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Politik

Der Sultan ist pleite

Von Christine Dankbar
18:02

Mit den wirtschaftlichen Probleme der Türkei und dem Konflikt zwischen dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan und seinem US-amerikanischen Amtskollegen Donald Trump beschäftigen sich viele Kommentatoren. 

Die „Leipziger Volkszeitung“ schreibt dazu: „Viele der Probleme sind hausgemacht. In den Jahren des billigen Geldes hat die Türkei strukturelle Reformen verschlafen und muss jetzt bei steigenden Zinsen mitansehen, wie sich Investoren zurückziehen. Dass die Türkei sich von der EU und deren Regeln entfernt hat, macht die Investorensuche zusätzlich schwierig. Und Erdogans offene Einflussnahme auf die Entscheidungen der Zentralbank, die schwache Vorstellung seines Schwiegersohnes und Finanzministers Albayrak und der Streit mit US-Präsident Donald Trump verschrecken die Anleger noch weiter.“

Der „Tagesspiegel“ analysiert: „Der ungebremste wirtschaftliche Niedergang der Türkei wird schnell massive Auswirkungen auf die gesamte Europäische Union, vor allem die besonders engagierten französischen und spanischen Banken haben“, und warnt weiter: „Dramatisch könnte das Geschehen werden, weil hier zwei Politiker aufeinandertreffen, die zu emotional und aufbrausend sind, um die langfristigen Folgen ihrer spontanen Handlungen und Gesten zu bedenken. Trump und Erdogan agieren wie beleidigte pubertierende Jugendliche.“

Die „Berliner Morgenpost“ meint: „Die Europäer und die Nato müssen mit den Türken im Gespräch bleiben. Wenn Erdogan am 28. und 29. September nach Deutschland kommt, geht es um die Kunst des Dialogs hinter den Kulissen. Öffentliche Schelte bringt billigen Beifall auf der innenpolitischen Galerie, führt aber zu nichts.“

Die „Allgemeine Zeitung“ aus Mainz nennt dafür Bedingungen: „Auf Hilfe kann die Türkei nur hoffen, wenn sie endlich nach den Regeln spielt. Und wenn sie die Realitäten anerkennt. Eine davon lautet: Der Sultan ist pleite.“

Die britische „Financial Times“ ergänzt: „Der Anstieg des Dollars in Verbindung mit höheren Zinsen hat den Schwellenländern einen doppelten Schlag verpasst. Argentinien war im Mai das erste Land, das diesen Druck zu spüren bekam. Es gelang dem Land, seine Währung mit kräftigen Zinserhöhungen sowie durch die Einschaltung des IWF – ungeachtet der damit verbundenen historischen Vorbehalte – zu stabilisieren. In der Türkei stehen solche Optionen wohl nicht zur Verfügung. Erdogan ist offenbar gegen weitere Zinserhöhungen, die er fälschlicherweise als Inflationstreiber darstellt, und auch gegen eine Rettungsaktion durch den IWF. Die dürfte angesichts der Spannungen im Verhältnis zu den USA ohnehin schwierig zu bekommen sein.“ (mit FR)

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