© Hessische Hausstiftung/Schlossmuseum Darmstadt, FR
Die Gouache von 1867 zeigt das „Rheintor zu Darmstadt“.
Ausstellung in Darmstadt
Rhein-Main

Darmstadt zur Zeit des Datterich

Von Jens Joachim
11:35

Dem früheren Hof- und Theatermaler Ernst August Schnittspahn widmet das Darmstädter Schlossmuseum zum ersten Mal eine umfassende Sonderausstellung. Für die Schau mit dem Titel „Das alte Darmstadt“ wurden 60 Gouachen Schnittspahns, die vorwiegend historische Stadtansichten von Darmstadt zeigen, aufwendig restauriert.

Nach Einschätzung von Museumsleiterin Alexa-Beatrice Christ war es vermutlich der Erbprinz und spätere Großherzog Ludwig III. von Hessen und bei Rhein, der Schnittspahn damit beauftragte, die bedeutendsten Gebäude seiner Residenz und seines Landes für spätere Zeiten in Bildern festzuhalten. Für den Künstler sei diese Aufgabe „zu seinem Lebenswerk geworden“, so Christ. Von 1839 bis 1876 fertigte er mehr als 150 farbig gefasste Ansichten der wichtigsten Bau- und Gartendenkmäler in Darmstadt und der Umgebung an.

Die noch erhaltenen Gouachen befinden sich heute im Besitz der Hessischen Hausstiftung. Nach den Worten Christs dürfte es aber weitere Blätter gegeben haben, weil im Darmstädter Stadtarchiv weitere Vorzeichnungen zu finden sind.

Zu Beginn der Ausstellung bekommen die Besucherinnen und Besucher des Museums noch eine andere Seite Schnittspahns präsentiert. Zu sehen ist ein 1820 angefertigtes Stillleben, auf dem Blumen in einer Vase sowie ein Schmetterling und eine Fliege zu sehen sind. Bei dem Gemälde handelt es sich um eine Dauerleihgabe des Hessischen Landesmuseums an das Institut Mathildenhöhe und die Städtische Kunstsammlung Darmstadt.

Die ausgestellten Stadtansichten seien so etwas „wie der Datterich in Farbe“, sagte Museumsleiterin Christ jetzt bei einem Rundgang. Die Lokalposse um den entlassenen und versoffenen Finanzbeamten Datterich von Ernst Elias Niebergall erschien 1841.

 

Sieben Jahre später wurde Ludwig III. Großherzog. Er sah sich Christ zufolge „als Bewahrer des kulturellen Erbes seiner Vorfahren“ und handelte in der Tradition seines Großvaters, Großherzog Ludewigs I. Der „Lange Lui“ auf dem Luisenplatz erinnert noch heute an den ersten Darmstädter Großherzog. Ludewig I. hatte einst die erste umfassende Verordnung zum Denkmalschutz in Deutschland erlassen. Und auch sein Enkel setzte sich für den Erhalt vieler historischer Gebäude ein und erforschte auch selbst mittelalterliche Burgen.

Christ zufolge erklärt sich so auch die Auswahl der Motive, die Schnittspahn angefertigt habe. Seine Gouachen zeigen, „was von Großherzog Ludwig III. an Gebäuden und Gartenanlagen vor dem Verfall gerettet, wiederhergerichtet, umgebaut, gepflegt oder häufig genutzt worden ist“. „Die Vielfalt, der enorme Detailreichtum und die verlässliche Genauigkeit der Darstellung machen sie zu einzigartigen Bilddokumenten der baugeschichtlichen Vergangenheit der ehemaligen Residenz“, so Christ. Bei derzeit laufenden Sanierung des Schlosses wird sich der künftige Anstrich an den historischen Bildern Schnittspahns orientieren.

Viele der in der Ausstellung gezeigten Gebäude existieren heute nicht mehr. Anhand der Gouachen können sich jedoch auch künftige Generationen ein Bild vom „Alten Darmstadt“ machen. Einigen Gouachen Schnittspahns werden in der Ausstellung auch aktuelle Fotoaufnahmen von Christoph Rau gegenübergestellt, der exakt die Plätze aufgesucht hat, an denen auch Schnittspahn einst stand.

Die Ausstellung und die Herausgabe eines Ausstellungskatalogs, in dem erstmals der Gesamtbestand der in der Hessischen Hausstiftung erhaltenen Schnittspahn-Gouachen erhalten sind, wurden von der Firma Merck, die in diesem Jahr ihr 350-jähriges Bestehen feiert, und der Merck’schen Gesellschaft für Kunst und Wissenschaft finanziell unterstützt.

Lesen Sie weitere Berichte aus Darmstadt   Zur Startseite