© Monika Müller, FR
Werbung für umstrittene Sängerin aus Serbien: Ceca.
Svetlana Raznatovic
Politik

Bühne frei für „Ceca nationale“

Von Danijel Majic
10:42

Auf dem Balkan ist Svetlana Raznatovic ein Superstar, ihr Künstlername „Ceca“ allgemein geläufig. In ihrem Heimatland Serbien füllt die Musikerin regelmäßig Stadien, singt vor bis zu 80.000 begeisterten Fans. In Deutschland dürfte ihr Namen – außer in Zuwandererkreisen aus dem ehemaligen Jugoslawien – kaum bekannt sein. Doch auch hier soll sie schon bald ein Stadion bespielen – das Frankfurter Waldstadion um genau zu sein.

Am 9. Juni soll Ceca im Rahmen des Balkan-Festivals zusammen mit Aca Lukas, einem weiteren bekannten serbischen Musiker   in der Arena auftreten. Doch „Ceca“ ist mehr als nur Musikerin. Trotz ihres grenzübergreifenden Erfolges haftet ihr der zweifelhafte Ruf an, Symbol des serbischen Nationalismus zu sein. Was nicht zuletzt daran liegt, dass sie von 1995 bis 2000 mit einem berüchtigten Milizenführer der jugoslawischen Sezessionskriege verheiratet war: Zeljko Raznatovic. Das Haager Kriegsverbrechertribunal hatte ihm unter anderem Völkermord, Massenvergewaltigungen und ethnische Säuberungen vorgeworfen und ließ nach ihm mit internationalem Strafbefehl fahnden.

Geboren wurde die heute 44-Jährige als Svetlana Velickovic. Ende der 80er Jahre begann ihr Aufstieg zum Superstar des Turbofolk, einer in allen Nachfolgestaaten Jugoslawiens populären Musikrichtung, die westlichen Pop mit südslawischer Volksmusik kombiniert. Mitte der 90er – während der Erbfolgekriege in Bosnien und Kroatien – firmierte sie in den serbischen Medien bereits als „Ceca nationale“. Ein Status, den sie spätestens 1995 zementierte, als sie Raznatovic heiratete.

Zeljko Raznatovic, besser bekannt unter seinem Kampfnamen „Arkan“, war ein brutaler Emporkömmling aus der Belgrader Unterwelt. In den Kriegen in Kroatien und Bosnien führte er seine eigene Miliz – die serbische Freiwilligengarde.

Im Serbien unter der Ägide Slobodan Miloševics hingegen galt „Arkan“ als Held. Die Heirat mit dem Turbofolk-Superstar „Ceca“ wurde als „Hochzeit des Jahrhunderts“ vermarktet und live im Staatsfernsehen übertragen.

„Eine symbolische Ehe zwischen Popkultur und Nationalismus“, nennt das Sonja Vogel, Journalistin und Autorin eines 2017 erschienen Buches über das Phänomen „Turbofolk“. Die Traumehe des serbischen Nationalismus indes fand ein jähes Ende, als Zeljko Raznatovic im Jahr 2000 unter nie geklärten Umständen ermordet wurde – ohne sich für seine Verbrechen vor Gericht verantwortet zu haben.

Nach einer kurzen Trauerzeit nahm Ceca ihre Karriere wieder auf und schloss fast nahtlos an ihre früheren Erfolge an. Ihre Musik, ihre Texte sind nicht dezidiert politisch. „Sie macht im Gegensatz zu anderen Musikern in Ex-Jugoslawien keine Politik“, sagt Sonja Vogel. Distanziert hat sie sich von dem ihr anhaftenden Image jedoch auch nie. „Ceca macht ihre Person und ihr Kontext politisch. Und sie profitiert von dem Ruf, der ihr anhängt“, so Vogel.

Neben den Vorwürfen, ein Symbol des Nationalismus zu sein, sind es auch „Cecas“ mutmaßlich von ihrem Ehemann übernommene Kontakte in die Belgrader Unterwelt, die immer wieder für Schlagzeilen sorgen. Gerichtsfest nachgewiesen werden konnten sie ihr allerdings nie. Einen Prozess wegen umstrittener Finanzgeschäfte konnte sie 2011 durch einen Deal mit der Staatsanwaltschaft abwenden.

Veranstalter nicht erreichbar

Zu den vielen Paradoxa des ehemaligen Jugoslawiens gehört, dass sich „Ceca“ auch in jenen Ländern großer Beliebtheit erfreut, in denen die Miliz ihres verstorbenen Mannes wütete. Ihre Alben verkaufen sich in Kroatien und Bosnien-Herzegowina genauso gut wie in Serbien. Und auch in Deutschland hat „Ceca“ Fans. Bislang allerdings tourte sie in der Regel durch Klubs und Diskotheken. Dass sie in einem Stadion auftritt, ist zumindest in Deutschland ein Novum.

Der Konzertveranstalter, eine Firma aus Frankfurt, war für die FR nicht zu erreichen. Die Stadion Frankfurt Management GmbH erklärte auf Nachfrage, dass sie in die Auswahl der Künstler nicht eingebunden sei. Für das Konzert würden nur der untere Teil der Haupttribüne sowie ein Teil des Innenraums genutzt. Insgesamt rechne man mit etwa 3000 Besuchern.

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