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Donald Trump (m.) packt seine Familie aus: Donald Trump jr., Ivanka Trump und Eric Trump (v.l.n.r.) werden alle als Redner auf dem Parteitag in Erscheinung treten.
Trump Convention
Politik

Die Resterampe der Republikaner

Von Daniel Dillmann
17:47

Der Auftrag ist staatstragend. Es geht auf dem Parteitag der Republikaner um nicht weniger als die Nominierung des Kandidaten für die Präsidentschaftswahl der USA. Doch weil Donald Trump der einzig Verbliebene im Rennen ist,  wird der Parteitag zu Showveranstaltung des exzentrischen Milliardärs.

Vier Tage, 69 Redner und ebenso viele Veranstaltungsorte, Kosten von geschätzten 60 Millionen Dollar – das sind die Eckdaten der „Trump Convention“, wie der Parteitag in Cleveland unlängst von Paul Manafort, Wahlkampfmanager im Trump-Lager, bezeichnet wurde. Die Rednerliste soll laut US-Fachzeitschrift „Politico“ von Trump höchstpersönlich erstellt worden sein, mit dem Ziel „Drama und Spektakel“  zu maximieren.  Er selbst bleibt da nur bedingt bescheidener. „Ein wenig Showbiz“ kündigt er für den Parteitag an. Das letzte Treffen vor vier Jahren sei die „langweiligste Zusammenkunft aller Zeiten“ gewesen und das gelte es zu ändern.

Geht es um Spektakel, hält Trump Wort. Zehn Redner aus der Unterhaltungsbranche sind angekündigt, darunter feinster White Trash wie Willie Robertson, Star der Reality TV-Serie Duck Dynasty, eine ehemalige Astronautin (Eileen Collins) und gleich zwei Schauspieler der Soap Opera  „Reich und Schön“. Auch Dana White ist angekündigt, Präsident der „Ultimate Fighting Challenge“, einer kontrovers diskutierten Mixed-Martial-Arts Kampfsportveranstaltung. White gilt als glühender Trump-Anhänger. Sportgrößen wie Box-Promoter Don King oder Football-Quarterback Tom Brady werden nicht auftreten – dafür aber Natalie Gulbis. Die Golferin steht derzeit auf Platz 484 der Weltrangliste und erlangte die größte Aufmerksamkeit, als sie sich 2012 für das Magazin „Sports Illustrated“ leichtbekleidet ablichten ließ.

Stark vertreten ist auch die Riege der Hinterbliebenen: sechs Redner_innen sind Väter oder Mütter von Getöteten. Ihre Kinder starben entweder als Soldaten in Militäreinsätzen oder wurden von illegalen Einwanderern oder Gangmitgliedern getötet. Die Stoßrichtung ihrer Redebeiträge liegt auf der Hand.

Das gilt nicht für den bekanntesten Vertreter aus den Reihen der Privatwirtschaft, Peter Thiel. Der gebürtige Frankfurter ist Gründer des Unternehmens Pay Pal und gilt als erster offen schwuler Redner auf einem republikanischen Parteitag überhaupt. Der Inhalt seines Redebeitrags wird mit Spannung erwartet, spricht er doch vor Delegierten, die in überwältigender Mehrheit die Ehe für alle ablehnen.

Was fehlt? Die Riege der altgedienten Republikaner. Weder einer der noch lebenden ehemaligen Präsidenten noch einer der einstigen Kandidaten macht sich für Trump stark. Namen wie die Bushs, John McCain, Mitt Romney oder Dick Cheney sucht man vergebens. Auch andere politische Schwergewichte aus den Reihen der Konservativen wie Susana Martinez und Nikki Haley, Gouverneurinnen  von New Mexico und South Carolina, glänzen durch Abwesenheit.

Doch immerhin 27 Politiker haben es in die Rednerliste geschafft – darunter drei Personen, die im Vorwahlkampf als Trumps erbitterte Konkurrenten um die Präsidentschaft auftraten und Zielscheiben seiner Polemik waren. Der erste ist Marco Rubio, mit dem sich Trump eine Diskussion über die Größe seines Genitals lieferte. Der andere ist Ted Cruz, dem Trump vorgeworfen hatte, er würde zu viel schwitzen,  um mit Wladimir Putin verhandeln zu können. Auf der Bühne in Cleveland erscheinen wird auch Rick Perry, Gouverneur des Bundesstaates Texas. Perry hatte Trumps Kandidatur zu Beginn des Vorwahlkampf als „Krebsgeschwür der Konservativen“ in den USA bezeichnet. Alle drei wollen sich nun an die Seite von Trump stellen.

Statt namhaften Politikern will Trump in Cleveland andere Trümpfe aus dem Ärmel zaubern und baut dabei vor allem auf Freunde und Familie. Zehn Redner_innen stammen aus dem direkten Umfeld des Milliardärs, fünf davon sind direkte Familienmitglieder. Ihre Aufgabe wird es sein, Trump als liebevollen Ehemann (von Melania) und fürsorglichen Vater (von den Kindern Ivanka, Eric, Tiffany und Donald Jr.)  darzustellen.

Damit sprechen auf dem Parteitag genauso viele Trumps wie amtierende Senatoren. Im Gegensatz zu den Senatoren befinden sich alle sechs Trumps unter den 19 Hauptrednern der Veranstaltung und symbolisieren so perfekt den Geist der diesjährigen „Trump-Convention“.

 

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