© dpa, FR
Die „Osmanen“ haben aktuell im gesamten Bundesgebiet 22 Ortsgruppen mit zusammen rund 300 Mitgliedern.
Türkische Rocker
Politik

Razzia gegen „Osmanen Germania“

Von Markus Decker
16:37

Mit einer bundesweiten Razzia ist die Polizei am Dienstag gegen die türkischstämmige Rockergruppe „Osmanen Germania“ vorgegangen. Insgesamt waren mehr als 1000 Polizisten im Einsatz.

Nach Angaben des Bundesinnenministeriums besteht der dringende Verdacht, dass der offiziell als Boxklub firmierende Verein in Deutschland illegale Aktivitäten entfalten könnte. Die „Osmanen“ haben aktuell im gesamten Bundesgebiet 22 Ortsgruppen mit zusammen rund 300 Mitgliedern.

Nach Informationen der FR diente die Razzia auch dem Zweck, Material für ein etwaiges Verbot zu sammeln. Zunächst einmal gehe es darum, Strukturen aufzudecken, verlautete aus Sicherheitskreisen. „Wenn dies dabei hilft, die Strukturen zu verbieten, umso besser.“

Schwerpunkt der Razzia in NRW

Der erst 2015 in Hessen gegründete Klub galt zeitweise als die am schnellsten wachsende rockerähnliche Gruppierung in Deutschland. „Bund und Länder zeigen mit den heutigen Maßnahmen, dass wir kriminelle Aktivitäten, egal vor welchem gesellschaftlichen Hintergrund, nicht dulden“, sagte der noch geschäftsführende Bundesinnenminister Thomas de Maizière. Der Verein behaupte, Jugendliche „von der Straße holen“ zu wollen. Tatsächlich falle er aber durch gewalttätige Gebiets- und Machtkämpfe auf. Es sei auch mehrfach zu schweren Körperverletzungs- und versuchten Tötungsdelikten gekommen.

Der Schwerpunkt der Razzia lag in Nordrhein-Westfalen, wo die Gruppe nach jüngsten Zahlen die Mehrheit ihrer Mitglieder hat. Dort durchsuchten 800 Polizisten mehr als 40 Wohnungen und Geschäftsräume in 20 Städten. Dabei wurden zahlreiche Kutten, Datenträger, Schriftstücke, aber auch Waffen und Drogen sichergestellt. Einsätze gab es unter anderem in Duisburg, Essen, Köln, Recklinghausen und Wuppertal. „Wir beobachten die Szene sehr genau und lassen uns von diesen Organisationen nicht blenden“, sagte NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU).

Die Rockergruppe hat nach Einschätzung des nordrhein-westfälischen Innenministeriums Verbindungen zur türkischen Regierungspartei AKP und zum Umfeld des Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdogan. Sie vertrete nationalistische und rechtsextremistische Positionen, heißt es. Ihre Aktivitäten würden von offizieller türkischer Seite als „Terrorbekämpfung“ befürwortet.

In Baden-Württemberg wurden acht Objekte von mehr als 100 Polizisten durchsucht. In Hessen waren zehn Objekte betroffen und 120 Beamte beteiligt. Ein Schwerpunkt der hessischen Aktionen lag auf Dietzenbach mit laut Landeskriminalamt mehreren Wohnungen. In Dietzenbach befand sich noch im vergangenen Jahr das Hauptquartier des Vereins. Auch in Oberursel wurde die Polizei aktiv.

Vom 26. März an müssen sich in Stuttgart acht mutmaßliche „Osmanen“ – darunter drei aus der weltweit höchsten Führungsebene – vor Gericht verantworten. Ihnen wird unter anderem versuchter Mord, versuchter Totschlag, räuberische Erpressung, gefährliche Körperverletzung, Zwangsprostitution und Zuhälterei vorgeworfen.

  Zur Startseite