© rtr, FR
Wer sichergehen will, dass seine Daten nicht auf undurchschaubaren Umwegen dazu missbraucht werden, einen Clown wie Donald Trump ins Amt zu hieven, der hält sich von Facebook fern.
Pro
Politik

Lasst die Facebook-Filterblase platzen!

Von Patrick Schlereth
08:32

Facebook ist und bleibt kostenlos“, lautet der Slogan – wobei „kostenlos“ eine Frage der Definition ist, wenn statt mit Geld mit Daten bezahlt wird. Dieses Bezahlmodell hat Facebook nicht exklusiv, wohl aber die Intransparenz bezüglich der Datenerhebung und -auswertung. Der Cambridge-Analytica-Skandal ist der jüngste Beweis dafür, dass es dem Konzern herzlich egal ist, wenn seine Daten widerrechtlich abgeschöpft und politisch missbraucht werden. Man wusste Bescheid, tat aber nichts. Vielleicht hat Cambridge Analytica das Geschäftsmodell von Facebook auch nur zu Ende gedacht: Wenn man mit personalisierter Werbung zum Geldausgeben manipulieren kann, warum nicht auch zum Überdenken des Wahlverhaltens?

Der Facebook-Algorithmus hilft fleißig dabei, sorgt er doch dafür, dass Fake News mit hoher emotionaler Intensität größere Hypes auslösen als echte nüchterne Nachrichten. Das hat die US-Wahl gezeigt. Aber hey, wer braucht schon Fakten, wenn die Interaktionsrate stimmt? Neuerdings werden Medienseiten im Newsfeed herabgestuft, damit sich Freunde der Verschwörungstheorie ungestört in ihren Filterblasen austauschen können.

Facebook gilt als „too big to fail“

Allein aufgrund seiner Größe bestimmt das Quasi-Monopol Facebook die gesellschaftliche Debatte mit, weigert sich aber, der Verantwortung einer quasipolitischen Institution gerecht zu werden. Das einzige Ziel ist Wachstum und Vernetzung um jeden Preis – auch wenn „jemand durch einen Anschlag [stirbt], der mit unseren Werkzeugen koordiniert wurde“, wie es im internen Memo eines Facebook-Managers von 2016 heißt.

All das zeigt, dass ein Netzwerkdurchsetzungsgesetz und eine EU-Datenschutzgrundverordnung nicht ausreichen, um Facebook und seinen Einfluss auf die Demokratie in den Griff zu kriegen. Vor einer Zerschlagung dürfte die Politik aber zurückschrecken, gilt Facebook doch als „too big to fail“.

Da kann man nur noch auf die Nutzer hoffen. Wer sichergehen will, dass seine Daten nicht auf undurchschaubaren Umwegen dazu missbraucht werden, einen Clown wie Donald Trump ins Amt zu hieven, der hält sich von Facebook fern. So könnte die riesige Filterblase irgendwann von selbst platzen – einzig schade wär’s um den schönen Katzencontent.

  Zur Startseite