer Land und viele andere stellten sich quer. Eine Petition zum Verbot des Konzerts fand innerhalb von Tagen 20 000 Unterschriften.

Doch trotz ihres kommerziellen Charakters gilt auch für rechte Konzerte die Versammlungsfreiheit. Durch öffentlichen Druck mobilisiert, suchten die Behörden deshalb nach einem anderen Weg, das Konzert noch zu verbieten. Und fanden ihn. Die Besitzverhältnisse des Konzertgeländes waren unklar: Nicht alle Eigentümer hatten zugestimmt. Und so verbot das Verwaltungsgericht Weimar das Konzert in letzter Minute.

Gut so. Kein Geld für Rechts. Wichtig ist aber auch, dass Menschen, die sich dafür einsetzen, keinen Schaden nehmen. „#KeinGeldfürRechts“ – das war die Initiative des Werbers Gerald Hensel, der einst sein Geld bei Scholz & Friends verdiente. Er machte darauf aufmerksam, auf welchen fragwürdigen Internetseiten Konzerne ihre Online-Werbung lieber nicht laufen lassen sollten. Es hagelte massiven Hass, sogar Morddrohungen. Hensel musste damit allein klarkommen und wollte das anderen ersparen: Er gründete die Organisation „Fearless Democracy“, die Opfern rechter Hetze beisteht. Denn es braucht mutige Demokraten, die sich trauen, dahin zu gehen, wo rechte Netzwerke besonders empfindlich sind. Indem sie weiter dem Geld folgen.

Die Autorin ist Campaignerin bei Campact.

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