© Imago, FR
Das neue One World Trade Center ragt in die Wolken.
Terror am 11. September 2001
Politik

9/11 und die Folgen

Von Patrick Schlereth
07:35

Am 11. September 2001 steuerten Terroristen der islamistischen Organisation al-Kaida zwei entführte Passagierflugzeuge in die Zwillingstürme des World Trade Centers in New York City. Etwa 17.400 Menschen befanden sich zu dieser Zeit in den Türmen. Ein weiteres entführtes Flugzeug traf das Pentagon in Arlington, Virginia, eine vierte Maschine stürzte wegen einer Revolte der Passagiere bei Shanksville in Pennsylvania ab. Welches Gebäude dieses Flugzeug treffen sollte, ist bis heute nicht geklärt, als wahrscheinliche Ziele gelten das Weiße Haus und das Kapitol in Washington. Insgesamt starben fast 3000 Menschen bei den Terroranschlägen, die von 19 Flugzeugentführern umgesetzt wurden.

Um 8.46 Uhr Ortszeit rammte Flug AA11 den Nordturm des World Trade Centers. Zunächst glaubte man einen Unfall und forderte die Menschen im Südturm auf, Ruhe zu bewahren. Um 9.03 Uhr traf Flug UA175 den Südturm. Erst ab diesem Zeitpunkt wurde die Evakuierung des World Trade Centers angeordnet. Um 9:37 Uhr wurde Flug AA77 in das Pentagon gesteuert, um 10:03 Uhr stürzte Flug UA93 bei Shanksville ab. 

Durch den Aufprall der Flugzeuge in die Zwillingstürme des World Trade Centers gelangte Kerosin in die Gebäude, schoss durch die Aufzugschächte und verteilte sich großflächig durch brennbare Materialien. Um 9.59 Uhr stürzte der Südturm, um 10.28 der Nordturm ein. Trümmer des Nordturms trafen auch das benachbarte WTC 7, das ebenfalls evakuiert wurde und um 17:20 Uhr einstürzte.

Wenige Minuten, nachdem sich das erste Flugzeug in das World Trade Center gebohrt hat, brechen heftige Diskussionen im Internet aus. Hier finden Sie Auszüge aus einem Forum beim Suchdienst Yahoo, dokumentiert in der FR vom 15.9.2001.

US-Einmarsch in Afghanistan und im Irak

Unter dem damaligen US-Präsidenten George W. Bush reagierten die USA noch im Jahr der Anschläge mit dem Einmarsch in Afghanistan, um die Terrororganisation al-Kaida zu bekämpfen und die verbündete Taliban-Regierung zu stürzen. Sie hatten die Nato hinter sich, die nach den Anschlägen zum ersten Mal in ihrer Geschichte den Bündnisfall beschloss. Alles zu den aktuellen Entwicklungen in Afghanistan finden Sie hier.

Die 9/11-Anschläge dienten den USA auch als eine der Begründungen für die Invasion ohne UN-Mandat im Irak 2003, die zum Sturz des Präsidenten Saddam Hussein führte. Die Behauptungen der USA, Hussein besitze Massenvernichtungswaffen und sei in die Anschläge vom 11. September verwickelt, erwiesen sich als falsch.

Die Expansion der Terrororganisation „Islamischer Staat“ im Irak seit 2014 wird mitunter als Folge des völkerrechtlichen umstrittenen Einsatzes der USA in dem Land angesehen. Hier finden Sie unser Dossier zum Irak.

Folter in Guantánamo und Abu Ghuraib

Als Reaktion auf 9/11 bauten die USA im Jahr 2002 einen Marinestützpunkt in der Guantánamo-Bucht auf Kuba zu einem Gefangenenlager um. Davon erhoffte man sich sowohl den Schutz vor Terroristen als auch geheimdienstliche Informationen. Den fast 800 Häftlingen wurden mehrheitlich Verbindung zu al-Kaida oder den Taliban vorgeworfen. Die Haftbedingungen und die Verhör- und Foltermethoden gerieten international in die Kritik, neben Schlaf- und Nahrungsentzug gilt etwa das Waterboarding, das simulierte Ertränken, als Symbol für die unmenschliche Behandlung der Häftlinge.

Unter US-Präsident Barack Obama wurden viele Häftlinge entlassen und keine neuen nach Guantánamo geschickt, eine Schließung scheiterte jedoch am Widerstand der Republikaner im Kongress. Derzeit sollen sich noch etwa 40 Insassen in Guantánamo befinden, unter ihnen auch Chalid Scheich Mohammed, der Chefplaner der 9/11-Anschläge. Obamas Nachfolger Donald Trump kündigte 2018 an, das umstrittene Gefangenenlager offen zu halten. In unserem Dossier zur USA lesen Sie, wohin sich die Vereinigten Staaten unter Trump entwickeln.

Im Jahr 2004 wurden Bilder in den Medien veröffentlicht, die die Folter durch US-amerikanische Soldaten an Häftlingen im irakischen Gefängnis Abu Ghuraib dokumentierten. Ein Bild zeigt etwa eine junge Soldatin, die einen nackten Häftling an einer Leine hält. Auf einem anderen Foto ist ein Inhaftierter mit einer Kapuze auf dem Kopf auf einer Kiste stehend zu sehen, an seinen ausgestreckten Händen sind Elektrokabel befestigt. Bei der systematischen Erniedrigung, Misshandlung und Vergewaltigung der Insassen kam es auch zu mehreren Todesfällen, elf US-Soldaten wurden später zu Haftstrafen von bis zu zehn Jahren verurteilt.

9/11-Auftraggeber

Al-Kaida-Gründer Osama bin Laden bekannte sich erst im Oktober 2004, kurz vor der Wiederwahl von Präsident Bush, in einem Video zu den Anschlägen am 11. September 2001. Zudem drohte er mit weiteren Taten, wenn die USA nicht aufhörten, die Sicherheit der Muslime zu bedrohen. Als Motiv nannten er und seine Mitstreiter die Unterstützung der USA für Israel und die Behandlung der Palästinenser.

Jahrelang wurde nach den 9/11-Anschlägen erfolglos nach bin Laden gefahndet. Am nächsten kam man ihm im Dezember 2001 im afghanischen Höhlensystem von Tora Bora, doch bin Laden floh nach Pakistan. Zehn Jahre später wurde er im Rahmen der „Operation Neptune’s Spear“ von US-Soldaten auf seinem Anwesen in Pakistan erschossen.

Hamburger Zelle

Eine zentrale Rolle bei den Terroranschlägen spielte die sogenannte „Hamburger Zelle“ um ihren Anführer Mohammed Atta. Der Ägypter gehörte zu den fünf Entführern der Maschine, die in den Nordturm des World Trade Centers gesteuert wurde. In der Marienstraße 45 in Hamburg-Harburg lebte er mit Ramzi Binalshibh und Said Bahaji zusammen, die an der Planung beteiligt waren. Auch Binalshibh war als Pilot vorgesehen, bekam im Vorfeld der Anschläge allerdings kein Visum für die USA. Später wurde er in Pakistan festgenommen und in das US-Militärgefängnis Guantánamo gebracht.

Zu der Hamburger Zelle gehörten auch Marwan al-Shehhi und Ziad Jarrah. Ersterer steuerte das zweite Flugzeug, das den Südturm des World Trade Centers rammte. Jarrah steuerte Flug UA93, der in Pennsylvania abstürzte.

9/11-Untersuchungskommission

Der fast 600-seitige Abschlussbericht der Untersuchungskommission kam 2004 zu dem Schluss, dass die Anschläge durch eine bessere Zusammenarbeit zwischen CIA und FBI hätten verhindert werden können. Kritiker der Kommission bemängelten unter anderem, man habe sich auf Aussagen von al-Kaida-Mitgliedern verlassen, die durch Folter erzwungen wurden.

9/11-Helfer

Zehntausende Freiwillige halfen nach den Anschlägen bei den Aufräumarbeiten und wurden dabei nicht nur mit den Trümmern rund um Ground Zero konfrontiert, sondern auch mit menschlichen Überresten. Eine Studie von Molly Remch von der City University in New York und Zoey Laskaris von der University of Michigan begleitete knapp 6500 Freiwillige mehr als 10 Jahre lang und kam zu dem Schluss, dass sie ein deutlich erhöhtes Risiko für psychische Traumatisierung und Herz-Kreislauf-Erkrankungen aufweisen.

Im November 2010 brachte die Stadt New York ein Hilfspaket in Höhe von insgesamt 625 Millionen US-Dollar für mehr als 10.000 Arbeiter auf den Weg, die durch die Schadstoffe in der Atemluft rund um Ground Zero an Krebs oder Lungenproblemen erkrankt waren. Im Januar 2011 unterschrieb Präsident Obama ein Gesetz, das Polizisten, Feuerwehrleuten, Aufräumarbeitern und Anwohnern insgesamt 4,2 Milliarden US-Dollar an Entschädigungszahlungen für gesundheitliche Spätfolgen zusagte.

9/11-Verschwörungstheorien

Bis heute halten sich zahlreiche Verschwörungstheorien zu den Anschlägen am 11. September 2001. Meist laufen sie darauf hinaus, dass nicht die Terrororganisation al-Kaida, sondern die US-Regierung, Geheimdienste oder Juden in Wahrheit für die Anschläge verantwortlich seien. „9/11-Truth-Movement“ lautet die Sammelbezeichnung für alle, die an der offiziellen Version der Ereignisse zweifeln.

Die Parole „9/11 was an inside job“ begründet sich durch die Annahme, die US-Regierung habe die Anschläge verursacht oder zumindest nicht verhindert, weil sie davon insgeheim profitiert. Die mehrheitliche Zustimmung der Bevölkerung für den Antiterrorkrieg der USA und die Einschränkung von Bürgerrechten in der Folge von 9/11 dient den sogenannten „Truthern“ damit als Beleg für die Verwicklung der Regierung in die Anschläge. In diesem Artikel haben wir Ihnen die besten Verschwörungstheorien zu 9/11 zusammengetragen.

Das neue World Trade Center

Auf dem Ground-Zero-Gelände wurde seit 2006 ein neues World Trade Center gebaut. Dazu gehören mehrere Wolkenkratzer, eine unterirdische Shoppingmall und das National September 11 Memorial and Museum. Einer der Wolkenkratzer, das One World Trade Center, ist mit 541,3 Metern das höchste Gebäude der Vereinigten Staaten.

  Zur Startseite
Schlagworte