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Deniz Yücel. (Archivphoto)
Türkei
Politik

Deniz Yücel „verlässt das Gefängnis und ist frei“

11:27

Die Türkei hat den deutsch-türkischen Journalisten Deniz Yücel freigelassen. Das meldete sein Arbeitgeber, die Zeitung „Welt“, am Freitag auf ihrer Website. Sein Anwalt Veysel Ok teilte auf Twitter mit: „Und endlich gibt es für meinen Mandanten Deniz Yücel einen Entlassungsbefehl.“ Die Bundesregierung bestätigte die Freilassung. „Jetzt müssen wir natürlich abwarten, was in den nächsten Minuten, Stunden passiert“, sagte ein Sprecher des Auswärtigen Amtes.

Yücel hat das Gefängnis in der Türkei verlassen. Yücel sei frei, schreibt die „Welt“ am Freitag bei Twitter. Yücels Anwalt Veysel Ok twitterte ein Bild des Journalisten, auf dem er seine Ehefrau Dilek Mayatürk Yücel umarmt.

Bundesaußenminister Sigmar Gabriel rechnet fest damit, dass er nach seiner Freilassung in der Türkei sehr bald das Land verlassen darf. Das sagte Gabriel am Freitag am Rande der Münchner Sicherheitskonferenz. Eine Ausreisesperre liege nicht vor.

Wie vermeldet wird, wurde die Freilassung von Deniz Yücel von einem türkischen Gericht nach der Vorlage einer Anklageschrift durch die Staatswanltschaft angeordnet. Die staatliche Nachrichtenagentur Anadolu meldete am Freitag, die Istanbuler Staatsanwaltschaft habe eine Anklageschrift vorgelegt, in der 18 Jahre Haft für den „Welt“-Korrespondenten gefordert werde. Das Gericht habe die Anklageschrift angenommen und Yücel dann aus der Untersuchungshaft entlassen.

Kaum hatten die Nachrichtenagenturen gemeldet, dass Deniz Yücel aus türkischer Haft freikommt, stand bei Bürgermeister Michael Antenbrink (SPD) im Flörsheimer Rathaus das Telefon nicht mehr still. Zeitungsjournalisten und Fernsehsender wollten Statements aus Yücels Heimatstadt.  „Wer Lust und Zeit hat, wir treffen uns vor der Flörsheimer Stadthalle ab 12.30 Uhr“, postete Antenbrink  spontan im sozialen Netzwerk Facebook. Die Nachricht wurde rasch geteilt und geliked.

In Flörsheim geht man wieder auf die Straße

„Herzlichen Glückwunsch zur Freiheit. Respekt an alle, die sich für ihn eingesetzt haben“, schrieb der frühere Hattersheimer Bürgermeister Hans Franssen (SPD). Und Marek Meyer, SPD-Chef aus der Nachbarstadt Hattersheim kommentierte: „Es ist bewundernswert, mit welcher Ausdauer die Flörsheimer mit regelmäßigen Mahnwachen auf die Inhaftierung von Deniz Yücel hingewiesen und für seine Freilassung gekämpft haben!“

„Wir sind überglücklich, wenn Deniz jetzt frei kommt. Der monatliche  Protest vor der Stadthalle hat sicher wesentlich dazu beigetragen“, sagte Michael Antenbrink der FR. „Ich danke allen, die uns über ein Jahr   bei den Mahnwachen unterstützt haben.“ 

Erst am vergangenen Mittwoch hatten sich wieder 150 Menschen zum Protest in Yücels Heimatstadt, in der  seine Eltern und seine Schwester leben, zusammengefunden. Organisiert hatte die Mahnwache zum Jahrestag der Inhaftierung des Journalisten wie all die Monate zuvor der Flörsheimer Magistrat. Das Stadtparlament hatte dazu einen einstimmigen Beschluss gefasst. Die Kommunalpolitiker zeigten sich über Parteigrenzen hinweg solidarisch mit dem Inhaftierten und forderten Yücels Freilassung.

Sigmar Gabriel hat sich eingesetzt

Der Fall war zuletzt der größte Streitpunkt im Verhältnis zur Türkei. Yücel saß ein Jahr ohne Anklage in der Türkei im Gefängnis. Anschließend wurde gegen ihn wegen Terrorvorwürfen Untersuchungshaft verhängt. Zuletzt war aber Bewegung in den Fall gekommen.
Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hatte am Donnerstag nach einem Treffen mit dem türkischen Ministerpräsidenten Binali Yildirim gesagt. Sie habe Yildirim darauf hingewiesen, „dass dieser Fall eine besondere Dringlichkeit für uns hat“.

Vor seinem Deutschland-Besuch hatte Yildirim der ARD gesagt, er hoffe auf eine baldige Freilassung Yücels. Außenminister Sigmar Gabriel sagte Mitte der Woche bei einem Besuch in Belgrad: „Ich bin relativ optimistisch, dass wir doch jetzt bald zu einer Gerichtsentscheidung kommen.“ Der SPD-Politiker fügte an: „Und ich hoffe natürlich, dass die positiv für Deniz Yücel ausgeht.“

Im Oktober hatte ein türkisches Gericht die Freilassung des deutschen Menschenrechtlers Peter Steudtner verfügt und keine Ausreisesperre verhängt. Er konnte nach Deutschland zurückkehren, obwohl der Prozess gegen ihn weiterläuft. Steudtners Freilassung – und auch die der Übersetzerin Mesale Tolu – hat zu einer leichten Entspannung des deutsch-türkischen Verhältnisses geführt. (FR/dpa)

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