Für Sie gelesen
Politik

Der Staat als Versager

Von Christine Dankbar
17:55

Über Jahre hatten die Mutter eines Zehnjährigen und ihr Lebensgefährte den Jungen sexuell missbraucht – obwohl sie unter Aufsicht des Jugendamts standen. Nun wurden sie zu langjährigen Haftstrafen verurteilt. 

Die „Süddeutsche Zeitung“ widmet dem Thema ihren Leitartikel. „Der Staat muss die Kinder vor ihren Eltern schützen, wenn ihnen von den Eltern Schreckliches angetan wird“, kommentiert Heribert Prantl. „Der Fall Staufen hätte ein solcher Fall sein müssen; aber der Staat hat seine Schutzpflicht grob verletzt.“ 

Prantls Fazit: „Der Staat war in diesem Fall nicht Vater, er war nicht Mutter und auch nicht Vormund – er war ein Versager.“ Deshalb müsse es jetzt eine „systematische Fehleranalyse und Ursachenforschung“ geben.

„Juristisch ist die Sache so gut wie abgearbeitet“, schreibt Per Hinrichs in der „Welt“. Doch auch für ihn bleiben noch viele Fragen: „Wieso hat das Jugendamt nicht darauf gedrängt, dass der Junge aus der Familie geholt wurde? … Nur Offenheit, Aufklärung und ein angemessener Umgang mit dem Thema helfen, dass weniger Kinder leiden müssen. Kinder müssen um ihrer selbst willen geschützt werden – auch, damit sie nicht die Täter von morgen werden.“ 

Der „Tagesspiegel“ weist in diesem Zusammenhang auf die Rolle der Familienrichter hin und kritisiert, „dass sich die Justizminister der Länder, zuletzt erneut Anfang 2018, gegen verpflichtende Fortbildungen für Familienrichter aussprechen“. 

  Zur Startseite