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Sarah und Yusra Mardini bei der Bambi-Verleihung 2017.
Sarah Mardini
Politik

Flüchtlingshelferin im griechischen Gefängnis

Von Frank Nordhausen
13:12

Stark sind sie, mutig und idealistisch. Vor einem Jahr bekamen Sarah Mardini und ihre jüngere Schwester Yusra in Berlin den „Bambi“ als „stille Heldinnen“ verliehen. Die syrischen Schwestern hatten 2015 Weltruhm erlangt, als sie auf der Flucht vor dem Bürgerkrieg in ihrer Heimat mit einem Schlauchboot von der Türkei auf die Ägäis-Insel Lesbos übersetzten und der Motor ausfiel. Daraufhin zogen die beiden Leistungsschwimmerinnen das Boot an einem Seil dreieinhalb Stunden bis zum Strand und retteten 18 Menschen das Leben. 

Danach gelangten die Mardini-Schwestern nach Deutschland. Yusra, genannt die „Meerjungfrau von Damaskus“, nahm als Mitglied einer Flüchtlingsmannschaft an den Olympischen Spielen in Rio 2016 teil und wurde zur jüngsten UN-Goodwill-Botschafterin aller Zeiten. Sarah entschied sich, Flüchtlingskinder zu betreuen, die wie sie das Mittelmeer überquert hatten und im Exil leben mussten. Sie wurde von Barack Obama eingeladen, vor den UN zu sprechen. 

Doch während Yusra derzeit in Hamburg für Olympia trainiert, sitzt die in Berlin lebende Sarah Mardini seit anderthalb Wochen in einer Gefängniszelle in Athen. Gegen die 23-Jährige wurde Untersuchungshaft verhängt, weil sie laut Polizei als Mitglied eines „kriminellen Netzwerks Migranten bei der illegalen Einreise nach Griechenland“ geholfen habe. Damit ist die griechische Flüchtlingshilfsorganisation Erci (Emergency Response Centre International) gemeint, die auf Lesbos Migranten unterstützt und sie versorgt, da in dem überfüllten staatlichen Lager Moria unerträgliche Zustände herrschen. 

Den Behörden ein Dorn im Auge

Laut ihrer Webseite haben die Aktivisten bislang 45 000 Geflüchtete betreut. Den Behörden sind sie ein Dorn im Auge. Jetzt wirft ihnen die Justiz vor, sie hätten Hinweise von Schlepperbanden nicht an die Behörden gegeben. Über Spenden hätten die Verdächtigen „finanziellen Gewinn“ für ihre Organisation angestrebt und „Spionage“ betrieben.

Gegen 30 Erci-Mitglieder wird ermittelt, neben Sarah Mardini wurden ein früherer griechischer Erci-Chef und der Deutsch-Ire Sean Binder inhaftiert. Es wirkt wie der Versuch, die ungeliebten Flüchtlingshelfer loszuwerden. 

Sarah Mardini und ihre Mitstreiter weisen alle Vorwürfe zurück. Nach eigenen Angaben arbeitete die Gruppe bisher eng mit der griechischen Küstenwache und der europäischen Grenzschutzagentur Frontex zusammen. Die nahöstliche Nachrichten-Webseite The National zitierte einen Erci-Aktivisten mit den Worten: „Wir hatten nie (telefonische) Kommunikation mit Schmugglern oder Flüchtlingen auf dem Wasser.“

Ehren-Bambi und einem Integrationspreis

Für ihr Engagement in der Flüchtlingshilfe wurden die Mardini-Schwestern 2017 mit dem Ehren-Bambi und einem Integrationspreis während des G20-Gipfels in Hamburg ausgezeichnet. In ihrer bewegenden Hamburger Rede dankte Sarah Mardini ihrem „Gastgeberland“ für die „großzügige Aufnahme“ und die Chance, mit einem Stipendium Wirtschafts- und Sozialwissenschaften am privaten Bard-College in Berlin zu studieren. Sie sagte: „Ich glaube, dass alle Menschen in Sicherheit leben und ihren Träumen folgen können sollten.“ Ihre deutschen Lehrer und Trainer nennen sie „zutiefst idealistisch“. Ihr Anwalt Haris Petsikos hat ihre sofortige Freilassung beantragt. Der Haftbefehl enthalte keinen einzigen Beweis für die Vorwürfe. 

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