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Kontrollierte Sprengung, ganz klar!
Terror am 11. September 2001
Politik

Die 9/11-Weltverschwörung

Von Patrick Schlereth
08:31

Die US-Regierung war's! Der Geheimdienst ist schuld! Die Juden stecken dahinter! Die Terroranschläge vom 11. September 2001 rufen Verschwörungstheoriker auf den Plan wie kaum ein anderes historisches Ereignis - vielleicht mal abgesehen von der Mondlandung. Wir haben einige der verrücktesten Theorien der sogenannten „Truther“ für Sie zusammengetragen - natürlich ohne Anspruch auf Vollständigkeit.

9/11 war eine kontrollierte Sprengung

Dass die Zwillingstürme des World Trade Centers nach den Anschlägen so schnell in sich zusammenfielen, spreche für eine kontrollierte Sprengung der Gebäude, sagen jene, die an der offiziellen Version der Ereignisse zweifeln. Diese Theorie ist so beliebt, dass sie sogar in einem Artikel des renommierten Fachmagazins „Europhysics News“ behandelt wurde. Als vermeintlich unwiderlegbaren Beweis führen Verschwörungstheoretiker gerne den Einsturz des WTC 7 ins Feld: Im Gegensatz zu den Zwillingstürmen wurde das deutlich kleinere Hochhaus nicht von einem Flugzeug getroffen, fiel aber am frühen Abend trotzdem in sich zusammen. Dass der Turm von herabstürzenden Trümmerteilen getroffen wurde, reicht den Skeptikern nicht als Begründung für den Einsturz.

Ein beliebtes Argument betrifft die Konstruktion der Türme: Die durch Kerosin verursachten Brände in den Zwillingstürmen seien nicht heiß genug gewesen, um Stahl zum Schmelzen zu bringen. Das behauptet aber auch niemand. Stahl schmilzt bei etwa 1500 Grad Celsius, wird aber schon bei deutlich niedrigeren Temperaturen instabil. Man denke an einen Schmied, der Stahl so stark erhitzt, dass er ihn in eine bestimmte Form hämmern kann.

Und was ist mit den Explosionswolken, die man auf den Bildern aus den Stockwerken herausschießen sah? Das waren eben keine Zeichen einer kontrollierten Sprengung, sondern eine Mischung aus Staub, Luft und Fensterglas aus dem Gebäude, das durch die fallenden Trümmer nach unten gedrückt wurde. Überhaupt ist es ziemlich unwahrscheinlich, dass keiner der Angestellten die aufwendigen Vorbereitungen für so eine Sprengung mitbekam, obwohl das World Trade Center praktisch rund um die Uhr besetzt war. Immerhin hätte man dafür Kilometer von Kabel verlegen und tausende von Löchern für die Sprengladungen in die Träger auf allen Stockwerken bohren müssen.

Das Loch im Pentagon ist zu klein

Noch eine beliebte Theorie unter Aluhutträgern: Das Einschlagloch an der Westwand des Pentagon kann nicht von einem Passagierflugzeug, sondern nur von einer Rakete stammen. Auf den ersten Blick ist die Behauptung sogar plausibel, denn das Loch ist kleiner als eine Boeing 757 groß ist.

Physiker halten dagegen, dass sich das Flugzeug beim Eindringen in das Gebäude eher wie eine Flüssigkeit als wie ein fester Körper verhalten habe. Die Flügel, die eigentlich Schaden an dem Gebäude hätten verursachen müssen, rissen beim Aufprall auf einen großen Generator und die Außenfassade ab. Ganz abgesehen davon, dass Augenzeugen das Flugzeug ins Pentagon fliegen sahen und die Überreste toter Passagiere im Pentagon gefunden wurden.

9/11-Insiderhandel an der Börse

Der Terror als Spekulationsobjekt an der Börse? Als gesicherte Information gilt, dass kurz vor den Terroranschlägen auf fallende Kurse für die Aktien der betroffenen Fluggesellschaften United Airlines und American Airlines gesetzt wurde. Das beflügelt die Fantasie von Verschwörungstheoretikern: Sie vermuten etwa, Al-Kaida-Anführer Osama bin Laden könnte selbst an der Börse spekuliert und mit dem von ihm befohlenen Terroranschlägen einen beträchtlichen Gewinn gescheffelt haben.

Ein Teil der Geschichte ist allerdings auch, dass American Airlines kurz vor den Anschlägen eine Gewinnwarnung veröffentlichte, was Investoren grundsätzlich zum Verkauf ihrer Anteile bewegt. Und überhaupt: Wie passt die Idee von bin Laden als Börsenspekulant zu der Vermutung der „truther“, für den Anschlag sei nicht al-Kaida, sondern die US-Regierung verantwortlich?

USA werden angegriffen, Bush im Klassenzimmer

Wo wir gerade bei der Idee sind, der Drahtzieher des Anschlags gehöre zur US-Regierung: Als Präsident George W. Bush von den Terroranschlägen am 11. September erfährt, sitzt er gerade in einem Klassenzimmer in Florida und lässt sich von Grundschülern eine Geschichte vorlesen, Fernsehkameras filmen den Auftritt. Seine Miene versteinert sich, als ihm ein Mitarbeiter etwas ins Ohr flüstert. Es vergehen weitere sieben Minuten, die sich in der Rückschau wie eine gefühlte Ewigkeit anfühlen, bis Bush den Klassenraum verlässt. Verschwörungstheoretiker sehen in diesem unaufgeregten Verhalten den ultimativen Beweis dafür, dass Bush die Anschläge selbst anordnete oder zumindest nichts dagegen unternehmen wollte.

Man kann von Bush halten, was man will. Aber als vermeintlicher Masterplaner eines Schwindels von gewaltigem Ausmaß hätte er es wohl hinbekommen, vor den anwesenden Journalisten Überraschung und Entsetzen zu heucheln und hektisch den Raum zu verlassen. In seinen Memoiren wird Bush später schreiben, sein Pressesprecher Ari Fleischer habe ihm während der Schulstunde ein Schild entgegengehalten: „Don’t say anything yet.“ Warum sollte er auch die Kinder beunruhigen, sich die Haare raufen oder wüste Spekulationen anstellen in einem Moment, in dem noch kaum Hintergründe über die Vorgänge bekannt sind?

WTC-Eigentümer verdiente an 9/11

Larry Silverstein hatte die Zwillingstürme des World Trade Centers erst im Juli 2001 für 99 Jahre gepachtet, was insgesamt 3,2 Milliarden US-Dollar kostete, und den Neuerwerb gut gegen einen Terroranschlag versichert. Wer das verdächtig findet, hat vielleicht noch nie davon gehört, das schon im Jahr 1993 ein Bombenanschlag auf das World Trade Center verübt wurde.

Nach 9/11 erhielt Silverstein eine Summe von 4,7 Milliarden Dollar. Klingt nach einem guten Geschäft, finden Verschwörungstheoretiker. Ist es aber nicht. Die Grundpacht von 102 Millionen Dollar pro Jahr wurde auch weiterhin fällig, nachdem der World-Trade-Center-Komplex in Schutt und Asche lag und die kalkulierten Einnahmen für Büromieten ausfielen. Ganz zu schweigen von den Kosten für die Aufräumarbeiten und den Neubau.

Und was ist mit dem TV-Interview aus dem Jahr 2002, in dem Silverstein angeblich zugibt, den Befehl zur Sprengung des WTC 7 selbst erteilt zu haben? Das behaupten zumindest Skeptiker und berufen sich auf seinen Satz: „Maybe the smartest thing to do is pull it.“ Man kann „to pull“ natürlich als Aufruf zur Sprengung verstehen, wenn man möchte. Man muss dafür nur die Prämisse in Kauf nehmen, dass Silverstein so blöde ist, seinen Sprengbefehl in einem TV-Interview auszuplaudern.

Tatsächlich berichtete Silverstein in dem besagten Video von einem Anruf des Feuerwehrchefs, dem er mit der nachlässigen Formulierung „to pull“ dazu riet, die Feuerwehrleute aus dem brennenden und einsturzgefährdeten WTC 7 abzuziehen.

Silverstein ist übrigens Jude, was insofern relevant ist, als in den beliebtesten Verschwörungstheorien oft Antisemitismus mitschwingt.

Juden und der Flug „Q33NY“

Apropos Antisemitismus: Die Flugnummer „Q33NY“ gilt als untrügliches Indiz dafür, dass die Juden bei 9/11 ihre Finger im Spiel hatten. Gibt man die Flugnummer nämlich in Word ein und lässt sie in der Schriftart „Wingdings“ anzeigen, erscheint ein Flugzeug, zwei Hochhäuser (die genauso gut zwei Blätter Papier sein könnten), ein Totenkopf und ein Davidstern.

Probieren Sie es ruhig aus in Word, es stimmt tatsächlich. Das einzige Problem mit der Theorie ist, dass die Flugnummer „Q33NY“ mit den 9/11-Anschlägen rein gar nichts zu tun hatte.

Juden wurden vor 9/11 gewarnt

Hartnäckig hält sich die Behauptung, 4000 Juden seien am 11. September ganz zufällig nicht zur Arbeit im World Trade Center erschienen. Das Gerücht wurde durch die syrische Staatszeitung „Al Thawra“ aufgebracht, die Verschwörungstheoretiker griffen es dankbar auf. Dabei würde es mehr als eine logistische Meisterleistung erfordern, 4000 Menschen vom Anschlagsort fernzuhalten, ohne dass andere davon Wind bekämen.

Die Zahl 4000 könnte sich auf eine Meldung der „Jerusalem Post“ beziehen, nach der das israelische Außenministerium eine Liste von 4000 Personen erstellt hatte, die sich in der Nähe von World Trade Center oder Pentagon aufhielten und von ihren Angehörigen nicht erreicht werden konnten. Am Ende wurden Hunderte Juden bei den Anschlägen getötet.

„No Plane“ - alles nur inszeniert!

Die „No-Plane“-Theorie stellt alle bisher genannten Verschwörungstheorien in ihrer Absurdität in den Schatten. Demnach haben nämlich niemals irgendwelche Flugzeuge das World Trade Center oder das Pentagon getroffen. Die TV-Bilder aus New York, die in der ganzen Welt ausgestrahlt wurden, waren in Wirklichkeit nur manipuliert. Die zahlreichen Augenzeugenberichte wurden von Agenten geliefert. Man kann sich kaum ausmalen, wie viele abertausende von Menschen in diesen gigantischen Schwindel hätten eingeweiht sein müssen.

Wie abwegig die „No-Plane“-Theorie ist, zeigt auch der Umstand, dass sich selbst Anhänger des „9/11 Truth Movements“ von der Idee distanzieren - obwohl man sich unter den „Truthern“ grundsätzlich für keinen Schwachsinn zu schade ist.

Die Illuminaten und die Zahl 23

Auch Zahlenspiele sind beliebt unter den Verschwörungstheorien zum 11. September. Eins davon geht so: New York City hat 11 Buchstaben, Afghanistan hat 11 Buchstaben, George W. Bush hat 11 Buchstaben, New York ist der 11. Bundesstaat, Flug Nr. 11 flog zuerst in den Nordturm des WTC, die Notrufnummer in den USA ist 911 (9+1+1=11 oder einfach 9/11), die Anschläge ereigneten sich am 11. September, die Zwillingstürme bilden aus der Ferne betrachtet eine 11 – und so weiter. Und was sagt uns das? Eigentlich nur, dass Verschwörungstheoretiker ziemlich durchgeknallt sind.

Eine weitere Kostprobe zum Abschluss: Bilde man die Quersumme aus den Ziffern des Datums 11.9.2001, ergebe das die 23 - eine Symbolzahl der Illuminaten, die ja von der Weltbank über das FBI bis zum Vatikan überall ihre Finger im Spiel hätten. Aufschlussreich? Nicht wirklich. Vor allem nicht, weil die Quersumme aus den Ziffern des Datums 11.9.2001 nicht 23 ist, sondern 14.

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