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Helden sind Nachvornestürmer

Von Matthias Kolbusa
13:33

Jeden Tag hocken sie tausendfach auf den Konferenztischen dieser Welt: hässliche, aufgeblasene, widerwärtige Kröten. Jobs, die keiner machen will. Mit dicken Augen glotzen sie in die Runde und suchen einen Besitzer. Aber keiner will sie anfassen oder gar küssen. Soll doch ein anderer die Prinzessin sein, die auf den Prinzen hofft.

Der Job ist einfach zu hart, zu riskant oder ist schlicht unter der Würde der meisten. Man will ja Stratege sein – kühner Drachentöter statt schnöder Krötendompteur! Kaum sitzt so ein Vieh auf dem Tisch, löst der Widerwille Fluchtreflexe aus: „Besser, ich setze mein Burn-out-Gesicht auf. Zur Not haue ich den Tischnachbarn in die Pfanne und behaupte, dass der viel besser dafür geeignet ist. Hauptsache, die Kröte geht an mir vorüber.“

Die Krux der Kröte: Sie muss weg. In jedem Projekt existieren erfolgskritische Aufgaben, die außer viel Stress kaum Renommee versprechen. Doch ein Held wird man nicht, weil man Dinge tut, die ohne Überwindung Spaß versprechen. Helden sind Angstbezwinger, Nachvornestürmer, Chancenergreifer und Abscheuüberwinder.

Wenn Manager scheitern, in der Wirtschaft, der Politik oder Organisationen aller Art, sind oft die Kröten schuld, die keiner will. Gäbe es mehr Meetings, in denen man sich um die Quaker reißt, statt vor ihnen auf Tauchstation zu gehen, wäre unsere Gesellschaft ein Stück weiter.

Für Kröten braucht man halt den Mumm, auch unter widrigen Umständen das Richtige zu tun. Das Richtige ist das, was mehr Menschen nützt als schadet. Klar ist er schmal, der Grat zwischen Umsicht und Fahrlässigkeit, wenn man seine erste Kröte auf der Hand balanciert. Aber wir Menschen lernen schnell, und Mut ist ein Muskel, der wächst, wenn man ihn benutzt. Aber auch nur dann!

Mit dieser Haltung der Helden werden die größten Krötenungeheuer zu handzahmen Fröschen. Stolz macht sich breit, was man alles schaffen kann. Ein Kodex entsteht, in dem man zueinandersteht, in dem jeder alles geben will und in dem jeder für jeden kämpft. Zu schön um wahr zu sein!

Sie sind selbst kein Manager und sehen das genauso? „Alles Feiglinge, die ihre Kröten nicht verdienen“, meinen Sie? Schauen wir uns selbst ins Gesicht: Wann haben wir die letzte Kröte gemeistert und sind den harten Weg gegangen? Lange her, oder?

Der Autor ist Unternehmer sowie Veränderungsexperte.

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