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Die deutsche Vertretung in der Türkei habe die konsularische Betreuung des Mannes eingeleitet, heißt es aus dem Auswärtigen Amt.
Türkei
Politik

Propaganda-Vorwürfe gegen in Türkei inhaftierten Deutschen

Von Thorsten Knuf
19:20

Im Fall des kürzlich in der Türkei inhaftierten Deutschen Ilhami A. gibt es bislang offenbar keine Bewegung. Ein Sprecher des Auswärtigen Amtes sagte am Freitag in Berlin, der Fall sei bekannt. Die deutsche Vertretung in der Türkei habe die konsularische Betreuung des Mannes eingeleitet, sie bemüht sich also beispielsweise um einen Besuch im Gefängnis. Mit Rücksicht auf den Persönlichkeitsschutz könnten keine weiteren Angaben zu dem Fall gemacht werden.

Ilhami A. war nach Angaben seines Anwalts am Mittwoch in der osttürkischen Provinz Elazig, wo er seine Mutter besuchte, festgenommen worden. Ein Gericht verhängte kurz danach Untersuchungshaft gegen den 46-jährigen Hamburger. Laut Anwalt werfen die türkischen Behörden dem kurdischstämmigen Mann vor, über die sozialen Medien Propaganda für die kurdische PKK verbreitet zu haben. Sie gilt in der Türkei und in Europa als terroristische Organisation.

Tourismus baut Brücken

Ilhami A. arbeitet in Hamburg als selbstständiger Taxifahrer. Neben ihm sind derzeit sieben weitere Bundesbürger aus politischen Gründen in der Türkei in Haft. In der Regel geht es um Terror-Vorwürfe, wenn auch nicht immer im Zusammenhang mit der PKK. Seit dem gescheiterten Putschversuch von 2016 gegen Präsident Recep Tayyip Erdogan geht der türkische Staat im großen Stil gegen missliebige In- und Ausländer vor. Die Fälle der inhaftierten Deutschen belasten weiterhin das Verhältnis zwischen den Regierungen in Berlin und Ankara, obwohl sich dieses seit der Entlassung des deutsch-türkischen Journalisten Deniz Yücel aus der türkischen Untersuchungshaft Mitte Februar wieder deutlich gebessert hatte. Ende September wird Präsident Erdogan zu einem Staatsbesuch in Deutschland erwartet.

Am Mittwoch erst hatte Kanzlerin Angela Merkel (CDU) mit Erdogan telefoniert. Die Türkei, die derzeit von einer Währungskrise erschüttert wird und die sich in einem schweren Handelskonflikt mit den USA befindet, bemüht sich gerade auffällig um eine enge Abstimmung mit Deutschland. Die Bundesregierung betont immer wieder, dass Deutschland ein großes Interesse an einer ökonomisch stabilen Türkei habe. Noch vor dem Staatsbesuch Erdogans sollen Bundesfinanzminister Olaf Scholz (SPD) und Wirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) mit ihren türkischen Amtskollegen zusammentreffen. Ein Datum konnte die Bundesregierung am Freitag noch nicht nennen.

Allerdings warb sie dafür, Urlaub in der Türkei zu machen. Es gebe keinen Grund, dies nicht zu tun, sagte der Tourismusbeauftragte der Regierung, Wirtschafts-Staatssekretär Thomas Bareiß (CDU), der FAZ. Er selbst habe gerade seinen Urlaub in der Türkei verbracht, betonte Bareiß. Tourismus baue persönliche Brücken zwischen den Ländern. „Das brauchen wir derzeit mehr denn je.“ Die Menschen in der Türkei zeichneten sich durch eine große Gastfreundschaft aus.

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