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Feuerwehrleute an einem Tatort in der Metropole Surabaya.
Indonesien
Politik

Anschlagsserie erschüttert Java

Von Willi Germund
13:53

In der indonesischen Großstadt Surabaya haben sich am Sonntag eine Frau und zwei Kinder in einer katholischen Kirche in die Luft gesprengt. Nahezu gleichzeitig detonierten Sprengsätze in zwei weiteren christlichen Gotteshäusern. Nach ersten Angaben wurden mindestens 13 Menschen getötet und rund 40 verletzt. Die Behörden lasten die Bombenserie der Gruppe Jemaat Ansharud Daulah (JAD) an, einem lokalen Ableger der Terrorgruppe „Islamischer Staat“ (IS).

In der mit 250 Millionen Einwohner größten islamischen Nation der Welt nährt die Anschlagsserie die Angst vor einer neuen Offensive der Radikalen. Vor einigen Tagen hatten Angehörige der Terrorgruppe 36 Stunden lange drei Zellenblocks im Hochsicherheitsgefängnis Mako Brimon in Depok am Stadtrand der Hauptstadt Jakarta in ihre Gewalt gebracht. Sie töteten fünf Polizisten. Ein Gefangener kam ums Leben. In dem Gefängnis ist seit einigen Monaten Aman Abdurrahman untergebracht.

Er gilt als Rädelsführer des ersten IS-Anschlags auf indonesischem Boden 2016. Nach Angaben der Behörden saß er in einem Flügel des Hochsicherheitsgefängnisses, der von dem Aufstand verschont blieb.

Doch schon vor der Inhaftierung von Abdurrahman galten Indonesiens Gefängnisse als Terror-Akademien. An dem Gefängnisaufstand sollen sich 150 Gefangenen beteiligt haben. Wawan Purwanto, Sprecher des Geheimdienstes, zeigte sich gegenüber Medien überzeugt, dass der Gefängnisaufstand und die Anschläge auf die Kirchen in Surabaya zusammenhingen. „Die haben das  lange geplant.“ Stunden nach dem Ende des Aufstands erstach ein Extremist einen Polizisten nahe einer Moschee.

Am Samstag verhaftete die Polizei wenige Stunden vor dem Anschlag auf die Kirchen zwei Frauen in der Nähe des Mako Brimob Gefängnisses bei Jakarta. Angeblich hatten sie geplant, unter dem Vorwand eines Gefangenenbesuchs Polizisten zu erstechen.

Aus Indonesien, dessen 250 Millionen Einwohner zu 90 Prozent muslimisch sind, stammen knapp 1000 Mitglieder des IS im Nahen Osten. Südostasiens Staaten fürchten, dass viele von ihnen heimkehren und zu Hause ihren Kampf fortsetzen könnten. In einigen Hauptstädten der Region wird deshalb Unmut über westliche Staaten spürbar. Der Vorwurf: Die USA und westliche Staaten kümmerten sich nicht ausreichend um diese Gefahr. Tatsächlich liegt insbesondere das Augenmerk der Europäer auf Nordafrika. „Wenn der IS erst einmal in Nordafrika angelangt ist, ist er auch in Europa“, , sagt ein Experte.

Dass Kinder mit Sprengstoffwesten Anschläge verüben – denen in den Kirchen auch Kinder zum Opfer fielen –, deutet darauf hin: In Indonesien droht den Menschen tödliche Gefahr von Islamisten, die nicht im Nahen Osten, sondern in Moscheen und Religionsschulen ausgebildet und geködert wurden. Oder von Menschen, die sich in den Gefängnissen radikalisiert haben.

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