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Muss Trump vor der Präsidentschaft gerettet werden?
USA
Politik

Was Bob Woodward über Donald Trump schreibt

Von Daniel Dillmann
12:44

Es ist nicht das erste Buch, das über Donald Trumps Präsidentschaft geschrieben wurde. Man denke nur an „Fire and Fury“ von Michael Wolff oder an „Unhinged“ von Omarosa Manigault. Es ist auch nicht das erste Buch, das dem Präsidenten Unfähigkeit unterstellt und das den Amtssitz als eine Art Irrenhaus beschreibt. Trotzdem ist Bob Woodwards „Fear“ ein besonderes Buch. Noch bevor es am Dienstag erscheint, bestimmt es die Schlagzeilen der US-Medien – und sorgt für Hektik in Washington.

Das liegt zum einen am Autor. Woodwards Renommee als Journalist könnte kaum größer sein. Zusammen mit seinem Kollegen Carl Bernstein deckte er als Reporter der Washington Post den weitreichenden Machtmissbrauch von US-Präsident Richard Nixon auf, heute bekannt unter dem Begriff der „Watergate-Affäre“.

Bernstein sagte bei CNN über das Buch seines früheren Kollegen, es beweise, dass die USA vor Trumps Präsidentschaft „gerettet werden“ müsse wie auch Trump vor der Präsidentschaft selbst. „Fear“ unterscheide sich von den bisher veröffentlichten Büchern in zwei wesentlichen Punkten: die „erstaunliche Menge an Details“ und die Qualität der Quellen, die sich in unmittelbarer Nähe zu dem Präsidenten befänden. Es gehe nicht um „eine Person aus dem Umfeld Trumps, die ihn einen Idioten nennt“, sondern um eine Vielzahl an Beratern, Ministern und so weiter, die alle von einer Unfähigkeit Trumps berichten.

Und es liegt am Inhalt des Buches. Bislang sind nur Auszüge bekannt, doch die sind gravierend. Woodward spricht in einem Interview mit dem amerikanischen Sender CBS von einem „Nervenzusammenbruch der Exekutive“, der sich seit Trumps Einzug im Weißen Haus ereigne. Ein Überblick über die beschriebenen Ereignisse lässt einen lachen oder schaudern, je nachdem, wie viel Humor man sich im Angesicht des Trumpismus der vergangenen zwei Jahre noch erhalten hat.

Die gestohlenen Dokumente

Da ist zum einen die Geschichte mit den Dokumenten, die man vom Schreibtisch im Oval Office gestohlen hat. Namentlich Gary Cohn, ehemaliger Direktor des Nationalen Wirtschaftsrats. Cohn trat zurück, weil er als Verfechter des radikalen Freihandels nicht einverstanden war mit Tumps Protektionismus und der Einführung von Importzöllen.

Vorher soll er aber laut Woodward noch das ein oder andere Schriftstück gestohlen und das ein oder andere Handelsabkommen damit gerettet haben. Trump habe ein Handelsabkommen mit Südkorea kündigen wollen, ein entsprechendes Dokument lag zur Unterschrift auf dem Schreibtisch. Doch Cohn nutzte eine Gelegenheit, in der POTUS (President of the United States) nicht aufpasste und stibitzte das Schreiben. Trump selbst vergaß die Sache wohl, und deshalb gibt es das Handelsabkommen immer noch.

Ein Interview mit Trumps Anwalt ging schief

Immer noch wie ein Damokles-Schwert schweben die Ermittlungen von FBI-Sonderermittler Robert Mueller über der US-Regierung. Trumps Anwalt John Dowd habe mit Trump eine mögliche Befragung durch Mueller exerziert – mit katastrophalem Ergebnis. Dowd soll dem Präsidenten empfohlen haben, nicht auszusagen, weil er sonst Gefahr laufen würde, ins Gefängnis zu gehen. Im Wortlaut: „Entweder das, oder ein orangefarbener Overall“.

Donald Trump wollte Baschar al-Assad umbringen lassen

An anderer Stelle wird davon berichtet, Trump habe Verteidigungsminister James Mattis gefragt, warum die Vereinigten Staaten überhaupt fast 30.000 Soldaten auf der koreanischen Halbinsel stationiert hätten. Die Antwort des ehemaligen Generals der US-Army: Die Soldaten, Panzer, Raketen und Flugzeuge seien dort, um den dritten Weltkrieg zu verhindern.

Ein anderes Mal soll Trump Mattis befohlen haben, ein Attentat auf Syriens Machthaber Baschar al-Assad durchzuführen. „Lassen sie uns den Kerl verdammt noch mal umbringen“, soll Trump zu seinem Verteidigungsminister gesagt haben und ihm anschließend den direkten Befehl gegeben haben, ein Attentat vorzubereiten. Mattis ignorierte die Anweisung einfach und Trump war kurz darauf wohl wieder mit etwas anderem beschäftigt.

Zum Beispiel mit dem Verfassen eines Tweets, in dem er ankündigen wollte, dass die Vereinigten Staaten die Familienmitglieder der in Südkorea stationierten Truppen in die USA bringen würden. Nordkorea habe dem Pentagon über inoffizielle Kanäle mitgeteilt, dass sie eine solche Bekanntmachung als Vorbereitung eines Militärschlags verstehen würden. Pentagon-Berater hätten daraufhin den Präsidenten angefleht, den Tweet nicht abzusenden. Offensichtlich mit Erfolg.

Donald Trump lässt Tweets ausdrucken

Fast schon nebensächlich wirken da die Anekdoten, nach denen Trump seine populärsten Tweets auf großen Tafeln ausdrucken lasse, um sie stundenlang zu studieren. In einem Gespräch mit seinen Beratern soll sich Trump darüber beschwert haben, dass Twitter die Anzahl der Zeichen von 140 auf 280 erhöht hat. Denn er, Trump, sei „der Ernest Hemingway der 140 Zeichen“ gewesen.

Aus Gründen der Vollständigkeit kann man noch erwähnen, dass Trump Justizminister Jeff Sessions als geistig behindert bezeichnet und Mattis den Intellekt Trumps mit dem eines Fünft- oder Sechsklässers verglichen haben soll.

Donald streitet das alles ab, bezeichnet die Aussagen Woodwards als Lügen und lässt seine im Buch zitierten Stabsmitarbeiter alles abstreiten. Ob er juristisch gegen Woodward, eine lebende Instanz der journalistischen Integrität der USA und fleischgewordener Investigativjournalismus, vorgehen wird, und mit welchem Erfolg, das werden die nächsten Tage zeigen.

Bis dahin hoffen alle mit Bob Woodward, dass es keine internationale Krise gibt, und blicken weiterhin entsetzt auf das Weiße Haus, oder, wie laut Woodward Trumps Stabschef John Kelly sagt: „Wir sind in Crazytown.“

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