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Markus Söder hat ein Imageproblem. Idefix soll es nun richten.
Imagepflege bei Politikern
Politik

Markus Söders Sorge um Idefix

Von Katja Thorwarth
13:20

Vertrauensvoll lächelnd schaut der Mann in die Kamera, ein Hündchen auf dem Arm, braunes Fell, schwarze Knopfaugen. Das Schicksal scheint es mit dem Wauwau nicht gut gemeint zu haben: „Das ist der kleine Welpe Idefix. Er wartet im Tierheim Nürnberg auf ein neues Zuhause. Mit ihm hoffen derzeit über 600 Tiere auf neue Besitzer.“

Es ist Markus Söder, CSU-Ministerpräsident von Bayern, der seine Position nutzt, um Gutes zu tun: Liebevoll setzt er sich auf Twitter für Idefix ein. Zu drollig aber auch schweifen die Hundeäuglein ins traurig Ungewisse und bilden beinahe einen harmonisierenden Ausgleich zum, trotz aller Mühen, arg stechenden Blick des Herrn Ministerpräsidenten. Hat er also doch das Herz am christlich-sozial-rechten Fleck, der zweifache Hundebesitzer (Fanny und Bella), der den „besten Freund des Menschen“ (Voltaire, 1764) lieber in familiärer Fürsorge als in trostloser Obhut einer Sammelunterkunft zu wissen hofft?

Alle wollen sie rechter als die AfD sein

Da hat Idefix ja nochmal Glück gehabt, dass er ein Hund ist. Mit Menschen, die auf ein besseres Leben hoffen, hat es Söder nämlich weniger, und gleich gar nicht im Freistaat. Die lassen sich halt auch nicht so Twitter-tauglich vor die Kamera zerren, vielmehr sind die Abschiebezahlen die Wahlkampfwährung. Oder besser sollten es ein, denn Söder hat wie all die anderen bürgerlichen Rechten, die rechter als die AfD sein wollen, Schwierigkeiten mit seinem Image.

Zumindest bescheinigt ihm eine aktuelle Forsa-Erhebung, der unbeliebteste Ministerpräsident Deutschlands zu sein. Von der CSU-Abschreckungspolitik unterm Kreuz hat das „Machtexemplar“ (Tagesspiegel) bislang nicht profitieren können. Laut Flüchtlingsrat ist Bayern „in der Asylpolitik bereits der menschenrechtliche Hinterhof in Deutschland“. Aber vielleicht hilft ja der süße Idefix, denn in der internationalen Politik hat schon so mancher auf einen Vierbeiner zur Imagepflege gesetzt. Beispiele gefällig?

Adolf Hitler und seine Blondi

Blondi, wohl die berühmteste unter den deutschen Schäferhündinnen, sollte auf zahlreichen Bildern die menschliche Seite Adolf Hitlers imaginieren. Wie oft hat er sie das Stöckchen holen, Männchen machen, Pfötchen geben lassen, bis es der Volksseele ganz warm ums Herz geworden sein muss.

Oder Wladimir Putin. Wem blickte er je so zärtlich ins Antlitz, wie dem kleinen Werny („der Treue“)? Turkmenistans Präsident Berdymuchammedow überreichte ihm das Welpen zum Geburtstag, Putin, sonst knallharter Politstratege, hatte sich mit einem Schmatzer in Wernys kuscheliges Fell dessen Treue für immer versichert. Und George W. Bush hatte gar einem „First Dog“ (Barney) im Weißen Haus zur politisch relevanten Größe verholfen.

Öffentlichkeitswirksame Tierliebe

Die genannten Herren stehen nur beispielhaft für eine öffentlichkeitswirksame Tierliebe, die ein gesellschaftliches Muster voraussetzt, das ein generelles Tierwohl gar nicht meint. Vielmehr gilt es, den Kuscheleffekt in die Herzen zu zaubern, auf das sich politische Handlungspraxis im Bewusstsein der Wähler hinter dem Welpen versteckt und Idefix aus dem Söder noch einen Wahlgewinner macht.

Könnte aber in die Hose gehen, weshalb er es vielleicht sicherheitshalber auch mit kleinen Kätzchen versuchen sollte. Denn eigentlich dürfte Idefix schon bald die frappante Ähnlichkeit Söders zu römischen Söldnern auffallen. Gegen die ist er bekanntermaßen kampferprobt, und dann war’s das mit der Imagepflege.

Katja Thorwarth ist Autorin und Online-Redakteurin.

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