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Alexander Gauland hat einen persönlichen Referenten. Der zum Thema Afrikaner eine klare Meinung formuliert.
Michael Klonovsky
Politik

Der Gauland-Flüsterer

Von Katja Thorwarth
12:27

AfD-Parteivorsitzender Alexander Gauland bringt sich regelmäßig mit eindeutig zweideutigen Aussagen in die Schlagzeilen. Sei es, indem er die Zeit des Nationalsozialismus als „Vogelschiss“ der Geschichte bezeichnet, sei es, weil angeblich niemand Boateng als Nachbarn haben will.

Das sind gezielte Provokationen, wohl kalkuliert und keineswegs aus sprachlicher Schlampigkeit missverständlich unters Volk gesendet. Doch wer berät den zumindest vom Posten her mächtigsten Mann der Rechtspartei?

Persönlicher Referent ist seit Februar 2018 der parteilose Schriftsteller Michael Klonovsky. Der war  von Juni 2016 bis Anfang 2017 bereits Berater von der ehemaligen AfD-Vorsitzenden Frauke Petry. Sein letztes Buch „Liebe in Zeiten der Lückenpresse“ erschien im rechten Manuscriptum Verlag. Allerdings ist es nicht nötig, dieses Machwerk zu erstehen, um tiefer in das Weltbild des Gaulandschen Referenten einzutauchen.

Auf seiner Webseite „Acta Diurna“ hat Klonovsky am 24. August dieses Jahres einen bemerkenswerten Text veröffentlicht, der seine rassistischen Stereotype wie selten offen nach außen trägt.

Klonovsky leitet seinen Text mit dem Plan der südafrikanischen Regierung ein, weiße Farmer zu enteignen. Hintergrund ist, dass noch 24 Jahre nach dem Ende des Apartheid-Regimes 73 Prozent der landwirtschaftlich nutzbaren Fläche der weißen Minderheit gehören. Das soll sich nun ändern, zumal weiße Farmer häufig ihrerseits als Folge von Apartheid und Kolonialismus in den Besitz kamen. Klonovsky führt noch weitere Beispiele an („Auch in Angola, Senegal, Mosambik und Kenia gibt es nur noch eine winzige bleichgesichtige Bevölkerung“), um zu diagnostizieren: „Afrika kennt keine Willkommens-, sondern eine Verabschiedungs- bzw. Vertreibungskultur.“   

 Weiße Vormachtstellung und Apartheid in Afrika

Bleibt die Frage, wie einer weißen Minderheit mit einer „Willkommenskultur“ begegnet werden soll, wenn diese sich längst in Afrika aufhält. Und ohne den Vertreibungs- und Enteignungsprozess gut zu heißen, ist er doch eine Folge der Jahrhunderte alten weißen Vormachtstellung und Apartheid in Afrika. Das alles weiß Klonovsky sicherlich, aber er klammert die Hintergründe wohl aus, um die Willkommenskultur, die bei den politischen Rechten im Umgang mit Flüchtlingen längst auf dem Index steht, für Weiße in Afrika als gewünscht zu formulieren.  Damit führt er den Begriff ad absurdum, sind es doch gerade die Folgen kolonialer Ausbeutung, die die Menschen fliehen und vor geschlossenen Grenzen in Europa verzweifeln lassen. 

In seiner Erzählung jedoch ist der Schwarze der Aggressor, und die weiße Minderheit wird in Opferstellung gebracht, was den Leser für das nun Folgende auf Temperatur bringen soll. Im Kontext illegaler Grenzdurchbrüche in der spanischen Enklave Ceuta spricht er denn auch von „Aggressoren, die auf Beute, auf Raub und Sozialbetrug“ aus seien, wobei man hier genauso gut den Kolonialisten einsetzen könnte. In Umkehrung des historischen Aggressors schließt sich somit der Kreis, und der Weiße wird ein in seiner Existenz bedrohtes unschuldiges Opfer.

AfD und Rassismus in seiner puren Ausprägung

Damit all die potentiell bedrohten Leser aus der Lektüre die richtigen Konsequenzen ziehen, muss das sich zu erwehrende böse Gegenüber zumindest ein Stück weit animalisiert bzw. als kulturelle Gruppe minderwertig behauptet werden. Seine Inhalte schöpft Klonovsky aus einem Blog „Moral und abstraktes Denken. Wie Afrikaner sich von Westlern unterscheiden mögen“ (Gedaliah Braun) und einem Textbeitrag von Hadmut Danisch, der auf der Maskulinistenplattform „Wikimannia“ als „Wissenschaftskritiker“ vermerkt ist.

Vorstellen will Klonovsky den „Menschenschlag“, auf den „wir uns – womöglich – einzulassen haben, wenn diese Beobachtungen zutreffen“. Tja, wenn. Folgt man seinem Text weiter, scheinen bei ihm jedenfalls keinerlei Zweifel zu bestehen. Alles ist angerichtet für ein rassistisches Feuerwerk, welchem jeder folgt, der Klonovskys Ausführungen in seinem Sinne „begrübelt“.

Zwar nicht alle – afrikanische Nobelpreisträger also schon einmal nicht –, aber „signifikant viele“ schwarze Afrikaner hätten demnach einen „ … niedrigen Durchschnitts-IQ ungefähr auf dem Level deutscher Vorpubertierender, mangelndes Abstraktionsvermögen, keine den unseren vergleichbaren Moralvorstellungen, kein Denken in Zeiträumen und Verbindlichkeiten, kein Verhältnis zur Kausalität, unterentwickelte Empathie und eine teilweise verbreitete Freude an Grausamkeiten.“  Er zeichnet das Bild eines „Wilden“, potentiell grausam und ohne moralische Standards.

Rassismus rechtfertigt Aggression

 „Der Rassismus ist die verallgemeinerte und verabsolutierte Wertung tatsächlicher oder fiktiver Unterschiede zum Nutzen des Anklägers und zum Schaden seines Opfers, mit der seine Privilegien oder seine Aggressionen gerechtfertigt werden sollen“, formuliert der französische Soziologe Albert Memmi und scheint sich eins zu eins auf Klonovskys zu beziehen.  

Der verzichtet denn auch in seinen weiteren Ausführungen auf mögliche Einschränkungen und schreibt von „bestialischen Gewaltexzessen,…, nach Deutschland geschleuster edler Wilder“, und einem Afrika als „Kontinent der Vergewaltigungen“.

Jeder dürfte jetzt das Bild des plündernden und brandschatzenden Schwarzen im Kopf haben, ist der Feind doch plastisch gezeichnet, wobei die strikte Rassentrennung hier schon aus Gründen der reinen Gefahrenabwehr die logische Konsequenz sein muss.

„Identitäre“ und der Ethnopluralismus

Auf dieser Welle reiten auch die rechtsextremen „Identitären“, die im Ethnopluralismus das (arische?) völkische Heil sehen. Bei dem „stets lesenswerten“ (M.K.) Martin Lichtmesz, Teil des Autorenstamms um den neurechten Verleger Götz Kubitschek und mit der „Identitären Bewegung“ verbunden, wird der Rassismus zumindest insofern legitimiert, als Lichtmesz den „Antirassismus“ verteufelt. Die multikulturelle Gesellschaft, wird Lichtmesz zitiert, bedinge, dass „Weiße zahlenmäßig reduziert … und durch Nicht-Weiße ersetzt werden. Der Slogan Diversity (‚Vielfalt’) bedeutet nichts anderes, als dass in einem beliebigen Bereich less white people (‚weniger weiße Menschen’) gefordert werden.“

Das ist eine Begriffsverfälschung, wie sie Klonovsky offenbar entspricht, meint „Vielfalt“ doch das gleichberechtigte Mit- und Nebeneinander verschiedener Kulturen und gerade nicht die Zerstörung einer spezifischen kulturellen Gruppe. Ein Miteinander ist der identitäre Alptraum, weshalb die angeblich gewollte Vernichtung der Weißen über eine konstruierte afrikanische Bedrohung zur Angstmachung herbeidramatisiert wird.

Politische Niete Adolf Hitler

Antirassismus ist entsprechend ein „Quell der Gewalt“ (A. Finkielkraut). Da passt es, wenn Klonovsky  Adolf Hitler, seines Erachtens „die größte politische Niete des 20. Jahrhunderts“, bezüglich herbei orakelter zukünftiger Rassenkämpfe „seherische Fähigkeiten“ bescheinigt. Beachte man die Hitlersche Rassenideologie, finden sich ebenso wenig Differenzen.  Auch dort wird die  „eigene Rasse“ gegenüber anderen als höherwertig eingestuft. Und im französischen Schriftsteller de Gobineau zeigt sich noch ein gemeinsamer Vordenker, der mit seiner Behauptung der angeblichen negativen Auswirkungen der Rassenmischung einen großen Einfluss nicht nur auf die Politik des Nationalsozialismus hatte – siehe Ethnopluralismus bei den Identitären.

Apokalypse durch den Multikulturalismus

Zusammenfassend läuft der Text des Gauland-Beraters Klonovsky auf die Zeichnung einer Apokalypse hinaus, die zum einen durch den „Wilden“ verursacht wird, der Europa zu überrennen drohe. Und zum anderen durch eine antirassistische Linke, die den Multikulturalismus eigentlich nur befeuere, um ihren angeblichen Weißen-Hass in der Zerstörung der weißen Rasse zu vollenden. Schusswaffengebrauch an der europäischen Außengrenze hat Klonovsky vom Studierstübchen aus bereits als Handlungsoption formuliert („vielleicht einmal mit der Schusswaffe willkommen heißen“, M.K.) – ein Gedanke, den Frauke Petry 2016 („notfalls auch von der Schusswaffe gebraucht werden“, F.P.) auch in die Öffentlichkeit trug.

Der Schriftsteller betont auf seiner Seite, „weder ein Medium noch einen Verlag noch eine Partei, sondern einzig und allein sich selbst zu repräsentieren“. Das ist schon gruselig genug. Noch gruseliger hingegen ist, dass er den Parteivorsitzenden einer im Bundestag sitzenden Partei als persönlicher Referent berät. Verfolgt man die Äußerungen des AfD-Chefs Alexander Gauland, dürfte er seinem Referenten Michael Klonovsky gerne und aufmerksam zuhören.

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